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The Unwinding Hours im Kiff, Aarau, 08.04.2010

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von Michael Messerli am Montag, 12. April 2010 in Konzertberichte   
Unwinding HoursRückblende: Aereogramme spielen 2005 nachmittags beim Greenfield Festival. Draussen ist Hochsommer, im Zelt ist Sauna und die Schotten sind laut. Sehr laut. Nebenan meint einer der eher wenigen Zuschauer – nach nur gerade einem Song – diese Musik sei ihm zu dramatisch und die Ex-Freundin flüchtet wegen dem Lärm. Der Autor dieser Zeilen hat das falsche Schuhwerk, einen mordsmässigen Kater und entdeckt gerade eine neue Band für sich. Fast fünf Jahre später gibt es Aereogramme nicht mehr. Was für ein Jammer. Aber fast fünf Jahre später gibt es The Unwinding Hours. Was für ein Glück. Craig B und Iain Cook kehren zurück und verwöhnen die Schweiz mit drei Konzerten. Das erste davon im Kiff in Aarau.
 
Die Bühne gehört an diesem Abend zuerst Mnevis aus der Schweiz. Deren schüchterner Indie-Postrock nimmt das Publikum artig auf, trotzdem rückt die Zuschauerfront immer mehr gegen hinten. Als Vorband funktionieren sie in diesem Kontext wunderbar und überraschen sogar mit einem gelesenen Text, untermalt von einem grossartigen Drumpart. Auch wenn sie phasenweise etwas an diese und jene Band erinnern: Der Applaus am Ende ist ernst gemeint. Danach wartet das doch relativ überschaubare Publikum auf The Unwinding Hours. Und als Iain Cook schliesslich die ersten Töne spielt, wird schnell klar: Sie werden es sich nicht einfach machen. „The Final Hour“ ist ein doch sehr gewagter Opener, so still und leise wie Craig B hier die ersten Zeilen singt. Symbolcharakter mag das alleweil haben, steht der Song inhaltlich auch für das Ende von Aereogramme und soll zu dem überleiten, weshalb man heute überhaupt hier ist. Das Ende vom Anfang deutet an, wie laut Aereogramme waren – dann aber wird auch Craig B deutlich in seinen Ansagen: Man hat halt irgendwie ein ruhiges, zuweilen gar stilles Album geschrieben. Nach dem wundervoll gelungenen „Peaceful Liquid Shell“ folgen die ruhigen „Little One“, „Traces“ und „There Are Worse Things Than Being Alone” gleich aufeinander. Taktisch vielleicht unklug, aber was kümmern die sich um Taktik. Nur schade, dass nicht wenige zahlende Gäste selbst die schönsten Momente totquatschen und man sich manchmal fragen muss, weshalb gewisse Leute Eintritt zahlen, um dann die Klappe doch nicht halten zu können. Da aber Craig B ein Mensch von einer ausgesuchten Freundlichkeit ist, bedankt er sich gefühlte fünfzehnmal bei denjenigen, die zuhören. Er ist es sowieso, der nicht nur das Wort an diesem Abend führt, sondern als Person den Sympathiepreis für die ganze Band abholt. So wie etwa bei der Ansage vor dem herausragenden „Child“, wo er es schafft, auf die herzlichste Art und Weise zu erwähnen, dass dieser Song von jemandem handelt, den er hasst. Mit lupenreinem schottischen Akzent leitet er dann auch zu einem weiteren Höhepunkt über: „Knut“. Das sei „kind of fast“, meint er – und relativiert gleich wieder selber: „faster“. Unwinding Hours

Am Ende dann doch noch ein Aereogramme-Song als Zugabe, selbstverständlich nicht derjenige, den man sich gewünscht hat, sondern mit „Art of Belief“ ein eher unscheinbarer. Nachdem dann auch noch der Verzerrer von Craig B ausfällt, geht ein nicht ganz perfekter Abend zu Ende. Nicht ganz perfekt dank dem schwatzhaften und sehr zurückhaltenden Teil des Publikums. Natürlich hätten The Unwinding Hours weitere Songs von Aereogramme einstreuen können, um mehr Dynamik ins Set zu bringen. Und natürlich wissen sie das selber nur zu gut. Aber sie halten das so, wie es für sie stimmt. Wer die besten Burger der Stadt macht, kann sich solche Freiheiten herausnehmen. Dafür kann man nur dankbar sein und sich auf das Wiedersehen in Glasgow freuen. Auf einen Drink im Nice ‘n‘ Sleazy. Craig B bringt die Stories – und wir bringen den Wein. Cheers.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
» 1 Kommentar
1"Unplugged Backstage"
am Dienstag, 13. April 2010 09:09von Dennis
Ein kleines Goodie für alle Fans: 
http://www.youtube.com/kiffaarau# p/a/u/1/rOBtXXmgDcs
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