Ex-Stone Roses-Frontmann Ian Brown mit einem phänomenalen Konzert,
das das kleine KOKO in Camden, London in Flammen aufgehen liess. „All
Ablaze“ eben.
Der für seine delikate Hochmut bekannte King Monkey gab sich letzten Mittwoch die Ehre und spielte als Teil der NME Shockwaves Awards-Tour sage und schreibe 80 Minuten lang in einem wirklich sehr kleinen Club in Camden, London ein seit Monaten ausverkauftes Konzert und rockte die demütigen, zuschauenden Jünger in Ekstase. Da sah man doch nur zu gerne über die wenig spannende, aber nichtsdestotrotz legendäre Supporting-Einlage von Ex-Happy Mondays’ Ryder hinweg. Einem Messias gleich mit erhobenen Händen und zur glitzernden Diskokugel blickend betrat Ian Brown die Bühne, begleitet von ausufernden, manischen Begeisterungsstürmen der hauptsächlich männlichen Konzertbesucher. Sogleich ging’s los und ein beeindruckendes „Golden Gaze“ erster Güteklasse wurde gespielt. Diese Wucht, diese Intensität! Weitere Songs seiner Solo-Veröffentlichungen wie z.B. „All Ablaze“, „Lovebug“, „My Star“ usw. folgten, wobei King Monkey meist richtig, aber ab und an auch falsch sang – was jedoch überhaupt nicht störte. Der Saal kochte, es wurde frenetisch geklatscht, gesungen, gefeiert, Ian Brown war ungewohnterweise zu Scherzen aufgelegt, strahlte eine Aura aus wie selten erlebt und legte eine Überheblichkeit zutage, wie sie sich nur Gott erlauben könnte. Seiner Präsenz gegenüber war die überdimensionierte Diskokugel – wir zitieren die Editors – „a bouncing cigarette on the floor.“ Und die Band knüppelte sich die Seele aus dem Leib – als würden sie um ihr Leben spielen. Für ein paar wenige Songs wurde der Ex-Stone Roses-Frontmann von Happy Mondays’ Ryder begleitet, was wohl eine einmalige Sache gewesen sein muss. Nach „Keep What You Got“ war das eigentliche Set beendet und befürchtend, dass Ian Brown wie beim letztjährigen Glastonbury-Festival kein Encore spielen würde, stürmte die Band nach wenigen Minuten wieder die Bühne und spielte ein eindrucksvolles, abgefahrenes „I Am The Resurrection“ der Stone Roses. Nicht von dieser Welt. Ein Cover von Bob Marleys „Redemption Song“ folgte, bevor Ian Brown das Konzert mit dem einzigartigen „F.E.A.R.“ beendete, das sämtliche Konzertbesucher erschöpft, aber überglücklich in die weite Nacht Londons entliess.
Fazit: King Monkey at his greatest und für die Schreibende das bei weitem beste, verrückteste je miterlebte Konzert. Wen kümmert noch das fürs Ticket ausgegebene kleine Vermögen – die Einmaligkeit, der Spass und die Erinnerungen waren, resp. sind unbezahlbar. Man rate nun, welche Auszeichnung Ian Brown an den am 23. Februar verliehenen NME Shockwaves Awards erhalten werde. – „Godlike Genius Award“. Nomen est omen. Amen.
Ian Browns neuste Veröffentlichung, „The Greatest“, ist seit 20. September 2005 im Handel.
Highlights: A-L-L-E (v.a. I Am The Resurrection und F.E.A.R.)
Setlist: 1) Golden Gaze; 2) Dolphins Were Monkeys; 3) Set My Baby Free; 4) All Ablaze; 5) Whispers; 6) The Sweet Fantastic; 7) Lovebug; 8) Time Is My Everything; 9) Corpses; 10) Longsight M13; 11) My Star; 12) Destiny Or Circumstance; 13) Keep What Ya Got; 14) I Am The Resurrection; 15) Redemption Song/Three Little Birds; 16) F.E.A.R
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