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Godspeed You! Black Emperor – Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas to Heaven

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von Michael Messerli am Samstag, 25. Juli 2009 in ältere Schmuckstücke   

Genre: Postrock  |  Label: Constellation/Kranky

Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas To HeavenApokalypse Now!
Bei Godspeed You! Black Emperor ist jedes Adjektiv zu viel – und doch zu wenig. Wohin mit den Fäusten? Gen Himmel. Grenzen? Keine! Vier Songs und ein Dutzend Stimmungen.

„Storm“. Schon fast klassisch baut das Kollektiv aus Montreal die ersten sechs Minuten von „Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas to Heaven“ auf. Mit dem gleichnamigen Part. Sanft wächst die grosse Melodie zu einem geordneten Chaos aus verschiedensten Instrumenten. Es folgt der Übergang zu „Gathering Storm“. Ein langgezogenes Stück Postrock. Plötzlich der bedrohliche Bruch. Wie kurz vor der gruseligen Schlüsselszene. Danach ein monotoner Perkussionspart mit mindestens zwei Schlagzeugen. Eine verstörende Sequenz später – irgendeine Supermarktstimme spricht inmitten von Verkehrsgeräuschen –, wird man von einer wunderschönen, todtraurigen Klaviermelodie in die tiefsten Abgründe gezogen („Cancer Towers on Holy Road Hi-way“). Ein erster beklemmender Höhepunkt.

„Static“. Elektrische Spannung liegt in der Luft („Terrible Canyons of Static“). Das hier könnte auch von Pink Floyd sein. Etwas wie Flügelschläge durchkreuzt die Atmosphäre. Man kann kaum von Musik sprechen, hier wird eine viel tiefere Ebene angesprochen – wunderbar wie das gelingt. Alles braucht seine Zeit. Störgeräusche leiten über zum Part „Chart #3“. Ein scheinbar sehr beseelter Mann erzählt mit seltsamer Hingabe von Begegnungen mit Gott. Wie ein Priester predigt er missionarisch eine Art Erlösung. Mit einer ersten konkreten politischen Andeutung im Titel („World Police and Friendly Fire“), brechen die Kanadier das erste Mal etwas aus, simulieren mit der Gitarre eine Art Sirene. Als Kontrast dazu ist ein Glockenspiel zu hören. Ein Hauch von Noise legt sich über die mantraartigen Akkorde, woraus ein Groovepart mit dominantem Basslauf entsteht. Ein weiterer Höhepunkt, der gegen Ende beschleunigt und sich endgültig überschlägt.

„Sleep“. Ein alter Mann (Murray Ostril) beschreibt seine Heimat wie sie früher war. „They Don’t Sleep Anymore on the Beach“. Wehmut liegt in seiner Stimme. “Monheim” beginnt mit Geigen und einer Gitarre, die wie eine singende Säge klingt. Zuerst einschläfernd, kommt es zu einem fast konventionellen Höhenflug. Stellenweise wird es so laut wie bisher kaum einmal. Hier braucht es Geduld. Die Spannung fällt in sich zusammen, Gitarrenseiten werden nach unten gestimmt. Unscheinbar reiht sich „Broken Windows, Locks of Love pt. III / 3rd Part“ ein. Eine Gitarrenmelodie mit Glockenspiel. Als würde sich der Himmel auftun, bricht plötzlich Licht über die Szenerie herein, Blasinstrumente sind zu hören. Wie Fanfaren leiten sie einen nach oben. Ein berührender und grooviger Schluss. Grandios!

„Antennas to Heaven“. Wieder ein schräger Einstieg: Moya singt “Baby-o”. Die Aufnahme klingt wie auf einer zu oft überspielten Kassette. Ein kurzes mit Effekten beladenes Glockenspiel-Duett leitet zu frankokanadischen Kindern über, die ohne Ordnung etwas singen („Attention, mon ami, fa-lala-lala-la-la“). Mit feinfühligen Melodien wird man hinters Licht geführt, bis ein genialer, aber viel zu kurzer Ausbruch einen erschreckt und beinahe überfährt. Schon wieder vorbei, bestimmen Windgeräusche das Geschehen. Der Kern von „She Dreamt She Was a Bulldozer, She Dreamt She Was Alone in an Empty Field“ erwacht langsam. Wie auf schwankender See läuft das Schiff behäbig aus, ein wenig betrunken klingt die Gitarre dank Flaschenhals. Ein „Deathkamp Drone“ winkt zum Abschied und die Antennen fahren versöhnlich aus. Die richtige Frequenz scheint gefunden, enorm verzerrt und irgendwie ausserirdisch klingen die letzten Botschaften. Sie sind nicht an diejenigen adressiert, die klare Worte brauchen. Für „Lift Yr. Skinny Fists...“ muss man bereit sein. Wer es ist, wird belohnt. Und zwar reichlich.

Seit 2000 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Godspeed You! Black Emperor
Anspieltipps:
> Storm

Diskographie:
> All Lights Fucked on the Hairy Amp Drooling (1994)
> f # a # ∞ (1997)
> Lift Yr. Skinny Fists Like Antennas to Heaven (2000)
> Yanqui U.X.O. (2002)

Ähnliche Künstler:
> A Silver Mt. Zion
> Mono
> Mogwai
> Explosions In The Sky




» 1 Kommentar
1"Sleep"
am Montag, 1. Februar 2010 01:55von Desy
Hab das Album grad nochmal nach Jahren wiederentdeckt, es ist göttlich!! Sleep hat mir den Tag gerettet, scheiss auf sonntägliche transzendentale Obdachlosigkeit :))
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