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Aimee Mann - One More Drifter In The Snow

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von Rafael Werner am Montag, 13. November 2006 in Neuerscheinungen   
Genre: Weihnachten
Label: Super Ego Records
CH-Vertrieb: TBA
Unsere Wertung:Aimee Mann - One More Drifter In The Snow

Sich auf Weihnachten freuen
Aimee Mann - One More Drifter In The SnowDie Grand Dame des nüchternen Pop reitet jetzt ein Plastikrentier und kommt mit der vielleicht besten Weihnachts-CD der Welt daher.

Gute Weihnachtsalben sind solche, die man auch schon im November und auch noch im Februar geniessen kann, welche aber trotzdem den gewissen weihnächtlichen Kitschzauber und die deftige Zuckerglasur enthalten. Es ist definitiv kein einfaches Vorhaben, ein gutes Weihnachtsalbum zu machen. Doch als man gehört hat, dass die brillante Songwriterin Aimee Mann es wagen wird, da wusste man bereits, dass ein gutes, stets abgeklärtes Werk entstehen würde. Die Mann bringt selbst Weihnachten nicht aus der Ruhe. Die zehn Songs (weihnachtliche Klassiker, teilweise der allerbekanntesten Art) sind genauso so hoch mit Kunstschnee dosiert, dass man noch keinen Ausschlag davon bekommt. Man fragt sich auf „One More Drifter In The Snow“ wirklich permanent, wer denn bitte ein besseres und schöneres Weihnachtsalbum machen könnte und die Antwort lautet wohl „niemand“. Schliesslich war schon „I Was Thinking I Could Clean Up For Christmas“ auf „The Forgotten Arm“ (2004) ein herrlich schöner Weihnachtssong, der Aimees Vorliebe für das winterliche Fest darbot. Ob die Amerikanerin nun Weihnachtslieder oder Antiweihnachtssongs singt, ist schwierig zu sagen. Da es aber weder eine Parodie noch eine Verhunzung, sondern vielmehr eine Optionierung alter Klassiker ist, können wir hier von einem klassischen Christmas-Album sprechen. Die typisch amerikanischen Weihnachtslieder wie „Winter Wonderland“ oder „I’ll Be Home For Christmas“ lässt Aimee Mann zu sperrigem Eis erstarren, jeglicher Kitsch verdunstet und die Songwriterin presst wieder ihren symptomatischen Stempel der gestanzt leidenschaftlichen Coolness auf. Genau das hat man von diesem Album erwartet! So kommt ein Lied wie „Whatever Happened To Christmas“ in völlig neuem Gewand und trotzdem so „normal“ daher. Man hat das Gefühl, diese Songs wurden extra für Aimee Mann geschrieben. Auch „You’re A Mean One Mr. Grinch”, welches sehr klassisch gehalten wurde, fegt einem vom Plastikrentier und “I’ll Be Home For Christmas” erreicht gar ein tiefgründiges Licht, wie es in der Popmusik nur ganz wenigen gelingt. Aimee Mann macht weiterhin die allerbeste Radiomusik, färbt ihre Tracks sanft und behutsam mit nordamerikanischer Geduld und Zeitlosigkeit und lässt einmal mehr die Gefühle beim Menschen (Zuhörer) selbst entstehen. Technisch, handwerklich und für die Ewigkeit bestimmt ist das nach wie vor die mitunter beste Popmusik, die man zurzeit aus den Staaten kriegt. Nur schade, dass auf „One More Drifter In The Snow“ kaum eigene Songs zu hören sind. Die wären nämlich noch besser geworden.


Seit 3. November 2006 im Handel.

Anspieltipps: alles
Trackliste: 1) Whatever Happened To Christmas; 2) The Christmas Song; 3) Christmastime; 4) I’ll Be Home For Christmas; 5) You’re A Mean One Mr. Grinch; 6) Winter Wonderland; 7) Have Yourself A Merry Little Christmas; 8) God Rest Ye Merry Gentleman; 9) White Christmas; 10) Calling On Mary
similar artists: Ani DiFranco, Feist, Fiona Apple, Jewel, Nina Nastasia, Emiliana Torrini, Maria Taylor, Grey De Lisle, Cerys Matthews – würden sie denn Weihnachtslieder singen.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace

Bio:
Aimee Mann wurde in Richmond geboren. Sie besuchte das Berklee College of Music in Boston, brach ihr Studium aber ab, um mit ihrer ersten Punk-Rock-Band The Young Snakes Musik zu machen. 1983 war sie Mitgründerin der New-Wave-Band ’Til Tuesday, die 1985 mit ihrem ersten Album „Voices Carry“ einen bescheidenen Erfolg erzielte. Sie erhielten in der Kategorie „best newcomer“ einen Grammy. 1993 erschien Manns erstes Solo-Album „Whatever“, das kommerziell nicht allzu erfolgreich war, aber begeisterte Kritiken erhielt und den Weg für das nächste Werk „I'm With Stupid“ (1995 erschienen) bereitete. Erneut waren die Kritiken weit besser als die Verkaufszahlen. 1997 heiratete Mann den Musiker Michael Penn. Ein Jahr später bekam Mann einen Kurzauftritt in dem Film „The Big Lebowski“. Größerer Erfolg war Aimee Mann beschert, als sie 1999 acht Titel zum Soundtrack des Films „Magnolia“ beisteuerte, darunter der Oscar-nominierte Song „Save Me“, der ebenfalls auf ihrer Platte "Bachelor No. 2 – or the last remains of the Dodo" erschien. Der Autor und Regisseur Paul Thomas Anderson gab an, mit „Magnolia“ eine Adaption der Aimee Mann Songs gedreht zu haben. Im selben Jahr löste Mann entnervt wegen der eingeschränkten künstlerischen Einflussnahme durch ihre Plattenfirma die Zusammenarbeit auf und gründete ihr eigenes Label, SuperEgo Records. Auch durch den Direktvertrieb ihrer Werke über ihre Website ging die Musikerin neue Wege. 2000 erschien „Bachelor No. 2 – or the last remains of the DODO“ bei SuperEgo, 2002 folgte „Lost In Space“. „Lost In Space“ wurde 2004 als „Special Edition“ wiederveröffentlicht, die eine zweite CD mit sechs Live-Aufnahmen sowie verschiedenen B-Seiten und bislang unveröffentlichten Songs enthält. Mit Live at „St. Ann's Warehouse“ erschien im November 2004 ein Mitschnitt von Konzerten, die Aimee Mann im Juli 2004 in Brooklyn gegeben hatte, auf DVD und CD. Ein letztes Soloalbum, „The Forgotten Arm“, ist im Mai 2005 erschienen. Im Oktober 2006 erscheint nun ihr neues Album „One More Drifter In The Snow“.
Aimee Mann ist eines der Gründungsmitglieder von United Musicians, einem Zusammenschluss von Musikern, die sich für das Prinzip einsetzen, dass jeder Künstler im Besitz der Rechte an seinen Werken bleiben soll.

aimeemann
Diskographie:
> Whatever (1993)
> I’m With Stupid (1995)
> OST Magnolia (1999)
> Bachelor No. 2 – or the last remains of the Dodo (2000)
> Lost In Space (2002)
> Live at St. Ann's Warehouse (Livealbum/DVD) (2004)
> The Forgotten Arm (2005)
> One More Drifter In The Snow (2006)


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