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Unterbiberger Hofmusik im Freudenhaus in Bregenz (A), 26.4.2012

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von TheNoise am Samstag, 28. April 2012 in Konzertberichte   
UnterbibergerBayerisch, türkisch, jazzig – die Unterbiberger Hofmusik bringen alles in einen Bläsersatz

Viel eher als die Unterbiberger Hofmusik – die sich in Dirndl und Lederhosen wesentlich konventioneller gibt als sie tatsächlich ist – zeigt ihr ständiger Partner Matthias Schriefl auf den ersten Blick, was von der Gruppe zu erwarten ist: Die Lederhose des Trompeters darf als Bekenntnis zur Tradition gelesen werden. Aber schon das kleingemusterte Hemd mit seinem modisch grossen Kragen, seine geckige Brille und der modebewusste Haarschnitt zeigen, dass er in ihr nicht feststeckt. Das untere Drittel mit seinen auffälligen, orangefarbenen Kniestrümpfen, die in mit Alpenblumen bestickten rot-grünen Mokassins eines mittelalterlichen Gauklers stecken, repräsentiert den Freigeist, den burlesken Hofnarr mit seinen entlarvenden Spässen.

Tradition, Freigeist und Moderne sind die Ingredienzien der Familie Himpsl vulgo Unterbiberger Hofmusik aus dem gleichnamigen Ort bei München, die gemeinsam mit dem furiosen Trompter Matthias Schriefl, dem geschmeidigen Posaunisten Mathias Götz und dem Tubisten Konrad Sepp auf der Bühne sitzt.
Seit Jahren schon sprengt die Gruppe das Genre der Volksmusik, vornehmlich indem sie diese mit einem gehörigen Schuss Jazz versetzt, aber auch mit zum Beispiel lateinamerikanischen Rhythmen. Schon auf ihrem letzten Album „Made In Germany“ hat sich ein neuer Weg abgezeichnet – die Adaption und Integration türkischer Musik, die beim aktuellen Programm im Zentrum steht. Da fügt sich der Klang der Rahmentrommel ganz selbstverständlich in den Ton der Bläser, und unversehens wird aus einer schmelzenden orientalischen Melodie ein urbayerisch wirkendes Lied. Auch Polka, Walzer, der auch mal in Richtung Barjazz abschweifen kann, und Tango fügen sich gut in diese Mischung ein.

Trotz der Hinwendung zur türkischen Musik, kommt die jazzige Note alles andere als zu kurz. Es sind auch die als Solisten oft im Rampenlicht stehenden Matthias Schriefl, der überwiegend exaltiert, furios und effektbetont spielt, und der zurückhaltender agierende Mathias Götz, die immer wieder begeistern. Schriefl ist es auch, der für den Höhepunkt des Abends sorgt – mit einer ungewöhnlichen Interpretation von Duke Ellingtons "Caravan", das er, den Rhythmus mit um die Fussgelenke gebundenen Schellen selbst dazu stampfend, treibend-nervös und mit dreckigem Ton in den Saal schmettert.  

Obwohl oft nach einem ähnlichen Muster arrangiert – zwei Trompeten liefern das Intro, zu dem sich nach und nach die weiteren Instrumente gesellen – kommt keine Langeweile auf. Kleinere Schwächen – dass zu Beginn der Tournee mal ein Intro nicht sitzt oder dass in den lyrischen Passagen der türkischen Lieder der Schmelz in der Stimme fehlt, akzeptiert man gerne. Denn auch wenn die raue Stimme von Franz Himpsl nicht so recht zur schwelgerischen oder gar romantischen Melodieführung passen mag, beim Wechsel in den traditionell-bayerischen Stil wirkt sie durchaus wieder passend.
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