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Agnes Obél - Philharmonics

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von Philippe Feer am Freitag, 12. November 2010 in Neuerscheinungen   

Genre: Singer/Songwriter  |  Label: Pias (Musikvertrieb)  |  Unsere Wertung: 7.0/10

PhilharmonicsDuftschloss
Agnes Obél nimmt uns leichtfüssig auf einen kleinen Spaziergang durch die dunklen Wälder mit. Zwar unspektakulär und mit Rehaugen, aber dennoch voller kleiner wilder Entdeckungen.

Wer war dieses Jahr an der Basler Herbstmesse? Heuer beschränkte sich meine Visite auf einen Rundgang über den Petersplatz und dem Unterscheiden, welcher Stand Stil hat und welcher eher nicht. Damit mich jeder versteht: Jeder kennt dieses bestimmte Bündner Marktstand-Unternehmen, welches furchtbar jung und natürlich daherkommt, bis man diesen Stand in jeder Stadt in unterschiedlichster Aufmachung entdeckt hat. Genauso wenig sollte man sich an solchen Märkten die Vinylsammlungen durchstöbern. Da ist mir der gutgelaunte deutsche Verkäufer mit den Putzbürsten und den Gemüserafflern noch lieber, ich bleibe jedenfalls immer kurz stehen.

Es gibt aber auch Stände, da ist es auf den ersten Blick augenscheinlich, dass da mit Stil und Liebe verkauft wird. Mit dem gewissen Etwas oder nach dem Rezept „gut bewährt“. Der dänischen Sängerin Agnes Obél sieht man auf ihrem Debutalbum sofort an, dass sie eine grosses Feingefühl für ihre Kunst hat. Ein anmutiges Cover und stimmungsvolle Wälder im Booklet hüllen vierzig Minuten zauberhafte Musik ein. Die Pianoklänge des Intros entsprechen der Grundstimmung des Album: Sparsame, schlichte Instrumentierung trifft auf grazile Stimme mit melancholischer Note. In einigen sehr schönen Momenten verdichtet sich das geschmeidige Feen-Rezept und bäumt sich auf: Das im Refrain an Joanna Newsom erinnernde „Beast“ mimt die verschrobene Hexe, der Specht klopft den Beat bei "Brother Sparrow" und fliessend dicht ist das sanft schaukelnde "Riverside". Alles andere ist in jedem Fall gelungen, wagt jedoch keine grossen Sprünge.

Agnes Obél kann man nicht vorwerfen, dass sie gewöhnlichen Schinken vom Alphüsli anbietet (auch wenn das durchschnittliche „Just So“ dank Telekom zur Hitsingle wurde). Auch Verschrobenheit im Stil von Silje Nes, Morbidität von Soap&Skin oder grundsätzlich mangelnde Qualität sind bloss Anleihen. Bei der aufmerksamen Agnes Obél bleibe ich gerne stehen, konsumiere die Häppchen auf der Theke, nehme das Plüschtier zur Hand und weiss, dass das kein Bluff ist.

Seit 1. Oktober 2010 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

Anspieltipps:
> Riverside
> Brother Sparrow
> On Powdered Ground

Diskographie:
> Philharmonics (2010)

Ähnliche Künstler:
> Silje Nes
> Anni Rossi
> Sophie Hunger
> Emiliana Torrini
> Marissa Nadler
> Musée Mecanique
> Anna Ternheim
> Emily Jane White
> Jackie Oates
> Joanna Newsom
> Nancy Elisabeth
> Soap & Skin
> Tiny Vipers
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