Wie bereits erwähnt stellen Leech und Long Distance Calling ihre Split-EP “090208“ vor. Natürlich durfte ich deren Konzert im Sedel nicht verpassen. Hier die Eindrücke von mir und meinem Vater.
Man kommt ins Alter, der Kontakt zu den Eltern lockert sich. Ich habe deswegen mit meinem Vater so was wie einen Deal abgeschlossen: Man sieht sich so etwa alle zwei Monate, isst, trinkt und diskutiert über die Welt und vor allem Musik. Zufälligerweise traf es diesmal den 23.Oktober, also lud ich meinen Erzeuger in den Sedel ein, um ihm mal zu zeigen, wie denn diese ominöse, kaum in Worte zu fassende Musik namens Postrock funktioniert. Hier ist zu erwähnen, dass der Mann seit Ewigkeiten leidenschaftlich Saxophon spielt, sich teilweise jenseits komplexe Sachen wie Free- oder Acid Jazz zu Gemüte führt und allgemein grosses Interesse an skurriler Musik zeigt.

Obwohl ich gewissen Respekt vor der Lokalität hatte (im Sinne von: hoffentlich laufen uns nicht die Failed Teachers mit runtergelassenen Hosen über den Weg sodass mein Vater denken könnte, ich treibe mich in Pogo-tanzenden-hosenrunterlass- Kreisen rum :) ) verlief der Abend bestens.
Long Distance Calling eröffneten fulminant. Sechs Lieder, eine Stunde Postrock vom Allerfeinsten. Neben den auf der Split-EP vorgestellten Stücken “Metulsky Curse Revisited“ und “Black Bird vs. Red Bug“ hat mich vor allem das neue Stück (leider habe ich den Namen vergessen, doch die im Entstehungsprozess befindliche neue Platte ist jetzt schon ein Pflichtkauf) kräftig weggehauen. Mein Vater staunte. Kommentare wie: ’Sensationelle Klangdichte’, ’der Schlagzeuger leistet ja Schwerstarbeit’ oder ’Was macht der hinter dem Laptop?’ blieben in meiner Erinnerung. Jedenfalls spielten die jungen LDC mit viel Elan enorm druckvoll, abwechslungsreich, spannend und laut.
Nach einem Pausenbier und etwas frischer Luft folgten dann Leech. Und obwohl diese durchwegs gut gespielt haben fehlte mir im direkten Vergleich zu LDC die Frechheit. Meinem Vater jedenfalls gefielen LDC besser und ich versuchte ihm anschliessend darzulegen, dass Leech schlicht eine andere Herangehensweise an das Genre haben. Sie wiederholen einzelne Themen länger, bleiben länger an ausgewählten Tonfolgen hängen und wirken somit einerseits monotoner, andererseits jedoch hypnotischer, meditativer und reifer. Die Köpfe der Zuhörerschaft wurden jedenfalls kräftig geschüttelt.
Ich erspare es mir, hier ein weiteres Mal zu beschreiben, wie denn das Ganze tönt, schafft euch “090208“ an und geniesst bzw. urteilt selbst.
Was ich zu bemängeln habe ist einzig die etwas zu gut gemeinte Lautstärke im Lokal. Meinem Vater, der seit dem Militärdienst nur noch auf einem Ohr hört, war schon die Musik vor den Konzerten, also in der Zeit, in der man eigentlich ein Gespräch hätte führen können, zu laut. Trotzdem gefielen ihm (mir sowieso) die Konzerte gut. (’Immerhin hast du diesen HipHop hinter dir gelassen, damals konntest du mir mit deiner Musik wirklich auf die Nerven gehen…’)
> Offizielle Webseite Leech > Offizielle Webseite LDC > MySpace LDC > MySpace Leech
Diskographie:
Long Distance Calling:
> Satellite Bay (2007)
> 090208 Split EP(2008)
Leech:
> Instarmental (1996)
> Soundtrack to an Individual Emotion Picture Mindmovie (1998)
> Zerotonine Days EP (2000)
> The Stolen View (2007)
> 090208 Split EP (2008)
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