Der Film, zu dem AWITN als Soundtrack funktionieren
würde, müsste in schöner, aber lebensfeindlicher Landschaft spielen und
eine gehörige Portion beklemmender Hitchcock-Atmosphäre haben und vor
allem eines sein: Grosses Kino!
Mit „As We Were“ beginnt das Album mit leisen Gitarrenakkorden und markanten Pianoeinsprengseln. Das Thema wird wiederholt, entfaltet hypnotische Wirkung und in minutiöser Kleinarbeit wird Schicht für Schicht aufgetragen. Subtile Elektronik, düstere Pianoakkorde und zurückhaltende perkussive Elemente bilden das Gerüst für West Thordsons anfänglich zurückhaltende Stimme, die mit dem knalligen Snare-Einsatz des Schlagzeugs in einen anklagenden, dramatischen Tonfall wechselt. Nachdem der Zenith des Spannungsbogens erreicht ist, wird die Musik wieder auf das Grundgerüst entkleidet, so dass sogar das Saitengeräusch vom Verschieben der Gitarrenakkorde nicht aus dem Klangbild wegzudenken wäre.
In „Awaken To Winter“ finden sich weitere typische Elemente, welche den AWITN-Sound prägen: Zum einen sind das die Piano-Arpeggios, die das bestimmende Element der meisten Kompositionen bilden, zum andern die Art und Weise, wie die mehrstimmigen Gesänge eingesetzt werden. Öfters begnügt sich die Band damit, die Gesangslinie der einzelnen Stimmen nicht durch die gesungene Melodie, sondern einzig durch die Klangfarbe der Stimme zu differenzieren, was in Verbindung mit den recht zurückhaltenden Melodien zu verblüffender Wirkung führt. Eine grosse, vielleicht die grösste Qualität von „Dry Land“ ist diese Mischung aus zurückhaltend leisen Tönen, die teils verstörend ungemütlich, teils leicht und harmonisch den Hörer dermassen in den Bann ziehen, dass sich einem die ganzen Finessen ohne Anstrengung erschliessen und sich deren Wirkung voll entfalten kann.
„A New Dawn“ ist das beste Beispiel dafür. Bei diesem Song drängen sich einem Bilder geradezu in den Kopf. Man stelle sich das karge winterliche Minnesota vor und wie West Thordson da in einem verlassenen Schulhaus wohnt, wo der Betrieb aufgrund der Entvölkerung der Gegend seit langem eingestellt wurde. Fantastisch wie der Song zwischen desolater und irgendwie schöner Stimmung hin und herpendelt, wie, nach einem Hauch von Hoffnung, der gegen Ende in den Song gewoben wird, das zu Beginn fast unheimliche Thema plötzlich einen bittersüssen Beigeschmack kriegt.
Laute und aggressive Töne gibt es nur in der Albummitte, im Song „Sons“ zu hören. Plötzlich kracht das Schlagzeug und wüste Verzerrungen brechen donnernd ins Klangbild. Die Stimme von West Thordson klingt völlig unkategorisierbar entfremdet, wie durch ein Spielzeug-Megaphon gesungen und durchs Telefon aufgenommen – nur ganz anders. Alles klar?
Auch im darauf folgenden „Armament“, dem heimlichen Hit des Albums, gibt es ebenfalls verzerrte Klänge, die zusammen mit dem eindringlich gesungenen Refrain eine noisige, faszinierende Stimmung kreieren.
Obwohl die Gitarrenarbeit völlig in den Hintergrund rückt, ist „Dry Lands“ eine Rockplatte, die allen, die sich Zeit nehmen für das Hinhören beim Musikhören, wärmstens empfohlen werden kann. Für mich ist es auf eine schwer zu beschreibende Art auch eine musikalische Horizonterweiterung. 4.5 Punkte.
Seit 19. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: A New Dawn, Armament
Trackliste: 1)As We Were; 2) Awaken To Winter; 3) A New Dawn; 4) This Time, It’s; 5) In Will; 6)Sons; 7)Armament; 8) You, The Orphan; 9) Beauty’s Grace; 10) Go Now; 11) True Love Will Find You In The End
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Bio:
Kopf der Band A Whisper In The Noise aus Hanska, Minnesota (USA) ist West Thordson, der sich als Komponist bezeichnet und neben dem Gesang auch für Piano, Gitarre und Synthesizer verantwortlich ist. Komponist trifft die Sache nicht bloss aufgrund der ambitionierten Arrangements, sondern auch wegen der in der Band eingesetzten klassischen Instrumente viel besser als die Bezeichnung Songwriter. Die weiteren Bandmitglieder sind derzeit Matt Irwin (Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer), Hannah Murray (Violine), Rebecca Farmer (Violine, Gesang) und Meghan Irwin (Gesang).
Das Debut „Through The Ides Of March“ wurde von Steve Albini, der sich auch für die Produktion vom Dry Lands verantwortlich zeigt, aufgenommen. Nach 2D, der Zusammenarbeit mit If Thousands, einer befreundeten Ambient Noise Band folgte 2006 nach längerer Labelsuche das zweite Album „As The Bluebird Sings“, dessen Titel einem Gedicht von Charles Bukowski entlehnt ist. Für das dritte Album „Dry Land“ sind AWITN nun beim deutschen Label Exile On Mainstream untergekommen.