News und Infos
Newsletter
NewsletterAbonniere unseren kostenlosen Newsletter und bleibe so immer auf dem Laufenden.






RSS-Feed
Der RSS-Feed von ::exit.music::
Abonniere unseren RSS-Feed!
Login / Registrierung

Partner

Advertisement
Playlist: Paul Klur
Paul Klur







MONO
Holy Ground: NYC Live
The Antlers
Cold War EP
Omega Massif/Mount Logan
Split
Shearwater
The Golden Archipelago
The Hirsch Effekt
Holon : Hiberno

[Playlist Archiv]
Zukunftsmusik
14.2
Islands - A Sleep & a Forgetting
Field Music – Plumb
Shearwater – Animal Joy
Mouse on Mars – Parastrophics
Hellsongs – Long Live Lounge
Mount Washington - s/t
alles lesen
exitmusic.ch on Facebook

The Cure – Faith

Drucken E-Mail
von Michael Rothen am Mittwoch, 12. April 2006 in ältere Schmuckstücke   

Genre: Goth, Wave (Post Punk)  |  Label: Fiction Records (Universal Music)

The Cure – Faith“...we wanted the songs to be funereal but passionate…” (Robert Smith)
Wie auch immer das hätte klingen sollen. „Faith“ – die textliche Auseinandersetzung über den Glauben an und für sich – malt intensive, erschütternde, klaustrophobische Soundkulissen, wie sie noch nie zuvor zu hören waren. Morbid, düster, beinahe religiös...

Im Herbst 1980, vor Inangriffnahme der Aufnahmen zu „Faith“, befand sich The Cure – nach einer missglückten Australien-Tour – an einem ihrer Tiefstpunkte, welchen sie einige Zeit später, Mitte 1982 nach Abschluss der Pornography-Tour – noch unterschreiten würden.
Matthieu Hartley sah sich nach der Rückkehr von Australien nicht mehr länger im Stande, als Keyboarder bei The Cure mitzuwirken, womit die Band vom Quartett zum Trio schrumpfte. Leicht desillusioniert mussten/wollten/sollten The Cure trotz alledem den Nachfolger zu „Seventeen Seconds“ (1980) Gestalt annehmen lassen.
Die ersten Demo-Sessions Ende September 1980 sprachen jedoch eine grundlegend andere Sprache, wie sich Robert Smith erinnert: „...the demos were far from right...; ...the versions were somehow lacklustre...“
Erschwerend hinzu kam der Umstand, dass Mastermind Smith das Album im Kopf bereits deutlich beisammen hatte, doch die praktische Umsetzung die gedanklich gespeicherten Vorstellungen verfehlten. Die weiteren Sessions im Februar 1981 unterstrichen dies deutlich. Weitere Gründe – nebst den vorgenannten bandinternen – lagen in den Tribut zollenden Zinsen der Bewusstseins erweiternden Kapitaleinwürfen vergangener Monate.
Rückblickend konstatiert ein doch zufriedener Smith: „I love the album, even though at the time I wasn’t really sure we’d made it quite right. It probably wasn’t as extreme as I’d hoped it would be, and I felt we’d maybe pulled back from the edge too soon.”
Allen negativen Vorzeichen und schlechten Kritiken zum Trotz schaffte das Album bereits zwei Wochen nach Veröffentlichung im April 1981 den Chartseintritt (Höchstplatzierung Platz 14) und erbrachte The Cure die bisherige Höchstplatzierung.

#1 The Holy Hour
Düster, ganz ganz düster wird’s zu Beginn von „Faith“. Der charakterstarke Flanger-Basslauf von Simon Gallup, der stoische Beat von Lol Tolhurst – untermalt von kaum Gutes verheissendem Kirchturmglockengeläut und Tonanhaltkeyboard –, die sich aus der weiten Tiefe langsam aber sicher heran schrammelnde Gitarre sowie der weinerlich durchdringende Gesang von Rober Smith erschaffen innert Kürze eine wohlige, andererseits beklemmende Atmosphäre. Das simple, doch effektvolle Riffing wird schliesslich über die gesamte Songdauer strikte durchgezogen, wobei die unterdessen noch weniger Gutes verheissenden letzten drei Glockenschläge einen würdigen Abschluss ergeben.

#2 Primary
Der mittels zwei E-Bässen und einem Baritone-Bass eingespielte, gegenläufige 16tel-Grundtrack liefert das solide Fundament des nach vorne strebenden und fast schon poppigen Single-Hits vorliegender Platte. Der Album untypischste und gleichzeitig erfolgreichste Cure-Song zu dieser Zeit. Kann es so eigentlich nur bei The Cure geben.

#3 Other Voices
„Other Voices“ knüpft dann strukturell gesehen wieder eher am Openingtrack an: Der charakteristische Basslauf (übrigens interessante und effekterhaschende Kanalaufteilung des allenfalls zweifach eingespielten redundanten Basslicks), der gleichförmige Beat von A bis Z und der jammernde, gleichzeitig klimpernde Smith lassen nach vorgängigem Wirbelsturm wieder in die Tiefen der cure’schen Gedankenwelt eintauchen. Ich beliebe ab hier das Zimmer zu verdunkeln.

#4 All Cats Are Grey
Percussives Drumming und ein fein gewobener Keyboardteppich saugen einen langsam und bestimmt in sich auf. „All Cats Are Grey“ löst in mir auf der Stelle eine Art Autogenes-Training-Gefühl aus. Alle Glieder werden schwer und exakt ab hier schaffe ich es kaum noch, die Stereoanlage ausser Betrieb zu nehmen. Lasse ich mich also mit diesem Lied ein, so finde ich mich eigentlich erst wieder, wenn die Songzeile „...I went away alone with nothing left but faith...“ des Schlusstracks „Faith“ erklingt. Und das ist für mich mitunter etwas absolut faszinierendes an diesem Album.

#5 The Funereal Party
Ein hymnenhafter und schwer lastender Song. Die absolut logische Fortsetzung nach „All Cats Are Grey“. Mein persönliches Koma hält an, resp. erleidet nachhaltige Schwere. Textlich möchte ich allgemein keine allzu grossen Deutungen wagen; es höre/lese ein(e) jede(r) heraus, was ihr/ihm stimmig scheint.

#6 Doubt
Bei „Doubt“ wage ich nun aber doch zu deuten, dass es sich hierbei möglicherweise um die Vertonung des inneren Twists bezüglich Zweifel/Glaube handeln könnte. Der Song beschreibt in jedem Falle eine jähe Zäsur. Nach dem komatösen Zustand während voriger Tracks will „Doubt“ vor allem Herausschreien und dies schieftonal – eigentlich nicht unpassend, dass die Aufnahme auf dem linken Kanal zeitweise leicht übersteuert. Stümperhafte, böse Zungen beliebten bei Veröffentlichung zu behaupten, dass „Primary“ und „Doubt“ einfach nur schnelle Versionen von den übrigen Songs auf „Faith“ darstellten.

#7 The Drowning Man
Ein Song in Form des tiefst möglichen Abgrundes, ähnliches, resp. tiefergehendes habe ich seit Konsum dieses Songs nie wieder zu Ohren bekommen (auch von The Cure nicht). Ich verspüre akute Atemnot ob Textzeilen wie: „...you leave me breathing like the drowning man...“. Back to coma, nur eben um Weiten tiefer – beinahe endgültig. Was Smiths Gesang, der links/rechts sich ergänzend ineinander schmilzt, hier offenbart ist eben schwärzer denn das schwärzeste Loch. Die zweistimmige Gitarrenarbeit, untermauert durch den stets dagegen pulsierenden Bass und der erneut percussive, zusätzlich mit Echoeffekt überlagerte Rhythmus lassen einen verlieren – jeglichen Halt, Grund und Boden! Fühlt sich an wie eine tiefe Müdigkeit, eine wohlige Wärme, eine Rückkehr die es nie geben wird, ein Dasein, was nie war.
Zu den Gesangsaufnahmen für „The Drowning Man“ mag sich Smith an folgende Begebenheit erinnern: „I remember trying to sing „The Drowning Man“, and I was waiting for the vocals to start, forgetting that I was the singer…”!

#8 Faith
Der Titeltrack mit seinen wunderbaren, verzogenen Einzählstöcken. Nur schon diese drei Sekunden strahlen aus, was in den weiteren knapp sieben Minuten Offenbarung wird: Hoffnungsvolle Hoffnungslosigkeit. Ein ruhiger, Schritt für Schritt nach vorne gleitender Dramatizer. Keine schiere „nur“ verschriene Dramatik, eher eine lyrische Dramaturgie, vertont, um verstanden zu werden und Unverständnis zu produzieren; denn wie, um alles in der Welt, hat man Aussagen wie „...there’s nothing left but faith...“ zu deuten?
Ich denke das bleibt offen; zu hoffen.


Seit 14. April 1981 im Handel.

Anspieltipps:
nur das Gesamtwerk – und zwar exakt von vorne bis hinten: Random Play Strictly Prohibited!!!
Trackliste: 1) The Holy Hour; 2) Primary; 3) Other Voices; 4) All Cats Are Grey; 5) The Funeral Party; 6) Doubt; 7) The Drowning Man; 8) Faith
similar artists: Siouxsie And The Banshees, Joy Division, Sisters Of Mercy

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb

Bio:
Es war 1976 in Crawley, Sussex – inmitten der Blütezeit des englischen Punks – als die siebzehnjährigen Studenten und Schulfreunde Robert Smith (Gesang und Gitarre), Michael Dempsey (Bass), Laurence „Lol“ Tolhurst (Schlagzeug) und Porl Thompson (Gitarre) die Band Easy Cure formierten. Schon von Beginn weg begannen sie ihre eigenen Songs zu schreiben. Bereits 1977 auditionierten sie für Hansa Records und ergatterten einen Vertrag – dotiert mit £ 1'000.--.
Doch bereits ein Jahr später, als Hansa Records und Easy Cure sich nicht über die künftige Ausrichtung der Band einig wurden, unterschrieb die schlicht in The Cure umbenannte und zum Trio geschrumpfte Mannschaft (ohne Porl Thompson) einen Vertrag beim jüngst gegründeten Label Fiction Records des ehemaligen Polydor A&R Chris Parry. Die ersten Aufnahmen für Fiction Records – darunter das Stück „Do The Hansa“, gedacht als Seitenhieb gegen Hansa Records, blieben vorerst unveröffentlicht.
Die erste Single der heutigen Kultband The Cure – „Killing An Arab“ – erschien schliesslich in 1978 und löste ob des Titels heftigste Kontroversen bzgl. Rassismusverdacht aus. Der Songtext, welcher seitens Smith in Anlehnung an den Roman „The Stranger“ des französischen Existentialisten Albert Camus entstand, war fern ab einer rassistischen Haltung, doch das erforderliche Verständnis/Feingespür hierfür war seitens Musikpresse nicht vorhanden. Später wurde die Single nur noch mit Anti-Rassismus-Aufkleber vertrieben.
1979 war das Jahr der ersten Full-Length-Veröffentlichung von The Cure. Das Album „Three Imaginary Boys“ entstand während den Aufnahmepausen der Band The Jam, welche gerade an „All Mod Cons“ arbeiteten. D.h. um 22:00, nachdem The Jam das Studio verliessen, schlichen sich The Cure ein und spielten während fünf Nächten die Songs mehrfach Live ein, um später eine Auswahl treffen zu können (unter Benützung des The Jam Drum-Kits!!!). Das Resultat kommentiert Smith heute folgendermassen: „..the icy veneer imposed by Chris Parry gave the record a distinctive character, ’cause it didn’t sound like anybody else at the time. It had a very stark quality to it, and as first albums go, I figured it was pretty good; it just wasn’t the noise I really wanted to make.”
Weniger in Ordnung für Smith war die Welt, als er zum ersten Mal die zugehörige Album-Graphik in Form der fertigen Platte (zugestellt per Post!?) zu sehen bekam. Mit Staubsauger, Ständerleuchte und Kühlschrank konnte er sich weiss Gott nicht identifizieren. Für Mastermind Smith war klar, dass er fortan niemanden mehr Entscheidungen treffen lassen würde, welche etwelche Belange der Band betrafen. So sah er sich, gereift um die Erfahrung des Debutalbums, gezwungen, spätestens ab „Seventeen Seconds“ die komplette Entscheidungsgewalt inne zu behalten. Er nennt heute die Entstehung und den Release des Albums „Seventeen Seconds“ in 1980 (neu mit Simon Gallup am Bass) als eigentlichen Startpunkt von The Cure. Die nachfolgende Erfolgsgeschichte der heute allseits bekannten Gruppe wird von diversen Zerreisproben begleitet (nach dem letzten Konzert der Pornography-Tour am 11. Juni 1982 verlässt Simon Gallup die Band). Smith und Tolhurst arbeiten fortan eher projektspezifisch und veröffentlichen nach den dunkeln LPs „Faith“ (1981) und „Pornography“ (1982) sehr poppige!!! und gleichzeitig überaus erfolgreiche Singles wie „Let’s Go To Bed“ (1982), „The Walk“ (1983) und „Lovecats“ (1983). Ferner scheint Smith von seinem Gitarristen-Posten innerhalb Siouxsie And The Banshees derart angetan, dass umgehend die mediale Gerüchteküche zu brodeln beginnt. Das Album „The Top“ (1984) erarbeitet Smith beinahe beiläufig und im Alleingang, während dem er zusätzlich in die Siouxsie And The Banshees-Produktion „Hyaene“ involviert ist.
1985 kehrt Simon Gallup wieder zu The Cure zurück, womit die Ära Smith – Tolhurst – Thompson (war bei Easy Cure schon dabei) – Gallup und Williams (Ex-Thompson Twins) eingeläutet wurde, welche ihr tragisches Ende im Frühjahr 1989 findet, als ein Zerwürfnis für die unwiderrufliche Trennung (begleitet mit einem immensen Rechtsstreit) der Cure-Väter erster Stunde – Smith und Tolhurst – sorgte. Ab dann bis heute bleiben Smith und Gallup die Fixsterne im Cure-Line Up. Das Karussell dreht sich – obwohl die endgültige Auflösung von The Cure mit jedem neuen Release Tatsache zu werden droht, denn “Disintegration“ war bereits 1989...

The Cure – Faith
Diskographie:
> Three Imaginary Boys (1979)
> Boys Don’t Cry (USA 1980)
> Seventeen Seconds (1980)
> Faith (1981)
> Happily Ever After (Seventeen Seconds & Faith) (USA 1981)
> Pornography (1982)
> Japanese Whispers (1983)
> The Top (1984)
> Concert (1984)
> The Head On The Door (1985)
> Standing On A Beach/Staring At The Sea (1986)
> Kiss Me Kiss Me Kiss Me (1987)
> Disintegration (1989)
> Mixed Up (1990)
> Integration (USA 1990)
> Entreat (1990)
> Wish (1992)
> Show (1993)
> Paris (1993)
> Wild Mood Swings (1996)
> Galore (1997)
> Bloodflowers (2000)
> Greatest Hits (2001)
> The Cure (2004)
> Join The Dots: B-Sides and Rarities 1978-2001 (2004)

Quellennachweis: Erster Abschnitt des Textes auf Basis der Liner Notes aus „Faith – Deluxe Edition“
» 1 Kommentar
1"Dipl. Betriebswirt"
am Donnerstag, 18. Dezember 2008 21:25von Markus Wagner
Ich muß diesen Artikel von Michael Rothen über alles loben ! 
Sehr informativ - der beste, der im Internet über dieses Album zu finden ist
» Kommentar schreiben
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben.
Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
 
< Zurück   Weiter >