Der chinesische ’Wetten, Dass’-Auftritt wird ihnen ein Leben lang wie Dreck am Stecken kleben bleiben. Egal. Das neue Werk ’Unthink And Exile’ tönt jedenfalls verdächtig nach britisch inspirierter, durchaus vernünftiger Schweizermusik.
’Jackpot Melodies’ (2008) verhalf den Zürchern zu Achtungserfolgen im In- und Ausland. ’Unthink And Exile’ soll noch einen Schritt weitergehen und die Band endgültig zu ’den Grossen’ im Geschäft machen. Das wird wahrscheinlich auch gelingen. Ich hoffe für die Band nur, dass ihre Laufbahn nicht wie diejenige der ’grossen’ Liebeskäfer aus Basel (ja, die haben vor langer Zeit tatsächlich mal so was wie gerockt…) auf irgendeiner osteuropäischen Riesenbühne neben halbnackten, trällernden Plastikfrauen endet.
Das Album beginnt mit ’What I Need’ jedenfalls stark. Trockener Britrock mit Keyboards, die verdächtig nach Hammond klingen, dazu ’ne freundliche Melodie. Gut so. ’Some Day’ schliesst nahtlos an den Opener an, geschicktes Songwriting, cleverer Beat, schöne Harmonien, eingängiger Refrain. ’Take Me Back’ nimmt dann Tempo raus, der Rock wird zum Pop, und wir bewegen uns dem Anschein nach ein bisschen in Richtung Oasis. Das klingt alles schön und gut, ist es auch, trotzdem muss ich ein bisschen meckern. Mir fehlt ein weiteres Mal (wie bei Schweizer Bands üblich) die gewisse Spur Blöd- oder Wahnsinn, welche ein gutes zum wirklich überzeugenden Album macht. Auch ’Murder in the Web’ ist durchaus tanzbar, der Off-Beat geht ins Knie, die Backvocals passen bestens, die arschkalte Gitarre, das Keyboard und die Tempowechsel sprechen für sich. Grundsätzlich gibt es also nichts auszusetzen.
Entsprechend fällt es mir schwer zu sagen, was denn eigentlich fehlt, sämtliche Songs gehen runter wie Frischgezapftes. Vielleicht nimmt die Qualität der Songs ab Titel 6 unmerklich ab, die Band verliert sich ein bisschen zu sehr im durchdachten, jedoch unscheinbaren Poprock. Abwechslung, gutes Songwriting und die beinahe zu saubere Produktion verpflichten den seriösen Rezensenten eigentlich zur Bestnote. Obwohl alle Fakten ausschliesslich für das Album sprechen, kann ich mich nicht vollends dafür begeistern. Vielleicht ist das Ding einfach zu sauber, zu lieb, zu korrekt, zu normal und somit zu wenig innovativ oder fordernd, um wirklich abzuräumen.
Seit 1. Mai 2009 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Some Day
> Break My Heart
Diskographie:
> Go For Gold (2006)
> Jackpot Melodies (2008)
> Unthink And Exile (2009)
Ähnliche Künstler:
> Oasis
> My Name Is George
> Flink
> 7 DollarTaxi