Der Protagonist von Woody Allens neuem Film „Midnight In Paris“ flieht
vor seinem Alltag in die 1920er-Jahre, im Münchner Rationaltheater tanzt
man im Retro-Look zum Swing von Schellack-Platten, und Charles Bradley
nimmt seine Fans mit in die funkige Welt des Deep Soul.
Der 63-Jährige –
er wurde bei einer Tributveranstaltung seines grossen Vorbilds entdeckt
– beerbt den Godfather of Soul, James Brown. Der ehemalige Küchenchef
ist ein Spätberufener. Viele Jahre lang machte er nebenbei Musik, erst
nach einigen Schicksalsschlägen – so die offizielle Geschichte – widmete
er sich ihr völlig. Jahrelang tingelte er durch kleine Clubs, dieses
Jahr erschien sein Debütalbum. Erst jetzt scheint er den Applaus zu
bekommen, den er verdient.

Seine Lieder sind stark, Bradley selbst wirkt authentisch, und trotzdem
wird beim Konzert schon beim viel zu langen Intro, mit dem ihm seine
Band den Boden für eine Punktlandung bereiten soll, klar: Die Band wird
weder mit Schmelz noch mit Funk für eine flirrend-elektrisierende
Atmosphäre sorgen. Und Charles Bradley gibt mit Schmerbauch und vom
Leben gezeichneten Gesicht den Liebhaber, der noch immer jugendlich
wirken will. Erst im roten Smoking, später im ebenfalls glänzend reich
bestickten Overall, zitiert er seine Vorgänger, ohne jedoch so
extravagant und originell zu wirken wie diese. Seine Musiker – sie
absolvieren das Programm zwar druckvoll, aber weitgehend ruhig und
unauffällig – überlassen ihm die Show und er verlässt sich auf das
Bewährte: Er tänzelt und fällt auf die Knie, er donnert und kreischt,
und immer wieder schwenkt er lasziv die Hüften und stöhnt regelmässig
sein «uhh, so goood».

Charles Bradley ist nicht der Parodist, als der er mitunter unfreiwillig
wirken mag. Seine Musik ist gefühlsbetont und mitreissend, seine Stimme
ist mächtig und seine Interpretationen sind intensiv. Man sieht Bradley
an, dass er öfters ausgeknockt wurde. Er ist aufgestanden und hat sein
Leid in Stärke verwandelt. Das beeindruckt. Vorne tanzen die
Zwanzigjährigen und lächeln beglückt, hinten setzt schon früh das
muntere Gehen ein. Dachte man beim Debütalbum noch, dass hier ein
Geschundener mit den Erfahrungen seines Lebens seiner Lieblingsmusik zu
einer neuen Tiefe verhilft, so zeigt er im Konzert, dass er zwar seine
Stücke hervorragend verkörpern kann, in der Bühnenshow aber in der
Konvention stecken bleibt und auch mit Coverversionen wie Neil Youngs
„Heart Of Gold“ keine glückliche Hand hat.
Nächstes Konzert: 10.11.2011, Basel, Kaserne Basel.
1"Schnoddrig"
am Dienstag, 22. November 2011 15:33
Diese Besprechung ist geprägt von Ignoranz und Schnoddrigkeit. Einem alten Mann den Bauch vorzuhalten, fällt auf den Schreiberling zurück, der sich auch mit den Aussagen zur Band nicht unbedingt als Experte beweist. Das Ganze auch noch unter dem Deckmantel der Anonymität: Ich würde mich schämen.