Genre: Noise Rock, Indie Rock | Label: Anker Platten (Irascible) | Unsere Wertung: 7.0/10
Your Best Sonic Friend
Unter Gitarrenbands - und eine solche ist Aie Ça Gicle zweifellos - gibt es neben One-Take-inyoface-Bands auch solche, die Klänge wie Jenga-Klötzchen aufschichten, bis ein äusserst komplexes Gebilde entsteht. So auch Aie Ça Gicle auf ihrem Debüt-Album.
Manchmal braucht es Geduld und harte Knochenarbeit, bis etwas natürlich und ungezwungen klingt. Eigentlich ein Widerspruch in sich, aber vielleicht die richtigen Worte zum Entstehungsprozess des Albums "S.Y.R.U.P.". Sänger und Gitarrist Oliver Falk: “Wir brauchten Zeit um unseren Sound bis ins Detail auszufeilen. Da reichten zwei Wochen nie und nimmer aus. Die Vielschichtigkeit und Verflechtung der Gitarrensounds ist enorm wichtig für uns. Der ganze Prozess hat ca. 2 Jahre gedauert, eine lange und intensive Zeit!“. Die lange Zeit im Studio hat sich gelohnt, denn die zehn Songs auf dem Debütalbum wirken mühelos und organisch. Trotz der Fokussierung auf die Gitarre und ihren Klang verliert sich die Band nicht in metaphysisch zelebrierten Gitarrenklangflächen wie Sunn O))), andere Bands aus dem Southern Lord-Kosmos oder Neil Young auf seiner aktuellen Platte "Le Noise". Vielmehr bleibt der Rock-Song Basis des Albums und auch die langen Instrumentalpassagen brechen nicht damit.
Erste Aufmerksamkeit erhielt die Band vor drei Jahren, als sie ihre erste EP veröffentlichte. Im Vergleich zur charmanten Lo-Fi-Produktion dieser EP ist das Debüt in soundtechnischer Hinsicht ein gewaltiger (Fort- ?) Schritt in Richtung Steve Albini. Die Aufnahme ist vielschichtig, ausgewogen und stimmt bis ins letzte Detail.
"Sonic Friend", der letzte Song des Albums, deutet an, wer für die Band wohl ganz besonders Pate gestanden hat. Auch wenn Sonic Youth mit den Gitarren-Klangmagiern Moore und Ranaldo ein wichtiger Einfluss war, ist das Album von Aie Ça Gicle weit weniger schwer und klaustrophobisch, verspielter. Manchmal weht dem Hörer sogar ein leichter kalifornischer Wüstenwind entgegen oder Pavement lässt grüssen.
Von der ersten Sekunde an wirft sich die Band ins Zeug. Den Druck, der sich in der ersten Hälfte der Platte aufbaut, kann die Band aber über die Spieldauer einer knappen Stunde nicht ganz aufrecht erhalten, denn die Palette der Tempi und der Ausdrucksmittel ist doch ein bisschen einfarbig. Aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau und weil die Songs eher im rockigen Bereich liegen, werden sie live umso besser in Blut, Schweiss und Tränen umgewandelt werden können.
Kürzlich hat sich der Blog 78s dazu entschieden, Aie Ça Gicle als Hoffnungsträger und Aushängeschild der Schweiz für den Music Alliance Pact ins Rennen zu schicken. Eine bessere Vertretung hätten sie kaum finden können.
Seit 5. November 2010 im Handel.
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Anspieltipps:
> Among Experts
> Trust
> Sonic Friend
Diskographie:
> Aie Ça Gicle EP (2008)
> S.Y.R.U.P. (2010)
Ähnliche Künstler:
> Sonic Youth
> Pavement
> Kyuss
> Queens of the Stone Age
> Velvet Underground & Nico