Label: Interscope Records
Lock me away, I'm not insane
Ein
19-jähriger englischer Teenager veröffentlicht 2002 sein Debütalbum
"Open Heart Zoo" und überrascht damit sämtliche Musikkritiker. Was der
Bursche für seine jungen Jahre hervorgebracht hat, ist an Innovation
nicht zu überbieten und grenzt an ein musikalisches Wunder.
Mit 12 Jahren habe er sich seine erste CD, "The Bends" von Radiohead, gekauft und fortan sei seine Bestimmung für ihn klar gewesen: Musik machen. (Anm. der Redaktion: Ein weiterer Grund, Radiohead zu huldigen...) Fünf Jahre später hat sich Martin Grech mit Erfolgsproduzent Andy Ross zusammengetan und 11 Stücke aufgenommen, die die Gehörgänge nicht verlassen, wenn sie sich einmal eingeschlichen haben.
Der Opener beginnt mit einem wummernden, kratzenden Beat, der von einer Cyber-Rock-Gitarre unterstützt wird und steigert sich im Laufe der Spielzeit zu einem Metal-Stück. Auf "Here it comes" folgt der eindringliche Titeltrack, der einigen wohl aus der Lexus-Werbung bekannt sein dürfte. Eingestimmt wird mit einem schwelgenden Piano, dem traurige Streicher hinzugefügt werden und damit die wehklagende Stimme Grechs bestens unterstützen. Ist der zweite Track um einiges ruhiger als der erste, verfällt der dritte wieder in harte Metal-Riffs, die von scheinbar ziellos eingestreuten Schreien unterstützt werden. Nach kurzer Weile jedoch werden diese ausgeblendet und bloss ein dumpfer Beat übernimmt zusammen mit Martin Grechs Stimme die Hauptrolle, bevor der Song wieder in puren Wahnsinn verfällt. Mit dem abrupten Wechsel von ruhig und wild spielt Martin Grech das ganze Album über und jede Sekunde bleibt somit eine Wundertüte.
Martin Grechs Songs zeugen von grosser Melancholie, Trauer und Pathos, doch Grech schafft es, dass die Songs nie zu "sentimental rubbish" mutieren oder die Grenze zum Lächerlichen überschritten wird. Nicht nur die vielschichtigen, faszinierenden Arrangements, sondern auch die verworrenen Texte sind überaus hörenswert: "Bite down on cables. And choke on the wires. Crowded headroom. Lock me away. I'm not insane. A feeding frenzy. A box for my appetite. Strobe my vision. Lock me away. I'm not insane. It's me again." Martin Grech singt vornehmlich über Tod, Krankheit, Verlust und bringt seine Botschaften mit solch einer Eindringlichkeit rüber, dass es einen erschaudern lässt. Es ist offensichtlich, dass Grech seine Art zu singen von Thom Yorke übernommen hat, doch es darf leise behauptet werden, dass er den Radiohead-Frontmann um einige Vielfalt überbietet, erreicht seine Stimme doch Höhen, die Scheiben zerspringen lassen könnten.
"Open Heart Zoo" ist für all jene geeignet, die wehklagender, ausdrucksstarker Elektro-Rock mögen und eine variationsstarke Stimme sowie dunkle Lyrics schätzen. Martin Grech vermag mit seinem Debütalbum einige seiner Kommilitonen in den Schatten zu stellen, selbst solche, die seit Jahren im Musikgeschäft mitmischen. Wenn man bedenkt, wie jung der gute Mensch noch ist, sieht der Himmel am Musikhorizont gleich heller aus, denn weitere Geniestreiche werden mit Sicherheit folgen. Der nächste soll noch in diesem Jahr erscheinen.
Martin Grech wurde 1982 geboren und wuchs im kleinen Aylesbury ausserhalb von London auf. Als Junge hatte er sich für Musik nur mässig interessiert, bis er mit 12 Jahren "The Bends" von Radiohead kaufte. Eine Gitarre und ein Akkordbuch mussten her und Martin verschanzte sich immer öfters in seinem Zimmer, um Songs zu schreiben. Die Wende kam, als er mit 16 Jahren dem Produzenten Andy Ross vorgestellt wurde und fortan, obwohl er immer noch in der Schule war, nach London reiste, um in dessen Studio Demos aufzunehmen. Nach drei Jahren konzentrierter Zusammenarbeit wurde sein Debütalbum "Open Heart Zoo" veröffentlicht, das unter Kritikern auf grosses Interesse stiess, kommerziellem Erfolg aber fern blieb. Das sehnlichst erwartete zweite Album soll noch in diesem Jahr folgen.
Diskographie:
> Open Heart Zoo (2002)
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