Interview mit Editors |
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| von Nadja El Kinani am Sonntag, 13. November 2005 in Interviews | |
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Interview mit Chris Urbanowicz und Ed Lay der wundervollen Editors – 6.11.05 - Abart Zürich (-> siehe dazu auch die Rezension zum Debütalbum "The Back Room")
„Sexy, aggressive and intense.“Zwei Bandmitglieder der aufstrebenden britischen Band Editors über ihr Debütalbum, die Stadt der Liebe und multisexuelle Hinterzimmer.So, ihr Beiden, wie geht es euch? Chris: Sehr gut, danke. Ed: Mir auch. Chris: Wir spielen das erste Mal in der Schweiz, ich freue mich schon darauf. Seid ihr nervös? Chris: Des Auftritts wegen? Nein, meinetwegen. (Alle lachen) Ed: Zugegebenermassen macht mich dieses Interview sehr nervös. Dachte ich mir doch. Chris: Das Interview schon, die Show gar nicht. Es ist schön, wieder Headline-Shows zu haben. Genau, ihr wart ja in den letzten Tagen als Supportband für Franz Ferdinand unterwegs. Chris: Ja, für eine Woche. Es war cool, aber seinen eigenen Auftritt zu haben, ist um Längen besser. Also habt ihr die Tour bis jetzt genossen, sehr schön. Gab es einen speziellen Auftritt oder einen sonstigen sich in positiver Weise von den anderen abhebenden Moment? Ed: Der zweite Tag in Paris mit Franz Ferdinand war sehr, sehr cool. Viele unserer Freunde kamen vorbei und wir haben eine unglaubliche Party gefeiert. Auch die Show war toll, denn es war der zweite, diesmal nicht ausverkaufte Auftritt von Franz Ferdinand in diesem Lokal, dies hat wohl viele Editors Fans dazu bewogen, Tickets zu holen. Chris: Ja, die ganze Menge hat getanzt. Ed: Getanzt. Geschlagen. Geküsst. Die üblichen Dinge, die man bei einem Editors-Konzert eben so macht. Soweit ich weiss, ist das euer erster Besuch in der Schweiz. Chris: Das erste Konzert, ja. War einer von euch zuvor schon mal hier? Chris: Bei den anderen bin ich mir nicht sicher, aber ich war schon einmal in Genf. Eigentlich nur am Flughafen, ich musste dort ein paar Stunden auf den Anschlussflug warten. Es hat die ganze Zeit über geschneit und die haben dort den rutschigsten Boden, den ich je gesehen habe. Im 10 Minuten Takt ist jemand umgefallen. Ich hab also eine sehr kulturelle Erfahrung gemacht in der Schweiz. (lacht) Offensichtlich, ja. Dann hattet ihr also bisher keine Gelegenheit, etwas von der Schweiz zu sehen. Und morgen wird das wohl auch nicht klappen… Ed: …nein, morgen fahren wir wieder nach Paris. Es gibt diesen grossen Magneten in Paris. Oh ja. Ich werde auch hinfahren. Ed: Du gehst morgen auch nach Paris? Leider nicht morgen. Ed: Wann gehst du denn? Im Februar. Ed: Alle gehen… …nach Paris. Ed: Und sie gehen nie zurück. Hoffe ich. Ed: Also, ich meine, sie kehren nie zurück. Es ist nicht so, dass sie einmal gehen und dann nie wieder. Sie fahren für ein paar Tage hin und bleiben dann für Jahre. Wie gesagt: Hoffe ich. Ed: Alles ist möglich in Paris. Paris ist bezaubernd. Wirklich. Ich mag die Stadt. Was genau gefällt Dir daran? Ed: (Pause) Nichts. (lacht) Nein, ich mag die Bars. Eine spezielle Bar? Ed: Nein, eigentlich sind alle ziemlich gleich. (lacht erneut) Also, um uns von Paris weg und auf die Band zu zu bewegen… Ihr lebt in Birmingham, was bedeutet, dass ihr euch nicht in einer dieser hippen Musikszenen wie sie beispielsweise in Manchester vorzufinden ist, bewegt. Denkt ihr, dass diese Tatsache einen Einfluss auf euch als britische Band hat? Chris: Es war eine Hilfe, weil wir eigentlich nur versucht haben, gute Musik zu machen und somit die nötige Distanz von anderen Bands und Szenen hatten. Das gab uns die Zeit, uns darauf zu konzentrieren, was wir tun wollten. Ich finde wirklich, dass es nur zu unserem Vorteil war. Jetzt ist es jedoch eher ein Problem, weil alles, was wir zu tun haben, sich bis auf wenige Ausnahmen auf London beschränkt. Videos, Fotos, Aufnahmen, alles Mögliche. Ich nehme an, wir ziehen bald da runter. Ihr werdet oft mit Bands wie Joy Division, Echo & The Bunnymen etc. verglichen, obwohl ihr diese Bands eigentlich erst später entdeckt habt. Ausserdem seid ihr zu jung, um die 80er Jahre miterlebt zu haben, trotzdem habt ihr es geschafft, dieses gewisse Feeling in eurer Musik wieder aufleben zu lassen. Wie erklärt ihr euch das? Ed: Pff. Keine Ahnung. (lacht) Ed: Nein, unsere Musik ist eine Reaktion darauf, was im Vorfeld passiert ist. So im Sinne von: Nach Disco kam Punk, nach Punk kam etwas Anderes und ich denke, wir reagieren auf die Bands, die vor uns kamen. Ich meine, es gab diesen grösseren Hangover nach Britpop, dann brachten die Strokes die Dinge wieder zum Laufen und trotzdem… Es ist nicht nur das Rock'n'Roll Ding. Wir haben von all diesen Dingen Elemente in unserer Musik, jedoch mit unserem eigenen, persönlichen Stil versehen. Ich würde nicht sagen, dass es Bands sind, die uns beeinflusst haben. Eher unsere Umwelt. Die Dinge um uns herum. Ok, trotzdem sind es oft die 80ies oder 80ies Revival-Bands, die im gleichen Atemzug mit euch genannt werden. Wie seht ihr das, gibt es 80ies Revival-Bands, die ihr gut findet? Ed: Ich mag Echo & The Bunnymen. Chris: Aber das ist ja keine 80ies Revival-Band. Das ist einfach eine 80ies Band. Ed: Hm. Dann weiss ich nicht, wer diese 80ies Revival-Bands sind. Chris: Es gibt so viele Bands, deren Sound 80ermässig daherkommt… Dann generalisieren wir diese Frage ein bisschen: Was hört ihr euch momentan so an? Ed: Wir beschäftigen uns gerade mit dem Aussuchen von Supportbands, also hören wir uns oft Musik potentieller solcher an. Beispielsweise die Shout Out Louds, Clap Your Hands Say Yeah, Death Cab For Cutie… Chris: Ja, es gibt wirklich sehr viele gute Bands momentan. Aber keine in der 80ies-Revival-Kategorie. (lacht) Alles klar. Dann zu etwas ganz Anderem: Ihr steht bei Kitchenware Records unter Vertrag. Wieso habt ihr euch für ein Independent-Label entschieden? Chris: Es war so, dass sie dazu bereit waren, alles zur Seite zu schieben, um sich völlig auf uns zu konzentrieren. Ausserdem waren sie begeistert von der Musik, die wir machen und haben uns von Anfang an sehr viel Vertrauen entgegen gebracht. Ich meine, sie sagten uns ganz klar, dass wir ihre erste Priorität darstellen. Wenn du bei einem grösseren Label unterschreibst, wendest du viel Zeit und Energie dafür auf, dich gegen ungefähr zehn bis 20 andere Acts behaupten zu müssen. Jemanden zu haben, der dir sagt, dass er voll und ganz hinter dir steht und hinter dem, was du tust, ist sehr, sehr wichtig. Ed: Jemand, der für die nächsten paar Jahre für dich und deine Karriere sorgt. Chris: Genau. Also war es für uns eigentlich ein Leichtes, uns für Kitchenware Records zu entscheiden. In Ordnung. Ed, du hast es gerade eben erwähnt. Sie sehen für die nächsten Jahre nach euch. Und was kommt danach? Wo seht ihr euch und die Band in 10 Jahren? Ed: Pensioniert. Ein Footballteam managend. Wirklich? Ed: Ja, so sehe ich mich selbst in zehn Jahren. 34 Jahre alt. Fuck. (Pause) Ja, ich werde eine späte Karriere als Footballspieler machen. (Chris lacht) Chris: Ich kann nicht so weit denken. Ed: Du wirst noch immer in der Band sein. Obwohl alle Anderen ausgestiegen sind. Chris: Ja, alle sind weg, nur ich bin noch da. Betrunken lallend auf der Bühne. Sehr schön. Nein, ernsthaft, ich hoffe, wir werden noch ein paar Alben produzieren. Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich Wert darauf lege, den Moment so schön wie möglich zu gestalten. Wer weiss, was später kommen mag. Ihr könnt euch also vorstellen, etwas snderes als Musik zu machen? Chris: Absolut. Ich würde das auch nicht für den Rest meines Lebens tun wollen. Ed: Ich auch nicht. Auf keinen Fall, das würde ich nicht aushalten. Ausserdem sind diese Veränderungen wichtig. Verschiedene Bands. Verschiedene Leute zu beschäftigen. Verschiedene Leute zu begeistern. Könnt ihr eure Musik in drei Worten beschreiben? Drei Worte pro Person. Ed: Sexy. Aggressiv. Und intensiv. Chris: Ich schliesse mich an. Das ist perfekt. (Die zuständige Person des Musikvertriebs lässt verlauten, langsam zum Ende zu kommen.) In Ordnung, ich muss mich etwas beeilen. Macht ihr Musik, um Musik zu machen? Soll heissen: Würdet ihr es weiterhin tun, auch wenn ihr nicht berühmt wärt? Wenn niemand eure Lieder hören mögen würde? Chris: Ja. Ed: Ja. Kurze Antworten, fantastisch. (Alle lachen) Ed: Wir haben das sogar schon getan. Für eine lange Zeit. Ich denke, wir würden nie aufhören, es zu probieren. Wir wären eine dieser traurigen Gruppen, die denken: „Wir sind wirklich gut, wir sind wirklich gut, kommt und hört uns zu!“ Und du denkst: „Die sind okay, aber mehr nicht.“ Das wage ich zu bezweifeln. Aber kommen wir zu eurem Album. Was war euer erster Gedanke nach dem Fertigstellen des „Back Room“? Chris: Stolz. Definitiv Stolz. Ich denke, wir haben genau das erreicht, was wir vorhatten. Und mehr. Der ganze Prozess hat mir unglaublich viel Spass gemacht, der Produzent war toll etc. Es war cool, wirklich. Ed: Erleichterung. Das kann ich mir vorstellen. Um zum Albumtitel zu kommen, könnt ihr mir erklären, was genau der „Back Room“ eigentlich ist? In „Camera“ sagt ihr, dass es der Ort ist, wo man seine ganzen Gefühle verbirgt. Was hat das genau zu bedeuten? Chris: So ist es. Ed: Eigentlich ist es ja ein Ort in Paris, wo Schwule Sex haben. Eben, etwas in der Richtung hab ich erwartet. Ed: Wir haben sogar einen dieser Orte besucht als wir in Paris waren. Chris: Genau, dort gab es so ein Hinterzimmer. Ach, deswegen hat es euch dort so gut gefallen. Ed: (lacht) Genau. Chris: Es war aber ein multisexueller Hinterraum, nicht? Ed: Niemand hatte Sex dort. Chris: Und es war auch nicht spezifisch für Homosexuelle. Ed: Ja, eigentlich war es… asexuell. Chris: Genau, ein asexuelles Hinterzimmer. Ed: Exakt. Chris: Und natürlich ist es auch der Platz, wo man seine Gefühle versteckt. Ed: Das ist aber nicht so wichtig. (lacht) Alles klar. Teilweise sind eure Lyrics ziemlich negativ, bisweilen sogar etwas menschenfeindlich („Blood runs through our veins, that’s where our similarity ends.“). Was inspiriert euch dazu, so etwas zu schreiben? Chris: Menschenfeindlich. Wunderbar. Das Wort mag ich. Ed: Tom schreibt die Lyrics und er ist gerade bei einem Multi Million Dollar-Fotoshooting irgendwo, also, keine Ahnung. Wahrscheinlich in einem Hinterzimmer. Ed: (lacht) Das hoffe ich doch für ihn. Chris: Ja, dort hat er… Ed: …all seine Gefühle. Natürlich. Ok, es gibt schnelle Songs auf eurem Debütalbum, wie beispielsweise „Munich“, aber auch langsamere, melancholischere Stücke wie „Camera“. Eure Lieder haben eigentlich eine positive Grundstimmung, trotzdem werden sie von einer gewissen Traurigkeit unterstrichen. Sind dies die beiden Seiten der Editors? Ed: Fantastisch. Sehr gut, wirklich. Genauso ist es. Ein trauriger Song kann sehr optimistisch daherkommen. So ist es. Und das ist es, was ihr mit der Beschreibung „Dark Disco“ ausdrücken möchtet, richtig? Ed: Exakt. Du bringst es auf den Punkt. Siehst du, du brauchst uns gar nicht. Doch, schon. (Ed lacht) Also kann niemand den Prozess des Songschreibens für mich beschreiben, weil Tom ja... na ja, nicht hier ist, oder? Chris: Nun ja, Tom schreibt die Texte, aber ansonsten ist es eigentlich eine Gemeinschaftsaufgabe. Meist schreibt Tom wie gesagt die Lyrics, dann kommen die Gitarren dazu und als letzter Teil des Puzzles fügen wir die Drummaschine hinzu. Fertig. Prima. Dann folgen jetzt ein paar Dinge, die mich persönlich interessieren. Ihr kennt amazon.com, oder? Ed & Chris: Ja. Dann kennt ihr auch diese Liste unter jedem Album, die zeigt, wofür sich Kunden, die dieses Album mochten, auch interessieren. Ed & Chris: Ja. Welche 5 Alben wünscht ihr euch unter „The Back Room“? Ed: Das ist eine tolle Frage. Eine fantastische Debüt-Interview-Frage, wirklich. Chris: Ein Echo & The Bunnymen-Album. Ed: Ja, gerne. „Crocodiles“ von Echo & The Bunnymen. Chris: Und Tom hätte gerne was von R.E.M., also „Murmur“. Ed: Aber Tom ist nicht hier, insofern… Lieber Arcade Fire. „Funeral“. Und lass uns noch “With Love And Squalor” von We Are Scientists dazunehmen. Das wären dann drei. Ein Trio. Chris: Und wieso nicht noch „Transatlanticism“ von Death Cab? Ed: Sehr gute Wahl. Chris: Und die Strokes. Natürlich die Strokes. “This Is It”. Ed: “Is This It”. Chris: “This Is It” ist die bessere Version. Ed: Ja, hat nicht Bryan Adams das gesamte Strokes Album unter dem Titel “This Is It” gecovert? Oder war es jemand Anderes? Chris: Keine Ahnung. Ed: Ist ja egal. Das werden wir später herausfinden. Wir müssen es ja nicht wissen, das ist in Ordnung. Das sind fünf, oder? Ganz genau. Dann komme ich mal wieder auf die Zukunft zu sprechen. Wie sehen eure Pläne aus? Ed: Wieder nach Paris gehen. Bloody Paris. Definitiv. Chris: Den Rest der Franz Ferdinand Tour-in UK machen. Und dann diverse andere Gigs. Wir haben dieses Jahr so viele Auftritte, das ist unglaublich. Später wieder durch Europa touren und vielleicht auch durch die Staaten. Ed: Touren bis ich den Vertrag als professioneller Footballer unterschreibe. Dann machen wir eine Pause und warten, bis alles schief geht. Von da an touren wir wieder. Ich hoffe, zuvor kommt ihr noch einmal in die Schweiz. Und bis es soweit ist, hab ich euch Schweizer Schokolade mitgebracht. Chris: Im Ernst? Cool. Vielen, vielen Dank! Ed: Wow, danke. Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Uns hat noch nie jemand Geschenke mitgebracht. Chris: Toll, echt. Dankeschön. Du bist unsere Lieblingsinterviewerin. (nimmt die drei Tafeln entgegen) Wir haben dich dreimal lieber als die anderen. Ed: Naja, zweimal. Ich bin allergisch auf Nüsse. Aber nochmals danke.
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