Der Herbst erscheint im Licht der Songs von Sorry
Gilberto sommerlicher. Die Newcomer aus Berlin mögen Melodien zum
Mitsummen und machen konsequenterweise auch solche. Und ja, wir mögen
das auch.
Im weltweiten Gewebe gibt es, von den Einflüssen auf der MySpace-Seite mal abgesehen, wenig Informatives über Sorry Gilberto in Erfahrung zu bringen. Der Rezensent wird dadurch quasi zum faulen Journalismus gezwungen. So bieten sich immerhin Fragen an wie: Ist es möglich, eine Band nicht zu mögen, die als Einflüsse Belle & Sebastian, Go-Betweens und King Of Queens angibt? Natürlich ist es möglich! Doch bei Sorry Gilberto fällt dies ausgesprochen schwer. Insbesondere dann, wenn die Musiker in „Stars Hollow“ die elegante Pop-Ästhetik der Go-Betweens mit der bezaubernden Lieblichkeit von Belle & Sebastian verbinden. Und trotzdem nach Sorry Gilberto klingen.
Sorry Gilberto als Fusion jener zwei Bands zu bezeichnen, wäre eh nicht richtig, wie die Songs auf „Sometimes She Hated The Trees“ selbst erklären. Mit „Skizzen-Pop“ betiteln die Berliner ihre Musik und haben es damit wohl recht gut getroffen. Die Stücke verfügen aber, so leise sie manchmal auch sein mögen, über eine sorgsam durchdachte Struktur. Das Skizzenhafte liegt meines Erachtens eher in der Freiheit, sich nicht den formativen Zwängen der Popmusik zu unterwerfen. Das kann heissen, Lieder aus dem Bauch heraus zu spielen und Song-Schemen nicht bis ins letzte Detail auszureizen. „Sometimes She Hated The Trees“ überzeugt gerade deswegen mit Unbekümmertheit, Unbeschwertheit und nicht zuletzt einer luftigen Leichtigkeit, begünstigt vom leichtfüssig groovenden Drumspiel von Brian Morrow. Viele Songs, wie beispielsweise „Here“, verdanken ihm einen Grossteil ihrer Identität.
Sorry Gilberto’s Unbefangenheit erscheint aber nicht nur in der musikalischen Leichtigkeit, sondern etwa auch darin, dass die Berliner es sich nicht nehmen lassen, zwei Lieder mit deutschen Texten vorzutragen. Diese erfordern im Album-Kontext zwar ein Hören ohne Scheuklappen, stören aber nicht. Und auch wenn es so wäre, jeder Zweifel an Sorry Gilberto’s Klasse dürfte spätestens mit dem Anklingen der sanften Orgel im grossartigen „Alien Monsters“ verflogen sein.
Anspieltipps: Here; Stars Hollow; Alien Monsters
Trackliste: 1) Social Butterfly; 2) Here; 3) Stars Hollow; 4) Different Smile; 5) Menschen; 6) Open End Forever; 7) Bad Old Times; 8) Grandpa; 9) Sally-Ann; 10) Alien Monsters; 11) Django; 12) Two Birds
similar artists: Belle & Sebastian, The Magnetic Fields,
Turin Brakes, The Hidden Cameras, The Go-Betweens
> Offizielle Webseite > MySpace
Bio:
Die Band aus Berlin setzt sich aus Sänger und Gitarrist Jakob Dobers, Anne von Keller (Vocals, Bass) und Brian Morrow (Drums, Percussions) zusammen. In einigen Songs steuert Rainer Leupold Keyboard- und Trompetenklänge bei.
Obschon die Musik von Sorry Gilberto jung und unbeschwert klingt und so plötzlich die Band auf der Bildfläche erschienen sein mag, so können die Musiker von Sorry Gilberto doch nicht wirklich als Newcomer bezeichnet werden. Jakob Dobers ist beispielsweise bereits mit verschiedenen anderen Projekten aufgefallen, unter anderem als Texter der Band Zimtfisch. Ihrem Album ist eine selbstbetitelte EP vorausgegangen, die ebenfalls im Eigenvertrieb veröffentlicht wird.