Eskobar aus Schweden verschaffen einigen hundert Zürchern einen schönen Abend.
Besonders viele Leute waren nicht im Rohstofflager. Es hätte bestimmt doppelt so viel Platz gehabt. Im züritipp wurde die Band mit den Lovebugs aus Basel verglichen, was für die Lokalpatrioten ein Grund gewesen sein mag, fernzubleiben. Der Vergleich ist nicht abwegig, dennoch spielen Eskobar in einer anderen Liga. Damit soll nichts gegen die Lovebugs, gegen Basel oder gegen die Schweizer Musikszene gesagt sein. Als „Perfektion des Pop“ wurden sie schon angepriesen – und das hat etwas. Aber was Eskobar bieten, ist nicht einfach Pop, da ist auch Indie, Rock, Alternative, Wave, Style und Fashion mit dabei.
Die Vorband, Matt Boroff & The Mirrors aus den USA, bot düsteren Surf-Rock dar. Drei Typen mit Melonen und weiten Hosen standen auf der Bühne. Aus dem Stoff ihrer Kleidungsstücke hätte das ganze Publikum mit den immer noch angesagten Röhrchenhosen versorgt werden können. In der obligaten halben Stunde Umbau- und Soundcheckpause hatte jeder Roadie einmal seinen grossen Auftritt und durfte „Check, One, Two, One, Two“ ins Mikrofon sagen. Dann war die Bühne bereit für Eskobar. Woher der Bandname kommt, ist unklar. Vielleicht geht Eskobar zurück auf einen kolumbianischen Drogenboss oder auf einen Fussballspieler aus dem gleichen Land. Der eine wurde inzwischen einer der reichsten Männer der Welt, der andere schoss an der WM 1994 mit einem Eigentor seine Mannschaft aus dem Rennen und wurde kurz darauf selber aus der Bahn geräumt. Tragisch sind jedenfalls beide Fälle.
Bei der schwedischen Band gibt es wenig Tragisches, auch wenig Theatralisches und Bombastisches, sondern einfach gute Musik. Schöne Lieder in einem relativ einfachen Gewand aus Gitarre, Bass, Schlagzeug, ein bisschen Klavier, und natürlich der Stimme von Sänger Daniel Bellqvist. Das Trio, nebst Frontmann bestehend aus Frederik Zäll an der Gitarre und Robert Birming am Schlagzeug, wird live ergänzt durch einen Bassisten und einen Multiinstrumentalisten mit akustischer und elektrischer Gitarre sowie Piano. Sie spielten alle bekannten Lieder vom neuen „Flat Earth“ über „Someone New“ (ohne die Duettpartnerin Heather Nova, halb so schlimm), „Move On“, „You Got Me“ oder „Good Day For Dying“. Das Publikum tanzte, wippte zumindest mit Fuss oder Kopf im Rhythmus, im Wogen der Masse. Die Stunde verging wie im Flug. Zur Zugabe wurde es patriotisch, mit „Knowing Me, Knowing You“ wurde ein ABBA-Klassiker geboten, „a great swedish band“, was sehr gut ankam und für ein bisschen Disco-Stimmung sorgte. Drei Songs gab es bei der ersten Zugabe, zwei weitere bei der zweiten, weil das Publikum so ausdauernd klatschte. Und weg waren sie, nach eineinhalb Stunden Schwelgen in wunderschönen Popsongs.
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Diskographie:
> Til We’re Dead (2000)
> There’s Only Now (2002)
> A Thousand Last Chances (2004)
> Eskobar (2006)
> Death In Athens (2008)