Wegweisend für die alternative Country-Musik: Das erste Album der
Flying Burrito Brothers darf in keiner Americana-Sammlung fehlen.
1969 war Country-Rock nicht mehr aus der amerikanischen Musiklandschaft wegzudenken. Die Genre-Grundsteine waren bereits gelegt und ein Jahr zuvor schenkten die Byrds dem Genre mit “Sweetheart Of The Rodeo“ sein erstes Meisterwerk. Sänger, Gitarrist und Pianist Gram Parsons verliess die Byrds kurz darauf und gründete mit dem Byrds-Bassisten Chris Hillman eine neue Band - um das Album aufzunehmen, das ihn definitiv zur Legende machen würde und dem er heute den Übernamen ’Father of country rock’ verdankt: “The Gilded Palace Of Sin“.
Gram Parsons mochte den Begriff ’Country-Rock’ allerdings nie und betrachtet man “The Gilded Palace of Sin“ als Ganzes, erscheint eine Einteilung in die alternative Country-Musik auch viel angebrachter. Parsons selbst nannte es mit Vorliebe ’Cosmic American Music’ – was er damit meinte, deutet sich bereits beim ersten Stück an (“Christine's Tune“ vereinte traditionelle Country-Elemente (Gesang, Gitarre) mit einer Rock'n'Roll-Attitüde (Rhythmus) auf zuvor ungehörte Weise) und wird im weiteren Verlauf immer evidenter. “Do Right Woman“ und “Dark End Of The Street“ sind R'n'B-Juwelen, die in Fassungen von Aretha Franklin und James Carr bereits zu begeistern wussten. Beide Stücke unterstreichen zum einen Gram Parsons stimmliches Können und zum anderen, dass Country und Soul viel näher beieinander liegen können als gemeinhin angenommen.
Parsons (stimmliches) Talent und die erwähnte musikalische Verwandschaft werden bei den beiden Herzstücken des Albums ein erneutes und definitives Mal bestätigt. Der ehrliche Einblick in ein zerrüttetes Seelenleben in der unerhört schönen Country-Ballade “Hot Burrito #1“ wirkt paralysierend, der Schmerz in den Worten und der Stimme verheerend. Das folgende Stück, “Hot Burrito #2“, ist das emotionale Gegenstück: Parsons wirkt geradezu lässig und gefestigt über diesen treibenden Soul/Blues-Klängen. Doch eines der elf Stücke vermag die anderen zehn Hochkaräter gar noch zu übertreffen: “Sin City“, ein Abgesang auf Los Angeles, in allerschönste Harmonien verpackt. Und besonders das kurze Pedal Steel-Gitarrensolo vom sagenhaften Sneaky Pete Kleinow ist einer dieser unbegreiflich schönen Momente, von denen es auf diesem Album nur so wimmelt.
Ganz wie “Sweetheart Of The Rodeo“ verkaufte sich “The Gilded Palace Of Sin“ damals mehr schlecht als recht. Bis heute hat es laut der RIAA noch keinen 'Gold'-Status erreicht, ging demnach noch keine 500'000 Mal über die Ladentheken. Ganz im Gegensatz dazu gilt es als Einfluss für viele Country-Künstler und -Gruppen, viele davon deutlich erfolgreicher als das Vorbild. Doch niemand erreichte dabei je die Aussergewöhnlichkeit dieses Albums und wird mit ähnlich gewichtiger Note in die Musikgeschichte eingehen wie die Burrito Bros.
Seit Februar 1969 im Handel.
> Hören und Kaufen > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Sin City
> Do Right Woman
> Hot Burrito # 1
Diskographie:
> The Gilded Palace of Sin (1969)
> Burrito Deluxe (1970)
> The Flying Burrito Brothers (1971)
> Flying Again (1975)
> Airborne (1976)
> Hearts on the Line (1981)
> Sunset Sundown (1982)
> Eye of a Hurricane (1994)
> California Jukebox (1997)
> Honky Tonkin' aka Sons of the Golden West (1999)
Ähnliche Künstler:
> The Band
> Crosby, Stills & Nash
> Uncle Tupelo
> The Jayhawks