Die dritte Ausgabe der Unholy Alliance, dem Tourtross mit Headliner Slayer macht gerade wieder Europa unsicher und machte auch in Winterthur Station.
Das Programm war dicht gedrängt und muss unheimlich früh angefangen haben. Gespielt haben als Vorbands die Gewinner des Support-Band Wettbewerbs Mabon, Amon Amarth, Mastodon und Trivium. Als ich jedenfalls um 21:00 die Halle betrete, reicht es gerade noch, um mir eine halbwegs vernünftige Bühnensicht beim Mischpult zu erkämpfen, schon fällt im wahrsten Sinne des Wortes der Vorhang.
Tom Araya, Kerry King, Jeff Hannemann und Dave Lombardo die (ohne die Leistung des vorübergehenden Schlagzeugers Paul Bostaph schmälern zu wollen) einzige echte Slayer-Besetzung, eröffnen furios mit Flesh Storm, dem Opener des jüngsten Albums “Christ Illusion“. Die ganze Setlist bestand fast ausschliesslich aus Tracks, die auch mit Lombardo auf Tonträger gebannt wurden, ausgenommen von “Disciple“ (vom “God Hates Us All“-Album), einer der wenigen neueren Slayer-Songs, der das Zeug zum Thrash-Metal-Klassiker hat.
Während des ungefähr 80minütigen Gigs wurde der wohlwollenden Teufelsfinger in die Höhe reckenden und „Slayer“ schreienden Menge ein buntes Potpourri aus dem eindrücklichen Schaffen der Thrash-Titanen um die Ohren geprügelt. “War Ensemble“, “Chemical Warfare“, “Ghost of War“, “Cult“ und “Eyes of the Insane“ wurden, unterstützt von einer imposanten Lightshow, erbarmungslos aufs Volk eingegedroschen. Die erste kurze Verschnaufpause stellte das Titelstück von “Seasons In The Abyss“ in der Hälfte des Sets dar.
Der Sound war nicht sehr ausgewogen, deutlich überpräsent im Mix war das Schlagzeug. Aber wer will sich darüber beklagen, wenn der Drumsound so druckvoll ist und mit Dave Lombardo der Mann, der seit mehr als zwanzig Jahren den „State of the Art“ des Thrash-Metal-Drummings definiert, in der Küche fuhrwerkt?
Die Gitarren sind bei Slayer wie eh und je sowohl live wie auch auf Tonträger zwischen Jeff Hannemann (links) und Kerry King (rechts) aufgeteilt. Ich kann mir nicht helfen, aber hatte ich früher immer das Gefühl, dass Jeff für das Gros der (besseren) Songs verantwortlich war, schien mir auf dem jüngsten Longplayer und vor allem am Konzert Kerry Kings Beitrag ansprechender und virtuoser. Die Solos waren wie eh und je rasend schnell und mehrheitlich nichtssagend, zugute halten muss man den Herren aber, dass die anschliessenden Wechsel und Breaks trotzdem immer präzis kamen.
Tom Araya gab sich gutgelaunt und langweilte zum Glück nur kurz mit unnötigen Animationssprüchen wie „Are you having a good Time?“. Seine Gesangsleistung war durchzogen und stellenweise schlicht falsch. Ob der Bass angeschlossen war, liess sich (wie immer) nicht eruieren. Slayer sind halt Slayer und können sich das leisten. In der zweiten Hälfte folgten unter anderem “Disciple“, “Jihad“, “Live Undead“, und “Dead Skin Mask“. Die Schlussrunde wurde dann eingeläutet mit “Raining Blood“, gefolgt von “South Of Heaven“. Ziemlich nahtlos wurde gleich die Hymne schlechthin gedroschen: “Angel Of Death“. Die Menge tobte und schrie den Text begeistert mit. Danach war Schluss, denn nach “Angel Of Death“ ist, egal wie exzessiv die Zugaberufe auch sein mögen, immer Schluss weil:
Slayer sind Slayer und können sich das leisten. Für alle anderen gilt: Take it or leave it!
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