Mañana dürfen mit I Am Kloot für vier Konzerte nach Österreich. Zu
Recht! Passte doch die Basler Vorband, die nach ihrem plötzlichen
Erfolg vor einigen Jahren nun mit grosser Verspätung eine erste LP
veröffentlichte, in die verrauchte Stimmung im ISC. Zum ersten Mal konnte mich das Schweben und Schwelgen in ihrer Popmusik einholen und die sehnsüchtigen Songs von „Interruptions“ berühren. Vielleicht weil es im Raum sehr eng war und ich in der Vorstellung gerne über den Köpfen mitgeschwebt wäre, vielleicht aber auch deshalb, weil es schlicht und einfach ein starkes Konzert war.
Ein schelmischer John Bramwell trat nach kurzer Pause mit Gitarre und dem stets sitzenden Bassisten Pete Jobson und Andy Hargreaves am Schlagzeug auf. Obwohl ich mich für einmal hinten platzierte und nicht immer bis zur Bühne sah, verliehen die drei Musiker mit ihrer blossen Erscheinung einen immensen Eindruck. Ein sicherer Schlagzeuger, der mit seinem müden Hundeblick die traurigen Songs satt und roh interpretierte und nur zum Ende hin ein liebes Lächeln aufsetzte, das man ihm von Herzen gönnte. Pete Jobson sieht seit Jahren gleich aus und genau konzentriert, ohne Mimik, ging er auch zu Werk. John Bramwell, der auf der DVD zum neuen Album noch mit roter Mähne zu bewundern war, wirkte gutgelaunt, schwatzhaft (auch nach dem Konzert) und glänzte mit britischer Spontaneität.
Mit „One Man Brawl“, dem ersten Song von „Play Moolah Rouge“, ging es los. Schön verteilt in eine lange Setlist fanden die neuen Songs problemlos Unterschlupf in der Welt von I Am Kloot, die bekanntlich voll von „Love, Smoke and Desaster“ ist. Eigentlich könnte man sagen, dass gerade das Rohe und Reduzierte den anderen Songs einen neuen Anstrich gab und Bramwells Stimme die nötige Wichtigkeit zukommen liessen.
Man kann I Am Kloot keine Eintönigkeit vorwerfen, aber trotzdem leben sie live vom Wiedererkennungswert ihrer Songs, so dass mancher Zuhörer nur Zugang zu den bekannten „Hits“ fand. Erstaunlich war, dass dabei „Storm Warning“ leicht enttäuschte und gerade bei diesem Song die Kraft herausgenommen wurde.
Für zwei Songs (darunter das wunderschöne „Fear of Falling“) verschwanden Jobson und Hargreaves für kurze Zeit. Bramwell genoss es sichtlich, in seinen Songs neue Pausen zu finden und mit Gitarre und Stimme darin aufzugehen.
Mit der Zugabe haben I Am Kloot den Zuhörern insgesamt ein langes Konzert „zugemutet“. Aber als die ersten Leute gehen mussten, um die letzten Züge ab Bern noch zu erwischen und man plötzlich genug Platz hatte, merkte man, dass man noch lange den wunderschön tragischen Songs mitlauschen könnte.
Leider, und das muss ich jetzt in aller Deutlichkeit sagen, waren am Tresen nur schlechte Kopien ihrer LPs erhältlich (das wahrscheinlich bekannte Problem einer langen Tour). Auch wenn das amüsante Gespräch mit Bramwell und der Abend insgesamt dies locker entschädigten, hätte ich gerne meine Sammlung vervollständigt und etwas auf den Heimweg mitgenommen.
> Aktuelles Album hören und kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > CH-Vertrieb
Diskographie:
> Natural History (2001)
> I Am Kloot (2003)
> Gods And Monsters (2005)
> BBC Radio 1 John Peel Sessions (2006)
> Play Moolah Rouge (2008)
Ähnliche Künstler:
> Elbow
>
Starsailor
>
The Decemberists
>
Turin Brakes
> The Good Life
> Travis
>
Eels
> Keane
> Coldplay
> Mojave 3
> R.E.M