Die Platte, die Michael Jackson vom Thron der US-Album-Charts schubste. Die Platte, die den Nerv einer ganzen Generation traf. Und die Platte, die Cobain in ungeahnte Höhen katapultierte. “Nevermind“: die Wurzel allen Übels.
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1990: Nirvana back im Studio, unter dem Arbeitstitel “Sheep“ spielt man neue Songs ein. Chad Channing verlässt die Band, Dan Peters von Mudhoney und Dale Crover springen ein, Dave Grohl (damals bei Scream) wird schliesslich neuer Drummer. Ein Jahr später folgen Nirvana ihren Förderer Sonic Youth und unterschreiben bei Geffen. Im Mai und Juni entsteht “Nevermind“. Butch Vig fungiert als Produzent, Andy Wallace (der vorher mit Slayer zusammen arbeitete) mischt die Songs ab und Kurt Cobain trifft eine Frau, die sein Leben verändern sollte – Courtney Love.
“Nevermind“ war das Album, das Michael Jackson vom Thron der amerikanischen Album-Charts schubste. Aalglatter in Gitarrenrock verpackter Pop, wie ihn die Masse bis anhin nicht kannte. Die erste Single “Smells like Teen Spirit“ (deren Titel sich auf ein gleichnamiges Deodorant bezieht) wird schnell von Radiostationen und MTV entdeckt und rauf und runter gespielt. Für Cobain, der später sagt, er habe mit dem Lied den grössten Pop-Song aller Zeiten schreiben wollen, aber in Wirklichkeit einfach nur die Pixies kopiert, wurde die Nummer schnell zur Last. Am Ende spielte sie Nirvana nicht mehr, aber wie schon gesagt, alles schön der Reihe nach.
In “Bloom“ nehmen Nirvana amerikanische Rockprogramme wie Hullaballoo auf den Arm. “Come as you are“, die legendäre Textzeile, „I don't have a gun.“ Wirklich? “Breed“ (das zuerst “Imodium“ hiess) strotzt nur so von kraftvollen Riffs. Religionsgeflüster in “Lithium“, von Cobains Aufenthalt in der christlichen Familie eines Freundes inspiriert, die ihm nach der Scheidung seiner Eltern Unterschlupf gab. “Polly“, das im Schaffensprozess zu Bleach entstand, neben “Something in the Way“ der eingänglichste Nevermind-Song. Cobain singt über die Vergewaltigung eines Mädchens, das 1987 nach einem Punkkonzert in Tacoma gefoltert und misshandelt wurde. Schon wieder, based on a true story, wie so vieles von Nirvana. Vier Jahre danach das gleiche Verbrechen, die Täter singen dabei “Polly“ – Cobain verarbeitet es später auf “Incesticide“. In “Territorial Pissings“ lebt er seine Alien-Kinderfantasien aus und “Drain“ spielt mit seiner Obsession für Körperflüssigkeiten und Babys. Ewww. “Lounge Act“ sinniert über Beziehungen, “Stay Away“ besingt die Irrwege des Rock'n'Rolls. “On a plain“, totaler Wirrwarr (“what the hell am I trying to say?“) und “Endless, Nameless“, pures Chaos.
Es mag ja sein, dass Eddie Vedder die bessere Stimme und die Smashing Pumpkins das ansprechendere Songwriting hatten. Soundgarden, Alice In Chains und Mudhoney? Vom Sound her wegweisender. Und überhaupt, artverwandte Musik gab es schon vorher. Trotzdem: Nirvana heimsten nicht nur den kommerziellen Erfolg ein (der Gruppen wie Pixies, Replacements, Screaming Trees, Pearl Jam, Vaselines, Meat Puppets und Huesker Due vorerst verwehrt blieb) sondern trafen mit Teen Spirit auch den Nerv einer ganzen, verlorenen Generation. Der kommende Mainstream? Nachhaltig verändert. Nach Nevermind war klar: Die 80er sind definitiv zu Ende, Glam-Metal war ausgelaugt, Synthpop bye bye. Nirvana ganz oben, Cobain zu Lebzeiten schon Kult – und sein Untergang nahm unaufhaltsam seinen Lauf...
Seit September 1991 im Handel.
> Hören und Kaufen > Label
Anspieltipps:
> Polly
> Something In The Way
> Come As You Are
Diskographie:
> Love Buzz / Big Cheese (1988)
> Bleach (1989)
> Blew (1989)
> Sliver / Dive (1990)
> Molly’s Lips / Candy (1991)
> Here She Comes Now / Venus in Furs (1991)
> Smells Like Teen Spirit (1991)
> Nevermind (1991)
> Come as You Are (1992)
> Lithium (1992)
> Hormoaning (1992)
> In Bloom (1992)
> Incesticide (1992)
> Oh, the Guilt / Puss (1993)
> In Utero (1993)
> Heart-Shaped Box (1993)
> All Apologies / Rape Me (1993)
> MTV Unplugged in New York (1994)
> Pennyroyal Tea (1994)
> Singles (1995)
> From the Muddy Banks of the Wishkah (1996)
> Nirvana (2002)
> With The Lights Out (2004)
> Sliver: The best-of box (2005)
Ähnliche Künstler:
> Mudhoney
> Meat Puppets
> Butthole Surfers