Mutig
stellt die junge labellose Berner Band die eine, ja die
grundsätzlichste aller Fragen bereits im Bandnamen. Natürlich bleibt
diese ohne Antwort, ich folge jedenfalls mal den Lichtern, vielleicht
werde ich schlauer.
Mit dem Opener ’Follow The Signs’ eröffnen die Burschen jedenfalls prächtig. Der Song beginnt leise, langsam wird Druck aufgebaut, bis dieser nach knapp anderthalb Minuten mittels solidem Gitarrenrock abgebaut wird. Sofort sticht die heutzutage leider selten gehörte Hammondorgel ins Ohr. Diese verleiht dem Song, zusammen mit dem kühlen, leicht leidenden Gesang eine angenehm düstere Atmosphäre, während Gitarre und Schlagzeug eher süffig-poppige Saiten anschlagen (wie genau ein Schlagzeuger Saiten anschlägt, bleibt der Phantasie der geschätzten Leserschaft überlassen). ’Lights’ zeigt dann deutlich, dass die Band neben den omnipräsenten Übervätern The Doors einerseits von genreverwandten Namen wie Bush, Creed, The Cooper Temple Clause, Placebo oder Incubus, andererseits jedoch auch von anderweitig einzuordnenden Grössen wie Portishead, Lamb oder Massive Attack beeinflusst wird bzw. wurde. Ein relativ monotoner, stockender Beat steigert sich zum emotionalen Rocksong. Effektspielereien, ein psychedelisches Hammondorgel-Solo sowie die gekonnte Tempoverschärfung zum Schluss zeugen vom musikalischen Können der Truppe. Der Bonustrack ’Song For Everyone’ hat grosses Pop-Potential. Angenehme, schlaue Vocals, freundlich-ruhige, psychedelisch-depressive Grundstimmung, cleveres Gitarrenspiel und natürlich die Hammondorgel, welche quer durch den Song im Hintergrund ihr eigenes Ding zu tun scheint.
Allgemein ist der Band das breite Spektrum an Stilen und/oder Einflüssen hoch anzurechnen. Die Mitglieder haben ihre Wurzeln in verschiedenen Genres, ich nenne hier mal Metal und Triphop als Extremwerte. Natürlich ergeben sich daraus einige Ungereimtheiten. Die EP wirkt teilweise ein bisschen ziellos und übermütig. Doch Stefan Caduff (Vocal), Lars Uebersax (Hammond-Orgel), Daniel Dummermuth (Gitarre), Michael Trittibach (Gitarre), Christian Wenger (Bass) und Philipp Beyeler (Drums) spielen erst seit 2006 zusammen, entsprechend sollen sie sich noch ein bisschen Zeit nehmen und ihren eigenen Stil weiterentwickeln.
Festzuhalten gilt es folgendes: YRU spielen soliden, druckvollen und vor allem vielseitigen Alternative-Rock mit 1. starkem Hang zu den psychedelischen 60ern und 2. einem guten Gefühl für Balladen und Popmelodien. Die Band ist jung, ihre Musik bzw. die EP hat Ecken und Kanten, vereinzelte Ungenauigkeiten werden dank den zahlreichen guten Ideen verziehen. Guter Whiskey braucht schliesslich auch seine Lagerzeit.
Seit 28. März 2008 im Handel.
> MySpace
Anspieltipps:
> Follow The Signs
> Song For Everyone
Diskographie:
> Follow The Lights (EP 2008)
Ähnliche Künstler:
> The Doors
> Madrugada
> The Cooper Temple Clause
> Incubus
> Ben Harper