"Auf zu neuen Ufern" mag sich Bonobo bei den Aufnahmen
zu “Days To Come“ gedacht haben – und er erreichte sie: ein wandelbarer
Künstler, der sich an Neues wagt und dabei Grenzen überwindet.
Fast scheint es so, als ob Bonobo von klassischer Downbeat-Musik irgendwie gelangweilt war. Gab es schon vorhin einige Anzeichen, dass sich Bonobo von der gewöhnlichen DJ-Musik wegbewegen würde, so ist das neue Album nun eigentlich so etwas wie das Erreichen des Wegs, auf dem er wandeln wollte … wie auch immer, auf “Days To Come“ gibt’s viel Neues zu bestaunen. Als erstes machen sich die zusätzlichen Vocals bemerkbar, in der Art etwas völlig Neues in Bonobos Musik. Besonders oft ist die in Deutschland wohnhafte Sängerin Bajka zu hören, die mit ihrem verrauchten, manchmal etwas entrückt wirkendem Gesang einige Stücke schmückt. Nicht wenige Bonobo-Hörer könnten vermutlich gut auf den Gesang verzichten, insbesondere auch weil Bajka ab und zu relativ blass bleibt. Hauptsächlich beim mit Samba-Versatzstücken und östlichen Weltmusik-Elementen verzierten “Nightlite“ gefällt Bajka wirklich, aber dieser Song ist ohnehin einfach perfekt, man wägt sich wie auf einer zweiten Moon Safari, sprich: man schwebt einfach mit. Wodurch sich Bonobo auf “Days To Come“ aber besonders auszeichnet, ist seine Wandelbarkeit: “Transmission 94“ klingt im ersten Part wie eine lockere Up-Tempo-Funknummer (Vergleiche zum Output des Quantic Soul Orchestra drängen sich hierbei auf) und verwandelt sich dann auf die zweite Hälfte hin in einen beinah reinen, mit passend eingesetzter Elektronik verfeinerten Modern Jazz-Titel. Viele der Stücke sind in ihrer Art grundverschieden, manches wie das äusserst stilvolle “Ketto“ könnte auch von älteren Alben sein, bei anderen Tracks verabschiedet sich Bonobo gleich ganz vom DJ-ing und beweist ziemlich viel Talent bei klassischem Songwriting. So etwa bei der hübschen Trip Hop/Alternative Pop-Ballade “If You Stayed Over“, bei der Mit-Ninja Fink mit seinem Gesang und Gitarrenspiel mitwirkte. Unbestreitbar wirkt gerade jener Titel etwas gekünstelt mit seinen hinreissenden Streichern, Flöten und der Horn-Sektion im Hintergrund. Trotzdem: Bonobo wechselt sein Gesicht im Songtakt, ja manchmal gar öfters, und bewahrt fast ausnahmslos Klasse. Vor allem aber bleibt er trotzdem hörbar sich selbst. Und dies fertig zu bringen, das ist in der Tat bemerkenswert. Liebhabern der vorangegangenen Alben sei vor allem die Special Edition von “Days To Come“ ans Herz gelegt, auf welcher sich zusätzlich auf einer zweiten CD die Instrumental-Versionen finden lassen.
Seit 29. September 2006 im Handel.
Anspieltipps: Nightlite (feat. Bajka); Transmission 94; If You Stayed Over (feat. Fink), Walk In The Sky (feat. Bajka)
Trackliste: 1) Intro; 2) Days To Come (feat. Baika); 3) Between The Lines (feat. Baika); 4) Fever; 5) Ketto; 6) Nightlite (feat. Baika); 7) Transmission 94; 8) On Your Marks; 9) If You Stayed Over (feat. Fink); 10) Walk In The Sky (feat. Baika); 11) Recurring
similar artists: Mr.Scruff, The CInematic Orchestra, Blockhead, Quantic
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Bio:
Bonobo ist der junge Brite Simon Green, der mit 18 Jahren im Jahre 2000 sein erstes Album “Animal Magic“ auf dem Tru Thoughts-Label (unter anderem Alice Russell, Quantic, TM Juke) veröffentlichte. Einen besseren Zeitpunkt zur Veröffentlichung hätte es eigentlich nicht gegeben, denn das was man unter Chillout versteht, war gerade zu dieser Zeit äusserst stark am Aufkommen und Bonobo wird seither zu den Pionieren des Downbeats gezählt. Nicht lange darauf, nach einer weiteren Remix-Platte für Tru Thoughts wechselte Simon Green zum stets einen hervorragenden Ruf genießenden Label Ninja Tune, worauf “Animal Magic“ erneut veröffentlicht wurde. Der Chillout-Hype flachte ab, Bonobo selbst fühlte sich nicht besonders wohl, in diese musikalisch eher doch recht beschränkte Ecke gedrängt worden zu sein und somit ist es bezeichnend, dass auf seinen weiteren Alben “ Dial “M” for Monkey“ und dem kürzlich erschienenen “Days To Come“ unzählige neue Genre-Aspekte vorhanden sind. Dies war auch seinem Beitrag zur Ninja Tune’schen Solid Steel-Serie und diversen DJ-Auftritten deutlich anzuhören.