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31 Knots und The Freeks in der Roten Fabrik, Zürich, 23.9.08

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von Robert Best am Montag, 29. September 2008 in Konzertberichte   
31 KnotsDie Letzten ihrer Art
Als exit-music-Autor lernt man vielversprechende Bands oft über ihre myspace-Seiten kennen, denn die URL gehört ans Ende des Artikels. Das erste, was beim Internet-Auftritt der US-amerikanischen Band 31 Knots ins Auge fällt, ist die Ähnlichkeit ihres Gruppenfotos mit dem einer deutschen Rockband, den Trashmonkeys. Sollte 31 Knots deren experimentelles Nebenprojekt sein? Die Band, in der man sich endlich dem genialen, aber kommerziell hoffnungslosen Spleen widmen kann? Der spielerischen Dekonstruktion konventioneller Rockismen? Wo die Rhythmen ein wenig vertrackter sein dürfen, bei unbedingtem Festhalten am Willen zum perfekten Song?

Klarheit kann nur ein Gespräch verschaffen, und so treffen eine Freundin und ich die drei 31 Knots vor ihrem Konzert in Zürich am Rande des Sees vor der Roten Fabrik. Die Vorgruppe The Freeks hat gerade losgelegt. Die vier Typen sehen aus wie die Libertines in 20 Jahren. Und ihr uninspirierter Pubrock lässt vermuten, dass Pete Doherty und Carl Barât damals alles richtig gemacht haben, als sie die Libertines auflösten. „Old men’s rock“, sagt 31-Knots-Sänger Joe und schaut auf die Uhr.

Die drei Jungs („That’s Joe, he’s Jay, and I’m Jay too“) sind nicht die Trashmonkeys, soviel wird klar. Aber warum sie sich ausgerechnet 31 Knots nennen, das wissen sie selbst nicht so genau: „Wir haben vor gut zehn Jahren den Namen gewählt, weil er weder gut noch schlecht klingt“, sagt Joe (Note to self: Minuspunkt für diese lustlose Antwort. Da weiss ich allerdings noch nicht, was mir später Respekt einflössen soll: Joe trägt vier Hosen übereinander und zieht während der Show alle vier aus).

Also anders nachgefragt: „Wenn eure Musik ein Tier wäre, welches wäre sie?“ „Definitiv kein Biber!“ sagt einer der beiden Jays und macht eine Pause, die den sensiblen Beobachter auf verstörende Bibererlebnisse in der Jugend schließen lässt. „Sondern ein Greif!“ „Ja, ein Greif“, springt Joe bei, „gekreuzt mit einer Ameise, ein Griffin-Ant, ein Griffant!“ „Bibermusik wäre zum Beispiel AC/DC.“ „Oder Wire.“ „Oder diese Melodie aus Griegs „Hall of the Mountain King. Tátatátatátatáaaaa! Sehr biberisch.“
Die metaphorische Ebene scheint den Jungs besser zu liegen als die faktische, und so wollen wir wissen, welche Art Filmszene denn mal mit  einem 31 Knots-Song unterlegt werden solle. „Definitiv keine Liebesszene!“ platzt es aus Jay I, dessen weitere Phobien ich im Stillen schon zu erraten suche. „Eine Verfolgungsszene“, sagt Jay II, und Joe ergänzt: „Aber eine, in der der Verfolgte im Auto irgendwann merkt, dass er gar nicht verfolgt wird.“

Genug sweet talk, jetzt gibt es bitteren Kräutertee und dann geht’s ohne Soundcheck auf die Bühne. 31 Knots, tolle Band. Legen gleich los, als gelte es, eine neue Ära des Rock’n’Roll einzuläuten. Jay II erweist sich als wahnsinnig präziser Drummer mit unüberhörbarer Metal-Sozialisation. Jay I spielt abwechselnd Bass und Gitarre. Beides ungemein schnell, gut und mit sehr eng geschnalltem Instrument, so dass die Rechte stets in prätentiös gespreiztem Winkel zu den Saiten steht - alte Rockstarallüre. Erst live kommt zum Tragen, was die 31 Knots auszeichnet: die unklassische Phrasierung der Songs, die stets variierten Dialoge zwischen Gesang und Gitarre, Schlagzeug und Bass. Besonderes Highlight wird hierdurch „Compass Commands“ vom neuen Album „Worried well“, ein Instant-Hit über Pianolinie. Mag manchen Nerd an „… and you will know us by the trail of dead” erinnern. Deren zwei Drummer haben 31 Knots zwar nicht, doch Jay II macht Krach wie drei.

Die Europatour von 31 Knots geht weiter, und ihr neues Album ist eben erschienen. Alles andere müsst ihr selbst herausfinden, und es soll euer Schaden nicht sein, damit hier zu beginnen:
www.myspace.com/31knots

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