Genre: Elektropunk | Label: Hobbymusik | Unsere Wertung: 2.0/10
Muss das sein?
’Geht auf keinen Fall auf die Konzerte, sie sind so nervig, dass es Zivilisationskritik ist.’ Dieses Zitat von Herrn Uzrukki (ja, der heisst so) ist irgendwo im Netz, ich erspare mir ein Konzert, denn die Platte nervt schon anständig.
Ja, Ofelia und Uzrukki ist ein weiteres Projekt des sensationell alternativen Labels Hausmusik, welches schon Ungetümen wie dem Songwriter Chris zum eigenen Album verholfen hat. Ofelia und Uzrukki sind zwei ganz muntere junge Leute, die bei ihrer Musik ’…das Politische und Gesellschaftskritische und so weglassen und das Ganze auf eine totale Modeerscheinung, auf Style und Coolness reduzieren’.
Das verspricht ja einiges.
Gut, doch was tun die beiden eigentlich? Ich nehme zwischen beinahe unerträglichem Synthie-Gemetzel ohne Form und Sinn ein paar halbherzige, äusserst unwitzige Texte über Turnschuhe und allgemeines Rumgenöle über den Kleidungsstil der gesellschaftlichen Mehrheit kaum etwas Verwertbares wahr. ’Du denkst du hast geredet, dabei hast du nur gekotzt’…’Wir müssen uns zusammentun für eine schicke Rebellion. Zuviel schlechter Geschmack, ich muss kotzen, zu viele hässliche Klamotten’. Soll dies nun beispielhaft für aktuelles modernes Kulturschaffen jenseits des Mainstream sein? Ich weiss nicht. Der Songwriter Chris hat sich immerhin etwas überlegt, Ofelia und Uzrukki machen hingegen schlicht nur musikalischen Unfug. Natürlich soll die Sache primär Spass machen, die Interpreten haben den bestimmt auch, der Hörer leidet jedoch gewaltig unter dieser akustischen Vergewaltigung.
Elektropop kann unterhaltsam, spassig, frech und klug sein. Was die Deutschen hier jedoch tun ist nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch und produktionstechnisch etwas vom Schwächsten und Unsinnigsten, was mir in den letzten Jahren untergekommen ist. Natürlich haben sie keinen Anspruch an sich oder ihr Produkt, trotzdem muss sich der verständnisvolle Kritiker und gewissenhafte Konsument nicht jeden Schwachsinn bieten lassen.
Immerhin sind sie selbstironisch wie Teufel, machen sich vor allem über sich selbst, alles und jeden lustig und nehmen die Sache entsprechend ernst. Das Album wird gratis zum Download angeboten, ob sich der Aufwand lohnt, das bleibt Sache des Benutzers. Wer kein wirklich cooler und jenseitig alternativer Weltbürger ist, der Berlin als Ursprung und Ende allen kulturellen Schaffens und aller abwegigen Trends betrachtet, kann damit was anfangen. Abschliessend bleibt mir nur die Einstiegsfrage: Muss das sein?
Seit 17. Januar 2009 im Handel.
> Offizielle Webseite > MySpace > Label
Anspieltipps:
> keine
Diskographie:
> Wir haben keine Aussage wir wollen bloss dass die Leute eine gute Zeit haben damit sie sich am nächsten Tag wieder global agierenden Konzernen dienstbar machen können (2009)
Ähnliche Künstler:
> Monotekktoni
» 6 Kommentare
1"Vielleicht muss das sein!" am Samstag, 11. April 2009 23:55
Genug Intellektuelle haben darauf erfolglos hingewiesen, wir müssen da nicht auch noch unseren Sempf dazugeben - wir sielen uns lieber wie die anderen Leute im Sumpf sinnloser Informationen und Produkte, blöken uns dumm an wie die Säue, geilen uns primitiv auf, fressen den Dreck um ihn dann wieder auszukotzen und wieder zu verwerten und finden es unwahrscheinlich lustig wie wir langsam den Boden unter den Füßen verlieren - genauso wie die anderen, so wie der Rest unserer Spaß-Gesellschaft. Die Intellektuellen und Alternativen mit ihrem coolen Outfit wollen sich natürlich nicht die Finger schmutzig machen und stehen maximal nur am Rande, regen sich auf und sind dagegen. Aber irgendwie retten sie damit auch nicht die Welt, sondern sehen nur dabei zu wie sie untergeht. Wir stürzen uns rein, stellen uns in das billigste Regal und sind uns nicht zu schade. Vielleicht ist das ja ein nötiger Perspektivwechsel, ein neuer Trend, eine neue Art von Coolness? Vielleicht muss das sein! Ofelia
2"Vielleicht muss das sein!" am Samstag, 11. April 2009 23:57
Guten Abend Herr Gautschi, ersteinmal danke für die schlechte Kritik. Sie müssen sich das aber mal so vorstellen, wir sind das Sonderangebot ihrer billigen Kaufhalle von gegenüber. Wir taugen absolut nichts, weil wir mit minimalem Aufwand produziert wurden und doch kaufen die Leute das Regal leer, weil sie so geil auf Schnäppchen sind. Dann nehmen sie uns mit stolzer Brust mit nach Hause und wir funktionieren dann für nen Weilchen, machen das wofür sie uns käuflich erworben haben und kurz darauf zerstören wir uns selber, lassen noch nen provokativen Furz und verlassen würdevoll die Komerzbühne. Dann regen sie sich mittelprächtig auf und schimpfen über son billigen Dreck und beim nächsten mal landed wieder ein Schnäppchen im Einkaufswagen, woraufhin wiederum billig produziert wird, die Nachfrage das Angebot steuert, die Gesellschaft immer einfältiger und primitiver wird, Anspruch und Qualität ausstirbt.
3"Muss das sein..." am Montag, 13. April 2009 23:05
Liebe Ofelia Besten Dank für die fruchbare Rückmeldung. Ich mit ihren Argumenten in beinahe allen Punkten einverstanden. Die Kommentare werten meine Kritik in ungeahntem Masse auf. Dass sich unsere Gesellschaft täglich von neuem das eigene Bein stellt ist mir bewusst. Ein Schuldenberg lässt sich leicht besteigen, am Abstieg scheitern die meisten. Statt zu bedauern, gucke ich den Schnäppchenjägern (auch in Bezug auf Musik...) und ihrer Jagd nach Status, Anerkennung und Besitz jedoch gerne zu und erfreue mich ob der teilweise realen Glückseligkeit der Betroffenen. Leider beleidigt euer musikalisches \\\\\\\\\\\\\\\'\\\\ \\\\\\\\\\\'Produkt\\\\ \\\\\\\\\\\'\\\\\\\\ \\\\\\\' meiner Ansicht nach das höchste gesellschaftliche und kulturelle und entsprechend schützenswerte Gut überhaupt: die Musik. Wenn Anspruch und Qualität in einer immer einfältiger und primitiver werdenden Gesellschaft ausstirbt (stimmt), warum muss denn dies
4"????" am Montag, 13. April 2009 23:08
Heiliger.... was ist mit den Anführungs- und Schlusszeichen beim Wort Produkt passiert? hab ich nicht so gewollt...nur so aus Spass
5Kommentar am Mittwoch, 22. April 2009 16:53
Also ich finde, man kann auch Musik machen, wenn man nicht so kompetent ist. Wenn das Ergebnis dann nicht so toll ist, ist das doch nicht so schlimm, oder ?
6Kommentar am Mittwoch, 22. April 2009 17:58
Ist schon nicht schlimm, oder besser: s'gibt schlimmeres...und es findet sich je meistens immer irgend jemand, der die Sache dann auch gerne hört. Wahrscheinlich werde ich von zu guter oder kompetenter Musik dermassen überflutet, dass ich die nicht so tollen Sachen nicht mehr zu schätzen weiss...schade
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