Das Meisterwerk „I See a Darkness” schloss mit den Worten „Oh it don't rain anymore / I go outdoors / Where it's fun to be.” Diese Gefühle waren nach dem haftenden Trip zwischen Tod und tiefer Trauer in ihrer Einfachheit überraschend, aber durchaus nachvollziehbar. Ein Beweis, dass man für die innere Zerrissenheit nie genug Worte finden kann, aber für die positiven Aspekte und Momente im Leben stets zu denselben Bezeichnungen greift.
„May It Always Be“ ist zum Auftakt genau das: ein wundervoller Lovesong, den man dem bärtigen Barden (damals) nicht zugetraut hätte. Ganz herzig lobt er die Liebe und gibt obendrauf noch ein Gitarrensolo zum Besten. Alles ist gut, zu gut. Auf dem zweiten Song „Careless Love“ singt und ringt Oldham ohne instrumentale Begleitung „I say sorry / I say bye bye / I say miss you / I say cry cry“ und zeigt die brutale Realität auf. Dies ist der eigentliche Beginn von „Ease Down the Road“, einer Reise, die von reichlich Gewalt und Sex gezäumt ist.
„A King at Night“ beschreibt die unmittelbare Umgebung der rastlosen Figur Bonnie “Prince“ Billy in seiner neuen und wiedergewonnenen Welt. Der kleine Mikrokosmos dient als Königreich mit all seinen Vorzügen und der konstanten Einsamkeit. Wie König Drosselbart lässt er sich auf die Menschen ein und entdeckt darin seine eigene Verletzlichkeit.
Begleitet wird er auf seinem Road Trip von verschiedenen Künstlern wie Bruder Ned Oldham (The Anomoanon), David Pajo (u.a. Smashing Pumpkins, Slint), Matt Sweeney (Chavez), die in den einzelnen Episoden ins Rampenlicht rücken. Da schreit einer mal „You fuck“ aus dem Hintergrund, eine Duettpartnerin übernimmt im unglaublich knisternden „After I Made Love to You“ (was für ein Song!) eine Strophe und als ganze Kombo singt man den verhältnismässig lupfigen Gassenhauer „Just to See My Holly Home“. Jeder Wegelagerer und jeder Song bestimmt im Bereich Country eine andere Richtung, als würde man nur dann vorwärts kommen, wenn man sich im Kreis dreht.
Symbolisch ist natürlich der Titeltrack, auf der eine Autofahrt durch die Weite des Landes der Anfang einer Verführung, einer Affäre und eines (versuchten?) Mordes ist. In dieser Stimmung verpasst Oldham dem Song eine unglaubliche Leichtigkeit, indem der Refrain gemütlich aus „Dududu“ besteht, das Banjo alles verharmlost und er auf das Ende hin mit präzisesten Worten davon berichtet „I stopped the car we got a beer / And then eased down the road / A little guilt, and some guilt spilt / And added to our load“.
Grosse Kunst ist auch der Schluss: „Grand Dark Feeling of Emptiness“ ist der traurigste Song auf Erden, “Rich Wife Full of Happiness“ geht in Pornographie über. Vereint werden die beiden Songs durch ein lustiges Keyboard. Wie soviel im Leben.
Seit 3. April 2001 im Handel.
Anspieltipps: A King at Night, Just to See My Holly Home, After I Made Love to You, Ease Down the Road, Grand Dark Feeling of Emptiness
Trackliste: 1) May It Always Be; 2) Careless Love; 3) A King At Night; 4) Just To See My Holly Home; 5) At Break Of Day; 6) After I Made Love To You; 7) Ease Down The Road; 8) The Lion Lair; 9) Mrs William; 10) Sheep; 11) Grand Dark Feeling Of Emptiness; 12) Rich Wife Full Of Happiness
similar artists: Palace (Brothers),
Smog, David Pajo,
Damien Jurado,
Cat Power,
Herman Düne,
Silver Jews,
Songs: Ohia, Castanets, Calexico, Sodastream,
Bright Eyes
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Bio:
Als hoffnungsvoller Schauspieler startet der 1970 in Kentucky geborene Will Oldham seine Karriere. Durch viel Selbstzweifel gezeichnet, hängt er die Schauspielerei an den Nagel, und beginnt mit seinem Bruder Paul Oldham (heute hauptsächlich Produzent) zu musizieren. Nach Palace (Brother, Songs, Music) findet er 1999 sein neues Ich als Bonnie “Prince” Billy. Der Titeltrack vom Debutalbum “I See A Darkness” wird sogar von Johnny Cash gecovert. Schnell steigt er zu einem grossen Förderer von neuen Künstlern auf (
Joanna Newsom, Faun Fables) und veröffentlicht neben zahlreichen interessanten Nebenprojekten (u.a. mit
Tortoise,
Matt Sweeney) alle zwei Jahre einen weiteren Teil seines Prinzendaseins. Mittlerweile spielt auch wieder in Filmen (empfehlenswert: Old Joy) und versucht sich als Komödiant(!). Anfang 2008 erscheint mit “Wilding In The West” eine Fortsetzung der Liveplatte “Summer In The Southeast”.
Diskographie:
> I See a Darkness (1999)
> Ease Down the Road (2001)
> Master And Everyone (2003)
> Sings Greatest Palace Music (2004)
> Summer in the Southeast (2005)
> The Letting Go (2006)
> Ask Forgiveness EP (2007)
> Wilding in the West (2008)