Killing Joke – Hosannas From The Basement Of Hell (2006)

von Philipp Gautschi am Montag, 24. April 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Industrial, Gothic, Deathmetal
Label: Cooking Vinyl
CH-Vertrieb: Phonag
Unsere Wertung:Killing Joke – Hosannas From The Basement Of Hell (2006)

Aus dem Keller der Hölle
Killing Joke – Hosannas From The Basement Of Hell (2006)Killing Joke – ein Witz, welcher höchstens den Belzebuben zum Totlachen bringt, jeder Normalsterbliche bekommt Angst oder Ohrenkrämpfe, ich, der Teufel und ähnlich Kranke finden’s super.

Farin Urlaub sang kürzlich: „Es tut mir so leid – ich bin nicht besonders evil“. Der Aussage schliesse ich mich an, wirklich evil sind ja nur ein paar Terroristen. Ich zähl’ mich grundsätzlich nicht zu dieser böswilligen Gattung, wurde jedoch vor kurzem, weil Killing Joke etwas zu laut aus den Boxen knallten, von meiner leicht betagten Nachbarin als ebensolcher betitelt. Ich versteh’ die gute Frau jedoch bestens, denn was Killing Joke auf ihrem neuen Werk zum Besten geben, grenzt an Wahnsinn. Elend monotoner, technoider, knallharter Metal, der dank eigenartigen Samples und wüsten Flüchen (oder Gesang?) beinahe etwas Mystisches an sich hat. Das Schlagzeug treibt dermassen kräftig und gleichmässig an, dass man ab und zu glaubt, Techno (oder wie heisst das, House?) zu hören. Die sich ständig wiederholenden, deftigen, teilweise schiefen Gitarrenparts sowie der böse rollende Bass holen einen dann jedoch in die warme Metal-Hölle zurück. Eine riesige Armee marschiert im Gleichschritt aus den Boxen und trampelt alles, was ihr in den Weg kommt, zu Brei. Jaz Coleman brüllt hin und wieder so etwas wie Text ins Gepolter, ich verstehe meistens „death, hate, demons, killing, blood, darkness, pain, night, fuck“ oder Ähnliches. Man glaubt, der Ärmste lag während der Aufnahmen auf einer Folterbank, wahrscheinlicher ist jedoch, dass der gute Mann in seiner doch ansehnlichen Karriere zu viel Schnaps und Raucherwaren oder Schlimmeres konsumiert hat. Hauptsache böse. Die laue Produktion macht das Ganze nochmals eine Spur düsterer, das perfekte Album also, um sich auf die nahende Apokalypse vorzubereiten. Was hier dringend noch gesagt werden muss: Das Artwork könnte passender nicht gewählt worden sein. Im Booklet findet man ein schrecklich-grausam-schönes Gemälde des russischen Surrealisten Victor Safonkin. Wer Genaueres über das Schaffen dieses Malers erfahren möchte, besuche www.eurosurrealism.com . Es lohnt sich.


Seit 31. März 2006 im Handel.

Anspieltipps:
Hosannas From The Basement Of Hell; Invocation; Implosion; The Lightbringer
Trackliste: 1) This Tribal Antidote; 2) Hosannas From The Basement Of Hell; 3) Invocation; 4) Implosion; 5) Majestic; 6) Walking With Gods; 7) The Lightbringer; 8) Judas Goat; 9) Gratitude
similar Artists: Korn, Foetus, Dismember, Deicide, Disturbed

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:

Killing Joke, der tödliche Witz, wurde eigentlich erfunden von den brillanten Monty Python als ultimative Waffe gegen den einmarschierenden Feind. Bereits 1978 hat Jaz Coleman die Band mit anderen Musikern (deren Namen ich hier aufgrund verschiedener Besetzungswechsel nicht nennen möchte) gegründet. Aufgrund guter Kontakte zu einem Radio-DJ findet die Band rasch ein Label und veröffentlicht erstes Material, das in der Szene eine mehr oder minder grosse Zuhörerschaft findet. Im Vorprogramm von Joy Division sichert sich die Band kurz darauf eine treue Fangemeinde. Coleman erwartet nach dem 82er Album den Weltuntergang und wanderte samt Band nach Neuseeland aus. Dieser liess jedoch noch ein wenig auf sich warten und man spielte weiter. Erfolge, Krisen, Uneinigkeiten, Soloprojekte, ein Studium der orientalischen Musik, ein Rechtsstreit mit Nirvana, Besetzungswechsel und eine achtjährige Pause folgen in den nächsten knapp 20 Jahren. 2003 erschein mit Unterstützung von Dave Grohl (bekennender Killing Joke-Fan) am Schlagzeug ein weiteres Album und die Band scheint den rechten Weg wieder gefunden zu haben. Zum 25-jährigen Jubiläum erscheint mit „XXV Gathering: Let US Play“ ein Best Of-Album sowie eine DVD. Nun brüllt man mit Geordie Walker an der Gitarre, Paul Raven am Bass und Benny Calvert am Schlagzeug das neue Album in die Welt hinaus.

killingjoke
Diskographie:
> Killing Joke (1980)
> What’s This For (1981)
> Revelations (1982)
> Fire Dances (1983)
> Night Time (1985)
> Brighter Than Tousand Suns (1986)
> Outside The Gate (1988)
> The Courtald Talk (1989)
> An Incomplete Collection 1980 – 1985 (1990)
> Extremities, Dirt & Various repressed Emotions (1990)
> Laugh? I Nearly Bought One (1992)
> Pandemonium (1994)
> BBC In Concert (1995)
> Wilful Days (1995)
> Democracy (1996)
> Alchemy – The Remixes (1996)
> Killing Joke 2003 (2003)
> XXV Gathering: Let Us Play (2005)
> Hosannas From The Basement Of Hell (2006)


» Noch keine Kommentare
Es gibt bisher noch keine Kommentare.
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.