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Airpeople - The Golden City

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von Philipp Gautschi am Freitag, 27. November 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Postrock  |  Label: Golden Antenna (Irascible)  |  Unsere Wertung: 8.0/10

The Golden CityWeltreise
Welchen Titel gibt man einem wortlosen Postrock-Song? Airpeople aus Köln, Hamburg und Trier benennen sämtliche Songs auf ihrem Debut nach Städten. Gute Idee, gute Musik.

Der teutonische Postrock hat mit LongDistanceCalling endgültig den Anschluss an die Weltelite des Genres (ich denke an Mogwai, Mono und Explosions In The Sky) gefunden. Die Luftmenschen oder Airpeople sind eine weitere deutsche Truppe, die sich dem gesanglosen, emotionsgeladenen und bombastischen Genre widmen. David Blumann (bass, guit, synth), Oliver Hengel (guit, synth, bass), Marco Premm (guit, synth), Florian Brandel (drums,synth, glockenspiel) und Oliver Bersin (live guitar, synth, more) begehen auf ihrem Debutalbum einen schlauen Mittelweg zwischen komplexem, arhythmischem, zappeligem Spass(post)rock und wuchtigem, breitem, sphärischen Träumer(post)rock.

Und bevor ich wieder mit absolut unsinnigen Wortneuschöpfungen um mich zu werfen beginne, muss ich dem Gesamtkonzept des Albums ein grosses Kompliment aussprechen. Wie bereits erwähnt wurde jeder Song bis auf den Titeltrack „Golden City“ mit dem Namen einer mehr oder weniger grossen Stadt dieser Welt benannt. Und tatsächlich kann man zwischen den Songs und den jeweiligen Städten (bzw. dem klischeebesetzten Halbwissen über diese Städte) mit einem kleinen bisschen Fantasie gewisse Verwandtschaft herstellen.

In „Amsterdam“ wirkt die Gitarre nach anderthalb Minuten leicht beduselt, danach folgen komplexe Rhythmuswechsel, ein knappes Schlagzeugsolo und ein langgezogenes, verträumtes Ausklingen des Songs mit dem dominanten Gitarrenthema. Das Stück hätte zwar meiner Meinung nach eine Spur breiter daherkommen können, trotzdem kann man die verschieden Facetten des Songs mit engen Grachten, Multikulti und milden Räuschen verbinden. Zum Stichwort „Denver“ fallen mir spontan die Rocky Mountains und Goldgräber ein, dies mit dem verhältnismässig hektischen, teilweise mühsam-monotonen, polternden Song in Verbindung zu bringen fällt relativ schwer.

Also weiter: „San Juan“ liegt irgendwo im argentinischen Steppengebiet. Der dazugehörige Song ist schlicht, langgezogene Synthieflächen und skurrile Geräusche dominieren und verdeutlichen eine gewisse Kargheit. „Mombasa“ versprüht dann, ganz im Gegensatz zu „San Juan“ kenianische bzw. afrikanische Hektik. Zappelige, monotone Gitarren und ein stampfender, grauenhaft treibender Beat verweisen auf Lebens- und Spielfreude. In „Le Mans“ finden meines Wissens Autorennen statt. Entsprechend flüssig erscheint der gleichnamige Song. Die Gitarren halten sich diskret zurück, das Schlagzeug hämmert ungebremst, wobei ein Gefühl des Schwebens, Abhebens und Fahrens aufkommt.

Zum Schluss wird Spannung aufgebaut, statt jedoch genreüblich loszupoltern brechen Airpeople radikal ab. Bei „Saigon“ erkenne ich weder asiatische Experimente bzw. Innovation noch fernöstliche Gelassenheit. Der Song zappelt in alle Richtungen, wirkt unsicher, selten zuvor wurde der Takt dermassen häufig gebrochen; ein Schwachpunkt des Albums. „Glasgow“ kann dann als Hommage an die grossen Mogwai interpretiert werden. Der Sound wirkt flächiger, Stimmung wird aufgebaut, neue Gitarrenspuren finden ihren Weg ins Lied, mittendrin fallen hohe, wortlose, menschliche Stimmen auf, der Song entspannt sich kurzfristig, danach wird nochmals Druck gemacht. Wunderbar gespielt und stilistisch tatsächlich nahe an Mogwai. Mit „Stockholm“ endet die Platte. Eine deutsche Touristin hat mir einmal beinahe aufdringlich empfohlen, dort eine Schärenfahrt zu machen. Das hat jetzt überhaupt nichts mit dem Song zu tun, dieser wirkt düster, wiederum durch flächige Synthiespuren unterlegt, während die Leadgitarre säuselt. Lang schwedische Nächte oder so.

Mittlerweile komme ich mich wie ein geographisch unbegabter Kaffesatzleser vor und beende somit meine frei flottierende Assoziationsschlacht mit dem schlichten Hinweise, dass Airpeople mit „The Golden City“ ein sehr gutes, vielseitiges und durchwegs auch dem Postrock-Neuling zugängliches Album gelungen ist. Den tieferen Sinn der urbanen Namensgebung wüsste ich trotzdem gerne…

Seit  25. September 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb

AirpeopleAnspieltipps:
> Glasgow
> Stockholm

Diskographie:
> The Golden City (2009)

Ähnliche Künstler:
> Mogwai
> Ter Haar
> Sigurd
> Seidenmatt
> Red Sparowes
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