Genre Guide: Post-Rock Geheimtipp ABC (3) |
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| von Philipp Gautschi am Samstag, 15. Januar 2011 in Specials | |
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An alle, die bereits Interesse an den ersten beiden Teilen gezeigt haben: Besten Dank dafür. Ich bin weiterhin empfänglich für Ergänzungen und Korrekturen. Hier endlich der dritte und letzte Teil meines kleinen Postrock-ABC. Wie immer: eine muntere Reihe altbekannter Grössen, frischer Geheimtipps und zu unrecht unbekannter Meister des Fachs.
Presence of Soul (Tokio, Japan) Aus irgendeinem Grund hat Postrock aus Japan jeweils das gewisse ETWAS. Presence of Soul klingen sehr ähnlich wie Mono, teilweise brachial, meistens gefühlvoll leise. Der zuckersüsse, japanische Gesang der Bandleaderin Yuki passt perfekt ins Konzept und sorgt für wohlige Gänsehaut im Überfluss. Wer Mono mag, mag auch Presence of Soul. http://www.myspace.com/presenceofsoul Red Sparowes (LA, USA) Mit „The Fear Is Excruciating, But Therein Lies the Answer“ veröffentlichten die Kalifornier erst kürzlich ihre dritte LP und bewiesen, dass sie zu den allergrössten im Genre gehören (Logisch, verschiedene ISIS-Musikanten haben ihre Finger im Spiel). Teilweise angenehm heftig, dank Steelguitar und Mut zu Experimenten jedoch ein Hörgenuss sondergleichen. http://www.myspace.com/redsparowes The Samuel Jackson Five (Oslo, Norwegen) Vielseitig beeinflusster, experimenteller Instrumentalrock. Zeitweise sehr mathematisch und zappelig, manchmal wieder jazzig, etappenweise entspannt elektronisch. http://www.myspace.com/thesamueljacksonfive Say Hello to My Kids (Gent/Sint-Niklaas, Belgien) Eher gemächliche, dank ordentlich Piano und schwebenden Synths sehr sphärische Spielweise. Dichte, tiefe, düstere, erhabene Songs gespickt mit spielerischen Finessen. Sehr dezent gestreute, Vocals. ‘This Place’ ist ein Brüller von Postrock-Song. http://www.myspace.com/sayhellotomykids Seidenmatt (Berlin, Deutschland) Sehr freundliche, vielfältige (bzgl. Instrumentalisierung sowie Ideen), kreative Musik. Keine allzu heftige Laut/Liese Wechsel, dafür rhythmisch und spielerisch auf allerhöchstem Niveau. http://www.myspace.com/sdnmtseidenmatt September Malevolence (Göteborg, Schweden) Riesiger Geheimtipp. Sehr angenehmer, dezent verteilter Gesang trifft auf träumerische Klangwelten. Wunderbare Soundscapes, sehr gefühlvolle Gitarrenarbeit, in den entscheidenden Momenten laut und druckvoll. Der Song ’On Our Own’ liess mich kürzlich sogar in der Öffentlichkeit (bzw. im Zug nach Luzern…begleitet von ’nem wunderbarem Sonnenuntergang über dem Zugersee) eine Freudenträne vergiessen….ach wie niedlich von mir. http://www.myspace.com/septembermalevolence Sigurd (Lausanne, Schweiz) Soweit mir bekannt ist, war Sigurd nur ein Nebenprojekt aus ehemaligen Chewy / Favez – bzw. Lausanner Rockmusik - Kreisen. Mittlerweile gibt es Sigurd nicht mehr, das Album „Doppelgänger“ verdient es jedoch, hier erwähnt zu werden. Teilweise an Perversion grenzend monotone Songs wechseln sich mit heftigen, gewitterartigen Krachorgien und mathematisch präzisem Gitarrengewichse ab. Gleichermassen verstörend wie fesselnd. http://www.myspace.com/sigurdmusic Sincabeza (Bordeaux, Frankreich) Dem improvisierten Jazz verwandter, rhythmisch haarsträubender, skurriler Instrumentalrock. Die Gitarre spielt eine Nebenrolle, Schlagzeug und Bass liefern sich ein rhythmisches Massaker. Wenn ein Rhythmus erkennbar ist, wird dieser nach spätestens 15 Sekunden gebrochen. Musikalische Genies, die sich kräftig austoben und dem Hörer einen gehörigen Brummschädel verpassen. Das Album Edit sur passage avant fin ou montée d'instrument" gehört in jede anständige Skurrilitätensammlung. http://www.myspace.com/sincabeza Six Hands (oder Zes Handen…sicherlich aus dem flämischen Teil Belgiens) Zappeliger, nervöser, moderner wie auch einigermassen anständig gespielter Instrumentalrock einer wohl sehr jungen, kreativen Band. (ich hab nur ne Demo-EP von denen und kann entsprechend wenig berichten…) http://www.myspace.com/sixhandsband Spring Offensive (Oxford, UK) Die geniale Vertonung der Trauertheorie von Elisabeth Kübler-Ross wurde an dieser Stelle (http://www.exitmusic.ch/rezensionen/neuerscheinungen/spring_offensive_the_first_of_many_dreams_about_monsters.html) bereits ausführlich geschildert. http://www.myspace.com/springoffensive Stellardrive (Besançon, Frankreich) Wunderbar epischer Postrock aus Frankreich (üblicherweise sind die Franzosen ja eher Rhythmus-vernarrt). Passagenweise sehr sanft gespielt, fabelhafte Leadgitarre, vorbildlich konstruiert, durchdacht, wenn nötig in herrlich wuchtigem Metal ausufernd. (Tipp: “Conversation” aus “ERS-3: Ecotone”) http://www.myspace.com/stellardrivemusic This Is My Normal State (Bristol, UK) Dank der japanischen Sängerin, den Streichern und dem ungeheuerlich filigranen Gitarrenspiel erinnert die Band an ’Presence of Soul’. Entsprechend wunderschön sind die Songs. Kaum Krach, dafür die volle Ladung Emotionalität. Der 12 minütige Song „Phineas Gage“ (jawohl, der Typ, der ’ne Eisenstange quer durch den Schädel überlebte und anschliessend Frontalhirnsymptome aufzeigte bzw. zum Assi wurde…Psychologen wissen Bescheid) ist in herzzerreissendem japanisch gesungen und kitzelt die Amygdala auf äusserst angenehme Art und Weise. Pflichtprogramm für Postrock-Konsumenten. http://www.myspace.com/normalstateband This Is Your Captain Speaking (Melbourne, Australien) Sehr entspannter, tieftrauriger, sphärischer Postrock. Ich kenne leider nur den Song „Lullaby“. Wenn mir jemand mehr von dieser Band besorgen kann, wäre ich dankbar . http://www.myspace.com/tiycs This Will Destroy You (Texas, USA) Der Bandname spricht für sich. Eine Band, die in einem Atemzug mit den Grossen des Genres genannt wird. Wunderbar druckvolle Klangbilder, intelligent eingesetzte Elektronik, gleichermassen pompös wie gefühlvoll. Relativ einfach, entsprechend erfolgreich. http://www.myspace.com/thiswilldestroyyou Time.Space.Repeat (London, UK) Elektronisch angereicherte, friedliche Musik, vielleicht auch bekiffter Indierock. Verzerrter Gesang, verzerrte Synthieflächen, dezente Gitarren. Vereinzelte Ausflüge in Richtung Elektropop. http://www.myspace.com/timespacerepeat Tortoise (Chicago, USA) Urväter und Mitbegründer des Genres. Wer Tortoise nicht kennt, liest diese Liste nicht. http://www.myspace.com/tortoise Transit (Gent, Belgien) Eine weitere belgische Band, die es versteht, wunderbare Gitarrenmelodien aufzubauen und niederzureissen. Sehr intensiv, manchmal düster. Angenehmes Gleichgewicht zwischen seidenfeinen, leisen Passagen und nicht allzu krachigem Rock. Sehr geile ’Gitarrenduelle’. (Was für’n Schnapswort…ich meine damit, dass zwei Gitarren gleichzeitig jeweils verschiedene Melodien spielen…keine Seltenheit im Postrock, von Transit jedoch wunderbar umgesetzt). http://www.myspace.com/transit2006 Tristeza (Oakland, USA) Sehr intelligenter, vielseitiger, frischer Postrock. Dank Bläsern immer wieder Ausflüge in Richtung Jazz. z.T. Mariachi-ähnliche Bläser im Hintergrund. Äusserst empfehlenswert. http://www.myspace.com/tristeza We vs. Death (Utrecht, Holland) Den Indierock verwandte Musik. Bläser, vereinzelter Gesang, manchmal leichtfüssig, daher auch für Normalkonsumenten durchaus geniessbar. Erinnert mich an Seidenmatt (beide werden von Sinnbus vertrieben, da kann eine gewisse Verwandtschaft kaum geleugnet werden). http://www.myspace.com/wevsdeath The Winchester Club (London, UK) Psychedelischer, langatmiger, träger Postrock. Die Kerle lassen sich alle Zeit der Welt, was eindeutig für sie spricht. Wenn gesungen wird, kommen Erinnerungen an die herrlichen Savoy Grand auf. http://www.myspace.com/winchesterclub Wixel (Schaerbeek, Belgien) Ganz gemächliche, ruhige, verträumte, elektronisch verfeinerte Gitarrenmusik, sehr nahe am Chillout. http://www.myspace.com/wixel Yndi Halda (Canterbury, UK) Dezent elektronische, eigenwillige Musik…da ich nur den Song „We Flood Empty Lakes“ auf meinem portablen Musikabspielgerät finde, fällt eine genauere Beschreibung schwer. http://www.myspace.com/yndihalda Young Widows (Louisville, USA) Würde wohl eher in die Kategorie ‘Alternative/Metal’ passen, darf aufgrund des disharmonischen Gitarrenchaos und der wuchtig stampfenden Rhythmusfraktion an dieser Stelle erwähnt werden. http://www.myspace.com/youngwidows Youth Pictures of Florence Henderson (Oslo, Norwegen) Meine persönliche Postrock-Neuentdeckung des vergangenen Jahres. > siehe Rezension http://www.myspace.com/youthpictures 37500 Yens (Reims, Frankreich) Vergleichbar mit Sincabeza. Französischer Rhythmus-Terror irgendwo zwischen experimentellem Hardcore, Mathrock und Postmetal. Sehr zerhackt, sehr unbequem, spielerisch haarstäubend schwierig. Teilweise dank improvisiertem Saxophon in Richtung FreeJazz tendierend. Höchststrafe für musikalisch zurückgebliebene Popkonsumenten. http://www.myspace.com/37500yens 65Daysofstatic (Sheffield, UK) Der zurzeit wohl erfolgreichste Bastard aus Metal, Mathrock und Techno. Tatsächlich schaffen es die Briten, wuchtige Gitarrenwände mit hämmernden Techno-Beats zu vereinen. Live verliert man sich dann irgendwo zwischen munterem Headbangen und tollpatschigem Rumhopsen (oder wie tanzt man vernünftig zu Technobeats???) http://www.myspace.com/1148823
» 3 Kommentare
1Kommentar
am Montag, 17. Januar 2011 15:43von Fabio Herzlichen Dank, wieder ein paar Sachen, die ich mir mal anhören muss. This Is Your Captain Speaking leg ich dir übrigens wirklich wärmstens ans Herz, vor allem "Eternal Return"!
2"neues..."
am Dienstag, 18. Januar 2011 22:40von Gautschi dankesehr Fabio...ich such das Stück von this is your captain speaking mal irgendwo..
bin gerade in Berlin und habe (bis jetzt) folgende Bands gefunden (die ich bis anhin noch nicht kannte): For a minor reflection (aus Island...ziemlich spannend); Giants, Souvaeig; Hammock...muss mir die Sachen noch genauer anhören....ansonsten gabs leckers und seltenes von caspian, expl.its, jeniferever, transit (wie erwähnt...seeeehr heftig...) und god is an astronaut.... ich schreibe in bälde noch noch nen vierten teil...im sinne von: was gibts neues bzw. was habe ich vergessen... soweit...grüsse aus berlin 3Kommentar
am Mittwoch, 19. Januar 2011 08:11von Fabio Hammock gehört auf jeden Fall in jede Sammlung eines Postrock Liebhabers!
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