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Interview mit Fugo

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von Ivana Leiseder am Mittwoch, 1. Februar 2006 in Interviews   
Interview mit Fugo - Gaswerk Winterthur
Fugo - other music!"

Gitarrist Mich und Sänger Roman der Aarauer Gruppe Fugo über die etwas andere Rollenverteilung innerhalb der Band, die Eroberung Japans und den Anspruch auf Anspruch.

fugo2I: Zu Beginn gleich eine banale Frage für all diejenigen, die euch noch nicht kennen: Wer seid ihr, wie seid ihr entstanden etc.?
M: Wir sind Überbleibsel von bestehenden Bands von früher. Lunazone bei Hell, aber der geht ja jetzt, Crumb bei mir und auch bei Roman Crumb - war damals so eine kleine Aarauer Band. Angefangen hat's dann bei mir - ich habe einfach selber Musik gemacht nach Crumb -, als ich einen Schlagzeuger gesucht habe und dann habe ich Hell mal angesprochen. Irgendwann ging Lunazone kaputt, er war noch bei Nordstan, Pub La Bomba und dann entstand Fugo. Nach einem Jahr mit ihm ist Roman dazugekommen. Dann haben wir vier Jahre geprobt, Geld verlangt und auch bekommen und die CD gemacht.

I: Wie sieht die Rollenverteilung innerhalb der Band aus? Wer ist der Chef? (lacht)
M: Ich führe das Konto. Und er staubsaugt.

I: Und wer wäscht ab?
M: Haben wir nicht. Nein, im Ernst: Roman ist Gesang/Bass, den Schlagzeuger hast du gesehen. Ich bin für den Input zuständig. Die Songs entstehen sozusagen durch das Spielen der Idee.

I: Gerade zum Namen Fugo: Wieso denkt ihr, passt der Name dieses bekannten Giftfisches zu Fugo? Fies und gleichzeitig unberechenbar?
M: Es ist eine Hoffnung, dass er zu uns passt. Vielleicht wollen wir so sein wie der Fisch. In unseren Songs solltest du dich nicht gleich nach einem Mal zurecht finden. Nicht, dass wir das unbedingt erzwingen wollen, aber es macht auch Spass, es zu spielen. Strophe, Refrain, Bridge, Strophe, Refrain, Bridge liegt uns weniger und deshalb werden wir wohl eher auch nicht in der Hitparade landen. Schlussendlich ist bei uns einfach nichts unmöglich. Und wir setzen uns auch zur Wehr, wenn irgendjemand das irgendwann mal wollen sollte - dass etwas so sein MÜSSTE. Das kannst du vergessen.

I: Ihr habt ja den „Anspruch auf Anspruch", wie man in eurer Presseinfo lesen kann.
M und R: Genau.
M: Aber wir wollen's nicht erzwingen. Es wird einfach hinterfragt. Und wir wollen uns durch andere einfach nicht einschränken lassen. Vielleicht intern in der Band können wir uns schon einschränken lassen, wenn einer nicht zufrieden ist. Dann diskutieren wir oder wenn wir zwei gegen einen sind, dann schlagen wir ihn und dann haben wir die Einigung.
R: Genau. Und der Name... Der Spirit von Japan haucht uns schon ein bisschen Eindruck ein.

I: Weshalb?
R: Ja, gut ich war mal dort - einen Monat - und fand's super. Und Mich träumt schon seit einer Ewigkeit davon.
M: Dort kannst du eben noch Rockstar werden. Es gibt Bands, die in Europa nicht erfolgreich sind, aber in Japan riesengross. Das könnte doch unser Markt sein. Alle pfeifen auf uns und Japan sagt: „Fugo ist geil!" Das ist mein Traum.

I: Wie seid ihr zum Plattenvertrag mit dem UK-/US-Engineers Records gekommen?
M: Demo-CD geschickt.

I: Einfach so? Das Label ist ja englisch, resp. amerikanisch...
R: Manchmal muss man eben Glück haben. (lacht)
M: In der CH will uns niemand. Einen Vertrieb haben wir z.B. gar nicht erst gefunden.

I: Schade... Na ja, ihr habt ja nun trotzdem noch was gefunden.
M: Ja, schon, aber das ist natürlich nicht ein Riesenlabel. Für uns natürlich cool, ein Label zu haben, aber für das Wohnzimmer machen wir keine Platten... Wir haben genug lange Musik gemacht. Für die Heimstereoanlage können wir unsere Demos benutzen, weisst du. Und so war's interessant mit diesen Reviews. Ich find's cool, wenn jemand sich Zeit nimmt, um über diese Platte zu schreiben. Es gibt natürlich ganz banale Reviews und es gibt solche, die sich wirklich Mühe gegeben haben.

I: Da wir gerade bei den Reviews sind: Roman, was hältst du von deinem Vergleich mit Billy Corgan?
R: Stört mich gar nicht. Ich hatte schon immer diese Stimme und habe früher auch Covers gesungen. Mit Crumb.
M: Ja, wenn er ein Song von den Smashing Pumpkins singt, ist's einfach verdammt nah. Das hat sich einfach so ergeben.

I: Wieso denkst du denn, nervt es die Leute?
R: Na ja, es ist halt eine spezielle Stimme. Und es GIBT halt wirklich einen Störeffekt. Und die Leute können's halt nicht ertragen.... Was ich aber mit dieser Kritik angefangen habe, ist, dass ich mehr variiere. Aber ich habe überhaupt keinen Zwang oder so. Was mir aber aufgefallen ist bei den Kritiken: Du hast von A-Z wirklich ALLES.
M: Ja, von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt.
R: Ja, und es gibt welche, die treffen's wirklich sehr gut auf den Punkt. Und von dem her... Die nächste CD wird besser. Die drückt dann mehr und die ist bestimmter.
M: Man merkt halt auch, dass der Sound nicht gross variiert. Unsere Musik ist sehr homogen geworden. Und wenn ich eine Trail Of Dead-CD anhöre, denke ich: „Das wär's"! Die haben Instrumente probiert, die haben Sounds probiert, die haben Stimmen probiert und wir sind einfach mal dort hin und haben gewusst, wir wollen 15 Songs aufnehmen. Schlussendlich haben wir halt das gemacht, was in der Zeit möglich war. Mehr so: Ah, das funktioniert und dann haben wir's durchgezogen. Wir haben uns zu wenig Zeit genommen für die Produktion. Wir haben einfach am Fliessband produziert.
R: Wir haben auch an uns selber Freude gehabt. Ich war noch nie so happy wie im Studio. Für mich war's super. Aber eben... Jetzt würden wir's schon wieder anders machen.
M: Wir haben's halt noch nie wirklich professionell gemacht. Ein Vorteil ist sicher, dass wir alle mittlerweile ziemlich gut spielen können, dass wir Weltmeister sind und das konnten wir halt nutzen im Studio.
R: Ich merke aber z.B. genau, welchen Song ich zu Beginn eingespielt habe und welchen zum Schluss. Es hat aber extrem Spass gemacht im Studio. Wir haben auch diese beiden Jungs sehr gut gekannt.
M: Ja, die musst du unbedingt erwähnen, denn die sind wirklich sehr gut!

I: Aha. Übrigens, wo habt ihr euer Album denn genau aufgenommen? (lacht)
M: Bei Somarecords.(lacht) Jan Zimmerly alias Serpentine arbeitet ja auch mit denen zusammen und war ab und an anwesend. Aber es war nicht so seine Musik. Aber wir haben CDs getauscht (lacht).

I: Eure Musik lebt von Gegensätzen wie laut-leise, schnell-langsam. Wie sieht's innerhalb der Band aus?
M: Wir sind ziemlich heterogen. Es ist jeder wirklich ganz anders. Und wir hängen auch selten im Ausgang zusammen ab oder so, es lebt eigentlich jeder sein Leben und dann knistert's, wenn wir in den Übungsraum gehen und jeder macht sein Ding. Schlussendlich ist's ja diese Unterschiedlichkeit der Leute, die diesen Sound hinkriegt. Es lebt von jedem Input. Und das ist eben, weil alle anders sind.

I: Euren Fresh Sashimi-News sind einige politische Kommentare zu entnehmen. Sind Fugo politisch?
M: Für diese Kommentare bin eigentlich ich verantwortlich. Aber es sicher auch die Meinung der anderen, nur habe ich mehr den Drang, etwas zu sagen. Super-politisch sind wir aber nicht. Wir wollten auch für Polit-Akt auftreten, Anti-Gentech-Veranstaltung, aber die mussten uns leider absagen, da die ortsansässige Bands wählen müssen. So was wäre vielleicht mal was, aber das muss dann besprochen sein. Also wir sind sicher eher links als ganz recht.

I: In euren News steht auch noch: „Some crazy things are going on right now." Könnt ihr mir bereits was dazu verraten?
M: Hhm, eher weniger. Also was ich schon bei exitmusic.ch geschrieben habe: Wir haben vor, die unfertigen Songs zu beeenden und eine Split-7" zu machen. Mit Fugo und Band xy. Aber da ich jetzt ja Vater bin, denke ich, wird's lange dauern, bis diese Songs fertig sind. Viel Arbeit liegt eben bei mir. Und dann werden wir bestimmt noch das Kulturdepartement in Aarau und im Aargau um Gelder für ein Projekt bemühen. Aber keine Platte. Es gibt momentan viel Interesse, aber es heisst meistens „Oh ja, aber...." Wir sind also momentan in einer solchen Phase. Aber diese drei Songs wollen wir sicher fertig stellen und vielleicht noch einen Remix machen.
R: Und dann wieder neue Songs.
M: Ja, klar. Also ich verspüre einen recht grossen Drang.
R: Aber du hast momentan Besseres zu tun. (lacht)

I: Apropos Besseres: Inwiefern hat dich dein Vater-Sein musikalisch beeinflusst?
M: Mir ist's eher egal, wenn was in die Hosen geht... Aber ich würde natürlich nie wollen, dass wir versagten oder so... Aber direkt einen Einfluss auf die Musik hat's nicht.

I: Noch ein paar albumspezifische Fragen. Habe euer Booklet durchgelesen und wurde durch die Texte ein wenig verwirrt. Was sollen die schrägen Beschreibungen der Songs? Meine Wenigkeit wurde nicht sonderlich schlau daraus.
M: Vielleicht ist's, weil's Englisch ist. (lacht) Hhm. Also ich muss jetzt wohl wieder antworten, denn die Texte sind fast ausschliesslich von mir. Es ging einfach darum, wollen wir die Texte abdrucken oder nicht und dann fanden wir, dass wir das eigentlich eher nicht wollen, da wir - ehrlich gesagt - nicht über jeden Text erhaben sind. Zudem kann der live auch völlig anders sein. Es gibt auch Songs, die haben gar keinen Text.
R: Es schwebt mir sogar vor, einmal ein Album zu machen ohne Text, aber es singt trotzdem einer.

I: So wie Sigur Ros auf ihrer zweiten Platte mit ihrer Fantasiesprache Hopelandish?
M: Ist das eine Fantasiesprache? Ja, wir haben uns eben lange überlegt, wie wir den Gesang einsetzen können ohne, dass er eben zum Gesang wird. Aber für uns wäre es keine erfundene Sprache, sondern eine freie Sprache. Für mich wäre jedoch noch viel wichtiger, Instrument-Melodie-Gesang mal ganz anders zu gestalten - vielleicht unkonventioneller. Aber das ist natürlich sehr schwierig. Wir haben jedenfalls noch keine Lösung gefunden.

I: Wieso habt ihr nur Buchstaben als Songtitel gewählt?
R: Weil's keine Texte gab. Und sie hatten bereits seit einem Jahr angefangen, der Schlagzeuger und Mich, und anstatt dass sie mal irgendwas gesagt haben, hatten sie mal beim A angefangen.
M: Ja, der erste Song war das A, der zweite das B und der Dritte das C usw. Erst als Roman hinzukam und dem Sound Melodie und auch Texte verliehen wurden, hätten wir den Songs richtige Namen geben können. Wir haben uns aber entschlossen, es so zu beenden.

I: Wie ist denn das mit der Setlist? Steht da dann einfach „A, F, R,..."?
R: Ja. (lacht)

I: Könnt ihr euch das denn merken? Wisst ihr jeweils, welcher Song denn dran kommt?
R: Ja, mittlerweile ist's kein Problem mehr. (lacht)

I: Wieso ist nur ein Song in Französisch gesungen und der Rest in Englisch?
M: Frag ihn, wieso er überhaupt einen Song auf französisch gesungen hat!

I: Ok. Wieso?
R: Ich finde es als Schweizer Band eigentlich noch schön, dass wir vier Landessprachen haben und man vergisst's doch auch häufig. Und es war halt auch ein bisschen aus Trotz... Und die Welt wird halt kleiner durch unser globales Netzwerk... durch die Kommunikationsmöglichkeiten... und ich mag diese Sprache sehr gerne.
M: Dieser Song passt auch sehr gut auf französisch, obwohl ich ihn nie erwartet hätte. Aber das ist wieder genau so was: Fugo. Es ist scheissegal, was der eine von uns macht, solange die anderen beiden, die zuhören, nicken können.

I: Könnt ihr was zum Artwork sagen? Ich weiss, dass deine Frau dafür verantwortlich ist... Inwiefern bezieht es sich auf eure Musik? Mit der Serviette und dem Fisch etc.?
M: Ja, das Thema Essen hat sich schon durchgezogen. Es gibt so ein Tisch-Foto, da hat sie einfach mal abgedrückt, als wir zuhause am Essen waren - völlig nicht gestellt - und dann sind wir halt auf das Thema Essen gekommen. Aber sie hat natürlich noch drei Millionen andere Vorschläge gemacht. Wir könnten wohl noch 20 Platten machen mit den Vorschlägen. Ich denke, sie hatte einfach ein gutes Gespür dafür. Wir sind jetzt seit 13 Jahren zusammen und seit 3 Jahren verheiratet und sie wurde einfach seit eh und je von meiner Musik tyrannisiert, denn sie hört andere Musik. Moloko und Jay-Jay Johanson usw. Darum wusste sie einfach etwa, was sie spürt dahinter und wir waren einfach froh, es im guten Gewissen abgeben zu können, dass sicher etwas Cooles herauskommen wird. Viel kann man dazu sonst eigentlich nicht sagen.

I: Gibt's irgendwelche CH-Bands, die ihr gut findet oder mit denen ihr befreundet seid?
M: Ich finde das Little Jig Label huere guet. (lacht) Wir sind natürlich ein wenig in Kontakt geblieben, denn das ist auch eine Chance für uns. In Luzern schauen die auch wirklich gut zueinander, während in Aarau jeder so sein Ding durchzieht. Und es gibt ja z.B. noch das Bandsmagazine oder Bandorama... Dann habe ich noch was von exitmusic gehört...

I: Ja, exitmusic... stimmt...
M: Und CH-Bands, die ich gut finde... Hhm, Böser Bub Eugen fand ich wirklich noch gut.
R: Ja, und natürlich die Young Gods.
M: Honey For Petzi ist für mich auch eine Band, die mir nah ist, da die auch nicht ganz normal gestrickt sind.

I: Wenn ihr so auf eurer musikalisches Schaffen zurückblickt, auf euere musikalische Karriere... Habt ihr das erreicht, was geplant gewesen war? Oder seit ihr gar weiter gekommen?
M: Wir sind nie so weit gekommen wie wir hätten sollen. Früher haben wir einfach qualitativ hochwertige Musik gemacht, sind aber keinen Schritt vorwärts gekommen. All diese New Talents-Wettbewerbe... Aus 700 Bewerbern waren wir eine der 16 Bands, die gewählt wurden, aber hatten schlussendlich NULL positiven Effekt daraus. Unsere Ideen waren schon gut, aber irgendwie hatten wir's halt nicht so gebracht.
R: Wir hatten auch nicht daran gearbeitet, dass wir wirklich irgendwo hinkommen würden.
M: Für mich war Fugo wie von Null beginnen. Von den anderen Bands konnte ich eigentlich nicht so viel profitieren ausser vom Spielerischen her.

I: Ihr könnt doch aber schon zufrieden sein mit dem, was ihr bereits erreicht habt...?
M: Ja, für mich waren's vor allem die letzten 4-5 Jahren, in denen wir viel erreicht haben... Na ja, was heisst „viel erreicht"... Wir können fast nirgends spielen, wir haben unsere 1000 Platten nun langsam verkauft, aber wir haben ein Label. Und das war für mich die grösste Wertschätzung, dass eine Firma ihren Namen für unser Projekt hergab.

I: Könnt ihr bereits was zu euren musikalischen Plänen für die Zukunft sagen? Vorstellungen zur neuen Platte?
M: Hhm, wir haben uns noch nie über die neue Platte unterhalten...
R: Ja, ich weiss auch noch nicht, was herauskommen wird... Hauptsache, wir haben Spass. Und Spannung muss auch vorhanden sein.
M: Unsere Band hat momentan zwei gemeinsame nenner: Trail of Dead und Standstill.
R: Und Mars Volta.
M: Ja, das ist so der musikalische Aspekt, die Richtung, die wir einschlagen werden. Und nicht z.B. in die Richtung der neuen Green Day.

I: Die letzte Frage - eine Frage, die wir oft stellen: Könnt ihr eure Musik in 3 Worten beschreiben?
R: Hhm. Abwechslungsreich - intensiv - lebendig.
M: Und ich bleibe dabei: Fugo - other music!

Beachtet bitte auch die Rezension des Debütalbums "Aie" von Fugo.

Foto: Ivana Leiseder





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