’Aus Spass an der Freude’ entstand das Label Hobbymusik. Die EP ’Material und Arbeit’ vom Songwriter Chris ist das erste, traurige Erzeugnis dieses Labels.
Immerhin wird in der Pressemitteilung von ’Pop auf Semi-hohem Niveau’ gesprochen bzw. gewarnt.
Vorerst ein paar Zitate: ’Die Prognose für die Zukunft fällt beschissen aus…’, ’…mir ist so vieles scheissegal, aber wer kennt das nicht, ich finde schon meinen Platz und ich finde meinen Frieden…’, ’…Alternative Lebensweisen, halt gegen das System…’ ’…reaktionäre Haltung, geblendet von Nostalgie…’.
Der Songwriter Chris schreibt Songs (hoppla, wie aufmerksam von mir!) und begleitet diese mit Gitarre und Schlagzeuggepolter. Natürlich stehen hier die Texte im Mittelpunkt, musikalisch wird relativ wenig geboten. Die Gitarre klimpert meist mit Lagerfeuercharme, manchmal durch scheue Perkussion begleitet. Die Geschichten stehen im Mittelpunkt, doch Geschichtenerzählen und dazu auf der Gitarre klimpern konnte schon meine Spielgruppenleiterin nicht allzu schlecht. Die Texte vom Chris sind etwas gar politisch und ’gesellschaftskritisch’ ausgefallen. Also Protestsongs im weiteren Sinne. Meiner Meinung nach darf man Protestsongs aufgrund ihrer Botschaften anprangern. Und folgende Botschaften stehen im Zentrum: unsere Welt ist zu wenig sozial, die Schwachen verlieren, der Arbeitsmarkt ist scheisse, Sozialabbau ist scheisse, der Staat ist scheisse, die Menschen mögen einander zu wenig und Umweltverschmutzung ist bestimmt auch scheisse.
Stimmt ja grundsätzlich alles, doch ich lass mich halt weder von Politikern noch von Sängern gerne zutexten oder inspirieren, geschweige denn leiten. Der Songwriter Chris tut seine Arbeit (wenn ich deren Inhalt ausblende) gut, mit angenehm tiefer Stimmer und rhythmisch clever gibt er sechs Songs vom Besten und überlässt ab und zu auch mal der Gitarre ein bisschen Zeit, damit diese ihre glücklicherweise inhaltlose Meinung verkünden darf. Insgesamt ein ruhiges, einfaches, wortstarkes und kritisches Werk.
Wem dies passt, soll sich bitte die Hände geben, frohlocken und der Chris spielt auf seiner Gitarre die Lieder zu eurer friedlichen Revolution.
Immerhin bin ich mit folgendem Zitat durchwegs einverstanden: ’Suche nach dem Sinn macht schon lange keinen Sinn mehr’. Genau.
Seit 12. Dezember 2008 im Handel.
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Anspieltipps:
> Die Analysten
Diskographie:
> Material und Arbeit (2008)