Genre: Zeitlupenpop | Label: Glitterhouse Records
Schwebelebewesen
Keinesfalls stressen: nicht nur mein, sondern höchstwahrscheinlich auch
das Lebensmotto dieser englischen Band. Langsamkeit als Haupt-,
traurige Schönheit als Nebeneffekt. Diese Musik muss im Augenblick
meines Todes laufen.
Menschen ohne Einschlafprobleme sollten beim schlafen gehen dieses Wunderteil keinesfalls anhören; sie schliefen ein, bevor sie überhaupt im Bett lägen und würden das Beste verpassen: diese CD. Es gibt (und da bestehe ich drauf) nichts auf der Welt, was ultimative Ruhe, wunderbare, ja paradiesische Schönheit sowie herzerweichende Traurigkeit dermassen perfekt vereint wie Savoy Grand dies auf ’’People and what they want’’ tun. Meditations-Gurus und Nacktschnecken können genauso wie Schlaftabletten die Koffer packen und weit weg verreisen. Auch der allerböseste Bombenattentäter bricht nach dem ersten Takt in Tränen aus und möchte die Welt nur noch umarmen. Weltfrieden in Plattenform oder die endgültige Verabschiedung von sämtlicher Hektik. Man kommt sich 67 Minuten, bzw. 8 unendliche Stücke lang vor wie ein langsames Schwebelebewesen, welches auf seinem endlosen Trip durchs nirgendwo sein Ziel, das Garnichts, erreicht. Ein scheintodähnlicher, nüchterner Drogentrip, der Puls rast mit ganzen 2 Schlägen pro Stunde. Diese unbeschreibliche Gemütlichkeit hegt jedoch auch ihre Gefahren: Im öffentlichen Alltag per Kopfhörer konsumiert führt sie tatsächlich zu massiven Verspätungen, komischen Blicken von Passanten wegen enorm schleichendem Gang, abwesendem Gesichtsausdruck begleitet von andauerndem Kiffergrinsen, Hupkonzerten der jeweils hinter einem fahrenden Verkehrsteilnehmer, da alles über 3km/h als Raserei erscheint. Vor lauter schwärmender Vergleicherei vergass ich nun doch beinahe zu sagen, was überhaupt gespielt wird: Allerfeinst angeschlagene Gitarrenakkorde und wunderschöne Pianomelodien begleitet von einem angesichts der gebotenen Langsamkeit extrem schwierig zu spielenden Schlagzeug und einem genauso scheu gezupften Bass. In ’’change is an engine’’ und ’’last word before sleep’’ spielt noch eine kleine Violine mit, die einem endgültig zum schluchzen bringt. Graham Langley singt dazu traurig-müde Melodien mit unwahrscheinlich zarter, beruhigender Stimme. Okee, ganz krasse Typen nennen diese Musik vielleicht Weicheierscheiss, ich als bekennendes Weichei sehe darin einen Weg, sonst als unangenehm empfundene Primäremotionen wie Trauer, Wut oder Hass seriös zu erleben, mit ihnen umzugehen oder sie auszudrücken, ohne dafür unangebrachte und sowieso nicht auffindbare Worte zu verschwenden.
Seit 28.2.2005 im Handel
Anspieltipps: Took; Change Is An Engine; It Fell Apart; Last Word Before Sleep; Ending Up;
Trackliste: 1.) Took; 2.) Change Is An Engine; 3.) It Fell Apart; 4.) Last Word Before Sleep; 5.) Ending Up; 6.) I Have The Answers; 7.) Spike; 8) Recovery Positions
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Sigur Rós
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Bio:
Die Band setzte sich zu Beginn, also etwa im Jahre 2000, aus Sänger und Gitarrist Graham Langley, Bassist Oliver Mayne, Percussionist Kirean O’Riordan und Pianist Ian Sutton zusammen, die alle nicht nur aus komplett verschiedenen musikalischen Milieus (von FreeJazz bis BigBand) sondern auch aus etwa sämtlichen englischen Grossstädten (Nottingham, Birmingham, Leicester) stammten. Texter Graham lebte zwischenzeitlich in London, was ihm jedoch nicht recht passte, da die Organisation rund ums Bandleben aufgrund der unterschiedlichen Wohnorte ziemlich mühsam war. Zwischenzeitlich sind von der alten Formation nur noch Graham und O’Riordan in der Band, die anderen Mitglieder wurden durch Neil Wells, Neil Johnson und Mark Simms ersetzt.
Diskografie:
> Dirty Pillows (2001)
> Burn the furniture (2002)
> Lost Horizon EP (2004)
> People and what they want (2005)