Genre: Black Metal, Post-Rock | Label: Viva Hate Records (Archetype Promotion) | Unsere Wertung: 8.0/10
New Traditionalists und die New Wave of American Black Metal
Auf dem aktuellen Album treten die folkigen Klänge der Vorgänger in den Hintergrund und die Band streckt ihre Fühler weiter in Richtung Post-Rock aus. Zum Teil klingt es, als hätte sich Godspeed You! Black Emperor einen keifenden Sänger an Bord geholt und ihm zuliebe mal ab und zu ein bisschen in kontinentaler Art geknüppelt.
Black Metal gilt als das Puristengenre schlechthin. Dennoch arbeiten Bands wie Nachtmystium, Wolves in the Throne Room, Deathspell Omega oder eben Agalloch an den Rändern der engen Genregrenzen, indem sie Elemente aus andern Metal-Splittergenres, Progressive Rock oder sogar 60er/70er-Rock-Anleihen in ihr Repertoire integrieren. Dass Hybriden aus Black Metal und anderen Genres wegweisend für die weitere Entwicklung des Metal sein könnten, wird auf "Marrow of the Spirit" einmal mehr bestätigt.
Neben aller Innovation bei der Verwendung stilfremder Mittel finden es die Bandmitglieder notwendig, sich Metal-typische Künstlernamen zu geben und im Booklet zu erwähnen, dass die Texte des Albums während eines Aufenthaltes des Sängers in den Karpaten entstanden seien. Textlich orientieren sie sich im Wesentlichen an den Themen und der Rhetorik, die die stilbildenden skandinavischen Bands (Mayhem, Satyricon, Emperor usw.) Ende der 80er/ Anfang der 90er-Jahre geprägt haben. Ohne weiteres könnten sie auch auf einer aktuellen deutschen oder norwegischen Rumpelkammer-Produktion zu finden sein, denn die beschworenen naturmystischen Bilder von heidnischen Göttern, Wölfen, Schattengestalten und einem See der Toten sind alles andere als innovativ. Aber sie funktionieren. Leider fällt streckenweise auf, dass der Sänger Haughm Mühe hat, seine Texte umzusetzen, weil die Metrik der Texte ziemlich holprig ist. Im gesamten Verlauf des Albums bleibt er relativ unspektakulär und blass, fällt aber nicht auch nicht negativ auf. Nur wenige Stellen, wie der Mittelteil des Tracks "Black Lake Nidstang",. zeigen, wozu er fähig wäre.
Die Vereinigung der traditionellen und innovativen Elemente gelingt bis auf wenige Momente prächtig. Post-Rock- und Black Metal-Passagen ergänzen sich hervorragend, da beide Epik und Atmosphäre aufbauen, wenn auch auf unterschiedliche Weise. Besonders schön ist die fast 18-minütige Nummer "Black Lake Nidstang", die über die lange Spieldauer enorme Spannung erzeugt und sowohl musikalisch als auch textlich in sich äusserst stimmig bleibt. Die einzelnen Tracks verschmelzen zu einem epischen Klangstrom, der an einigen Stellen brachial und dicht, an anderen aber auch unglaublich ruhig und unaufgeregt sein kann. Die nicht in Worte zu fassende Intensität, die sich im Laufe des Albums entwickelt, macht das Album zu einem der besten Metal-Alben des Jahres 2010.
Seit 19. November 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Black Lake Nidstang
> To Drown
Diskographie:
> From Which of This Oak EP (1997)
> Promo EP (1998)
> Pale Folklore (1999)
> Of Stone, Wind and Pillor EP (2001)
> This Mantle (2002)
> Tomorrow Will Never Come EP (2003)
> The Grey EP (2004)
> Split with Nest (2004)
> Ashes Against the Grain (2006)
> The White EP (2008)
> Marrow of the Spirit (2010)
Ähnliche Künstler:
> Deathspell Omega
> Wolves In The Throne Room
> Opeth
> Krallice
> Godspeed You! Black Emperor
> Nachtmystium
> Enslaved ("Vertebrae")
> Krallice
> Mono
> Mogwai