Keine Frage!
Das war grossartig! Why? bestachen bei ihrem Auftritt im Fribourger Fri-Son mit einer eindrücklichen Wiedergabe ihrer beiden neusten Alben.
In der Mitte des des grossen Saals im Fri-Son steht wie gewohnt der Merchandising-Stand. Ein junger und äusserst mitteilungsbedürftiger Mann aus Montreal fragt Josiah Wolf, Drummer von Why?, um welche Zeit er dann als Support beginnen würde. „Around nine“ ist die knappe Antwort. Josiah blickt auf die Uhr und merkt, dass es in diesem Moment gerade neun geschlagen hat. Er schmunzelt: „Maybe later“. Der Kanadier lacht lautstark und beginnt mit einem Lobgesang auf die Band, welchen er noch das ganze Konzert lang mit Huldingungen und Verbeugungen aufrecht erhält.
Eine halbe Stunde später steht Josiah Wolf als klassische One-Man Band am linken vorderen Bühnenrand und geniesst es, dass sich alle nach ihm gedreht haben und seinen leichten Popsongs aus seinem ersten Album „Jet Lag“ lauschen. Man versteht jedes Wort, so leicht verständlich und gegliedert sind seine Songs. Und so überraschend gut, auch als passender Ausgleich zu dem, was darauf noch folgen wird. Der Auftritt stellt sein Album in den Schatten. Es ist zu bemerken: Der ältere Bruder von Singer Yoni Wolf spielt als kompleter Musiker seine ersten persönlichen Songs dem Publikum vor. Nach einer ungeplanten Zugabe dreht er sein Schlagzeug, installiert ein Vibraphon und wartet auf die restliche Band.
Why? habe ich bisher nur einmal gesehen, als früher Act an der Bad Bonn Kilbi. Yoni Wolf trug damals Gips und war ziemlich eingeschränkt. Mit einem Arm spielte er mit einer kleinen Trommel und schaffte mit seiner Band damals das Publikum umzuhauen. Auf der aktuellen Tour kam zum Brüderpaar und Keyboarder und Bassist Doug McDiarmid (dessen stechender Blick dank lustiger Mütze und Bart weinger auffiel) noch Verstärkung. Die beiden Musiker, Gitarrist Andrew Broder und Bassist Mark Erickson (war das nicht DJ Fett?) von der anticon Band Fog ergänzten mit schauspielerischen Einlagen und dem zusätzlichen Sound das ehemalige Soloprojekt von Yoni Wolf passend.
Das Konzert wurde im Wesentlichen von den beiden letzten Why?-Alben geprägt. So wechselten sich die rockigen Songs von „Alopecia“ mit den neuen ruhigeren Songs von „Eskimo Snow“ ab und stellten so jeden Fan zufrieden. Ein einfaches, aber effektives Rezept. Yoni Wolf war anfangs ziemlich ruhig - eventuell noch irritiert, weil er in Rohrschach angeblich Besoffene beschimpft hat (und sich mittlerweile über myspace entschuldigte). Die Band genoss den Auftritt sichtlich und zeigte vollen Einsatz. Yoni blieb zu meinem Erstaunen am Mikrophon und nützte die erlangte Armfreiheit nur für Tanzeinlagen und Kraftübungen, die meine Vorstellung vom rappenden Nerd, relativierten. Why? haben es geschafft, ihre Songs auf der Bühne zu reproduzieren und setzten mit den zusätzlichen Musikern das gewisse Extra obendrauf.: ein perfekter Abend. Auch der junge Mann aus Kanada war zufrieden und verliess nach dem Konzert mit der Setlist in der Hand das Fri-Son glücklich.