Lange Zeit konnte man seine Musik nur im Konzert erleben. Mittlerweile hat Seun Kuti mit seiner Band Egypt 80 – in der noch Musiker spielen, die seinem Vater gedient haben – einige eindrückliche Aufnahmen eingespielt. Auftritte des charismatischen Musikers ersetzen sie nicht.
"Ist dir nicht klar, was du da

machst", geht Seun Kuti lachend auf den Tänzer zu, der in afrikanischer Manier die Bühne erklommen hat und neben dem Kalebassenspieler tanzend seine Freude an der Musik ausdrückt, "du stiehlst mir die Show!" Es sind wahrlich harte Zeiten für den Verwalter des Afrobeat-Erbes. Ein Journalist habe ihn neulich – frei übersetzt – als Schänder des Afrobeat bezeichnet, ereifert er sich. Grundlos, denn der Journalist ist nicht im Raum und das Publikum hat sich schon längst vom charismatischen Bandleader und seinen eloquenten Egypt 80 mitreissen lassen.
Zum Teil hat die generationenübergreifende Truppe schon Fela Kuti gespielt, der gemeinsam mit dem Schlagzeuger Tony Allen als Erfinder des Afrobeat gilt. Die alten Herren wissen, was sie tun. Und ihre Zöglinge stehen ihnen in nichts nach. Aber sie wissen auch, wer sie bezahlt: Selbst wenn Seun Kuti immer wieder in die zweite Reihe zurücktritt, während einer seiner versierten Bläser ein Solo zaubert, ist er der uneingeschränkte Herrscher.
Mit ungeheurer Energie fegt er über die Bühne, spielt mit einfachen Gesten und ausdruckstarker Mimik den Inhalt seiner Lieder nach, salutiert exaltiert bei "African Soldier" u

nd marschiert im Stechschritt über die Bühne. Die Stücke reihen sich nahtlos aneinander, bilden einen Sog, von dem man sich gerne mitziehen lässt. Auch als Seun Kuti nach einer knappen Stunde ankündigt, etwas Tempo herauszunehmen, ist die Gruppe noch immer flott unterwegs.
So sehr die 14-köpfige Gruppe ihrem Bandleader – der auch mit dem Impetus seiner Vaters für die Belange Afrikas eintritt – die Bühne überlässt, so wichtig sind sie für ihn. Denn selbst wenn sie, weitgehend regungslos auf der Bühne stehen, liefern sie den fetzigen Boden für die rasante Show von Fela Kuti. Und von der können selbst ausdrucksstarke Gasttänzer nur kurz ablenken – zu stehlen ist sie ihm nicht.