Mit dem vielleicht schönsten Geburtstagswunsch, der mir bisher zu Ohren kam eröffnete Bruno Bénabar sein erstes Album (“Bénabar“) und das Herz freute sich und seufzte zufrieden mit. Alles was man da schon hochschätzte kam auch bei "Les risques du métier" wieder zum Vorschein (und dazu alles noch ein Spürchen besser und ausgereifter), brachte dieselben Herzen (und einige mehr) wieder zum Jubeln und Seufzen und Bruno Bénabar eine ungemeine Popularität in seinem Heimatland ein. In der Tat, an diesem Album Gefallen zu finden, das fällt nicht schwer: Als wunderbar vielfältig erweist sich die Musik auf diesem in Frankreich so beliebten und von der Kritik oft in höchsten Tönen gelobten Album. Ganz mondän werden sanfter Latin und Swing, trauernder Walzer und aufmunternde Polka, Reggae, traditionelles Chanson, ein bisschen Musette und wohlklingender Pop/Rock verbunden.
Und gleichwohl, auch wenn man es ob der vorangegangen Worte etwa so erwarten dürfte, ist dieses bunte Gemisch eigentlich alles andere als wild. Denn die Klänge auf diesem Album sind zumeist so arrangiert, dass sie als virtuose Bühne für die Worte Bénabars fungieren und nur selten wirklich in den Vordergrund treten. Typisch Chanson eben. Und was die Texte angeht, ist Bénabar schönerweise ganz oben, eine richtige Offenbarung. Selbstverständlich ist die Musik mehr als nur schmückendes Beiwerk, nicht zu selten drückt in den durchgehend wunderschönen Melodien und geschmackvollen Arrangements sein grosses Talent durch, aber zum vielleicht hellsten Stern des jungen Chansons machen Bénabar seine Texte. Jene trägt er, mich in einer an Sven Regener von den deutschen Folk-Rockern Element of Crime erinnernden, scharf- und hintersinnigen Art vor. Mit einer unwahrscheinlich guten Beobachtungsgabe gesegnet, versetzt sich Bénabar in Personen und Rollen, die keinem der Hörer unbekannt sind und erzählt mit liebenswert zynischem Einschlag und einem Wortwitz, der in der Tat seinesgleichen sucht, von oft amüsierenden aber auch traurigen und nachdenklich stimmenden Erlebnissen aus dem Alltag.
Auf diesem Album Lieblinge zu finden ist genauso schwer wie leicht, als mögliche Höhepunkte bezeichnen darf man die bittersüsse Ballade "Je suis des celles", dessen himmlische Streicher zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort wohl auch den härtesten Brocken erweichen lassen oder das luftige "Vade retro téléphone" (einfach unwiderstehlich!) bezeichnen. Den Rest aber irgendwie auch, denn beinah jedes Stück verursacht Glückshormone en masse, nur in „Les mots d'amour" und dem textlich zwar herausragenden aber musikalisch zu anspruchslosen “ Sac à main" gibt sich Bénabar etwas schwächer. Aber auch an diesen eher glatten Stücken kann auf Umwegen Gefallen gefunden werden.
„Les risques du métier" ist Bénabars bislang bestes Album und somit auch eins der gelungensten Alben der jüngeren französischen Popmusikgeschichte, hat Preise wie den “Victoire de la musique" völlig zu Recht erhalten und ist ein definitives Muss für Hörer, die Künstler wie Brassens oder Brel ... oder schlicht auch gutgemachte Popmusik aus Frankreich zu schätzen wissen.
Seit 20. Mai 2003 im Handel.
Anspieltipps: Monospace; Dis lui oui; Paresseuse; Je suis de celles; (etc...)
Trackliste: 1) Monospace; 2) Dis lui oui; 3) Paresseuse; 4) Je suis de celles; 5) Vade retro téléphone; 6) L'itinéraire; 7) Sac à main; 8) La station Mir; 9) La coquette; 10) Les mots d'amour; 11) Monsieur René; 12) Le Zoo de Vincennes
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Bio:
Bevor der am 16. Juni 1969 in Thiais (Île-de-France) geborene Bruno Nicolini seine Karriere als Musiker startete, begann er im Bereich des Films zu arbeiten. Er schrieb während der späten 80er und frühen 90er Dialoge, Drehbücher und drehte Kurzfilme. 1997 veröffentlichte er zusammen mit seinen "associés" sein eigentlich erstes Album. Wirkliche Aufmerksamkeit wurde Bénabar dann mit dem 2001 erschienenen selbstbetitelten Album zuteil, auf welchem unter anderem Hits wie das mitreissende "Y a une fille qu'habite chez moi" zu hören waren . Der ansatzweise jazzig instrumentiere Mix (Instrumente wie das Akkordeon, das Banjo, die Trompete oder der Kontrabass gehören bei Bénabar oft dazu) begeisterte Musikhörer wie auch Kritiker und brachte Bénabar 2004, nachdem er das Album, dem die Lobhudelei oben gewidmet ist, veröffentlichte, gar den "Prix du meilleur album de chansons / variétés" der "Victoires de la musique" ein. Mit seinem jüngsten Album "Reprise des négociations" gab sich der Franzose noch etwas vielseitiger, allerdings enttäuscht das Album über weite Strecken. Momentan befindet sich Bénabar noch bis November dieses Jahres auf Tour.