Port O'Brien, Herman Düne und Get Well Soon im Fri-Son, Fribourg, 5.12.2008

von Philippe Feer am Dienstag, 9. Dezember 2008 in Konzertberichte   
Get Well SoonSongs about glaciation
Ein scheusslich regnerischer Winterabend war trotz vielversprechend klingenden Namen leider sehr durchzogen und zum Schluss noch richtig frustrierend.

Auf dem Weg zum Fri-Son blies der kalte Wind, angereichert mit Regen, von allen Seiten. Die Freude auf das Fri-Son nahm somit noch merklich zu, vielleicht auch die so entstandenen Erwartungen. Das sterile Hochhaus vor den Türen des Fri-Son war mittlerweile fertig gestellt worden. Ich realisierte, wie lange ich nicht mehr hier gewesen war.
Den Auftakt machten Port O'Brien. Von der Atmosphäre nahm man zwar den kalten Wind von draussen her mit, aber in der verletzlichen Stimme von Van Pierslazowsky wurde man auf See in Alaska entführt und spürte gerade dort die Wärme. Ohne viele Worte machten die bärtigen Kalifornier und die schöne Cambria Goodwyn am kaum hörbaren Banjo einen sympathischen Eindruck. Es wurde rumgehüpft und viel Energie verbreitet. Trotzdem hatte man das Gefühl, dass sie in ihrer Rolle als Support (von Get Well Soon auf Europatournee) nicht ganz aufgehen konnten.

David-Ivar Herman Düne trat danach in altbraunem Anzug sehr modisch auf die Bühne. Nach dem ersten Song kamen unter anderem auch Drummer Néman, die Babyskins (Background-Vocals) und eine zwei Mann starke Bläsertruppe zum Vorschein. Was anfangs sehr mitreissend war, wurde leider immer mehr gang und gäbe, weil jeder und jede immer mitsingen, mittrommeln und mittröten musste. Auch auf die hinreissenden und raffinierten Lyrics konnte man sich beinahe nicht mehr konzentrieren. David war zusätzlich irritiert vom dauernden Feedback, das der Techniker beim Mikrophon nicht zum Verschwinden brachte und war daher nicht allzu gut gelaunt. Von der neuen CD konnte aber besonders „Lovers are Waterproof“ und das abschliessende „Someone Knows Better than Me“ mit Gitarren- und Tanzeinalge überzeugen.

Nur Get Well Soon schafften es danach, den Eindruck zu vermitteln, dass Herman Düne eigentlich voll okay waren – so ernüchternd schlecht waren Get Well Soon. Der hauptsächliche Kritikpunkt war, dass ihre Musik, ihr Auftreten mich einfach nicht berühren konnten. Konstruiert und gesucht wirkte ihr Live-Auftritt, noch mehr als es das Album schon ist. Sänger Konstantin Gropper versucht Ideen von The Decemberists und Sufjan Stevens mit dem Sound von Neutral Milk Hotel und Radiohead zu verbinden und scheitern daran ganz massiv. Als ich auf das Ende hin noch ein bisschen den Saal abklapperte und nicht auf die Bühne blickte, konnte ich den schlechten Eindruck noch ein wenig schmälern und ging dann doch nicht nur  mies gelaunt zum Merchandise-Stand, wo Herman Dune mühsam gekaufte Alben mit Autogrammen versahen. Get Well Soon wird endgültig abgehakt, ins Fri-Son, das sich mit lustigen Kugeln für dieses Adventskonzert rausgeputzt hat, komme ich gerne wieder. Auf dem Heimweg erinnerte mich das Hochhaus an die Musik und bestätigte meinen Wunsch zumindest in Konzertfragen, nun endgültig Winterschlaf zu machen. Auf ein gutes Erwachen.

Webauftritte:
Port O'Brien
Herman Düne
Get Well Soon


» 1 Kommentar
1Kommentar
am Mittwoch, 10. Dezember 2008 14:41von Michaela
Lustig, ich habe das Weihnachtspaket in Mannheim (D) gesehen und vieles wiedererkannt: das leise Banjo, die Rückkopplung bei David, die Weihnachtskugeln (waren vom Label gesponsert und wohl mitgereist). Nur die Stimmung war anders: die wurde von Band zu Band \\\"weihnachtlicher\\\&quot ;, Get wEll Soon war so kitschig schön, dass es kaum zu glauben war, und ich habe nie geglaubt, dass jemand die Flaming Lips covern kann, ohne sich zu blamieren- sie haben es geschafft. Hey, das Leben ist schön!!
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.