In ihrer Heimat Neuseeland sind Fat Freddy's Drop Stars, ihre zwei Alben landeten flugs auf dem ersten Platz in den heimischen Charts und das Debüt (2005) ist mittlerweile das am zweitbesten verkaufte Album im Inselstaat. Und das, obgleich kaum Werbeaufwand dafür betrieben wurde. Dies hatte das siebenköpfige Kollektiv beileibe auch nicht nötig, gingen schliesslich jahrelange Konzertserien den ersten regulären Veröffentlichungen voraus. Prominente Fürsprecher wie Gilles Peterson befreiten die Neuseeländer in letzten Endes auch in Europa von ihrem Geheimtipp-Status.
Der Release des zweiten Albums scheint einem beachtlichen Teil der Fangemeinde ausserhalb Neuseelands dennoch lange vorbei gegangen zu sein - schliesslich ist "Dr. Boondigga & The Big BW" in Neuseeland schon seit mehreren Monaten erhältlich. Doch verpassen sollte man den Zweitling auf keinen Fall: es ist ein mehr als würdiger Nachfolger zum stärksten Reggae-Album des Jahrzehnts.
Die Neuseeländer bleiben unverkennbar. Dies erstaunt zuweilen, da sie auf "Dr. Boondigga" doch klar anders klingen als auf dem Debüt: Ihr Stilmix ist hier noch deutlich wilder, so dass das Schubladisieren besser gleich ganz gelassen wird. Fat Freddy's Drop lassen sich auf ein Neues reichlich Zeit, um ihre vielen Ideen möglichst effektiv in ihren Songs unterzubringen - Damit ist weniger die zweijährige Arbeit am Album gemeint, sondern eher die Länge der Stücke, von welchen keines kürzer als sechs Minuten ausfiel. So kommt es durchaus vor, dass sich der Höhepunkt eines Songs über Minuten hinweg ankündigt. Langeweile kommt dabei beileibe nicht auf, zu genüsslich und liebevoll ist dies alles wiedergegeben. Oft kommen Wendungen aber auch höchst überraschend: Wenn der stampfende Reggae-Blues in "The Nod" unverhofft mittels sonnigen Dixie-Bläsern seinen Charakter total verändert, ist der Rezensent versucht, ob solcher Spielfreude von einem der stärksten Musik-Momente der letzten Jahre zu sprechen. Ein Stück das schon lange bei ihren Konzerten für Begeisterung sorgte, ist hier in nun in einer perfekten und vollendeten Version zu hören: "Shiverman" ist ein herrlicher Ausflug in deepe Dub-Tech-Gefilde. Anders als auf dem Debüt sind es hier so oft instrumentale Details und Songstrukturen die
mehr begeistern denn die schlichte Schönheit der Melodien. Der grösste Trumpf von Fat Freddy's Drop bleibt aber der gleiche: Joe Dukies samtener Soul-Gesang kommt in jedem der Stücke ideal zur Geltung, überragt alles und jeden und ist trotzdem nur ein Teil eines wundervollen Ganzen.
Seit 7. August 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Shiverman
> The Camel
> The Nod
> Breakthrough
Diskographie:
> Based On A True Story (2005)
> Dr. Boondigga & The Big BW (2009)
Ähnliche Künstler:
> The Black Seeds
> Fly My Pretties