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Alina Orlova - Mutabor

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von Paul Klur am Montag, 18. Juli 2011 in Neuerscheinungen   

Genre: Avantgarde-Folk  |  Label: Fargo (Irascible)  |  Unsere Wertung: 8.0/10

MutaborDas barfüßige Mädchen
Immer weniger Alben schaffen es, sich zu beschränken: Keine Überproduktion, die die wahre Leistung des Interpreten beschönigt, kein Team von Produzenten, für das der Künstler am Ende doch nur ein Produkt sein soll. „Mutabor“ ist ein solches Album.

Der lateinische Titel bedeutet „Ich werde verändert werden“. Und wer dann in die Tiefe des leisen und atmosphärischen Sounds versinkt, dem leuchtet das auch schnell ein. Gleich in „Širdis“ (Herz), das so klingt wie es betitelt ist - lebendig, lädt sich die erst 22-jährige Litauerin Orlova zu Beginn des Albums eine tonnenschwere Last auf die schmalen Schultern. Dabei schafft dieses rund drei Minuten lange Stück eine einzigartige Balance: Bei all dem Schmerz in der Stimme wirkt es luftig und leicht, fräst sich aber trotzdem mit der einfachen Klavierbegleitung ins Herz und lässt sich von einer traumhaften Duduk-Passage bis zum Ende tragen. Orchestereinsatz ist ja auch immer eine zweischneidige Angelegenheit, aber wenn Streicher und Bläser so dezent eingesetzt werden wie auf Mutabor, kann man nicht von ansonsten oft nervendem Pomp sprechen. Mit simplen, schönen Melodien verschaffen diese dem Album einen unwiderstehlichen Baltikum-Sound, der zusammen mit der wandelbaren, leicht ätherischen Stimme nie gekünstelt wirkt.

Gerade die größtenteils litauischen und russischen Texte verblüffen durch lyrische Schönheit. In „Amerika“ zum Beispiel singt sie vom großen Abenteuer, „Būk Kolumbu, Magelanu / Ir mano žemės taps tavo žemėm“-„Sei Kolumbus, Magellan / Und mein Land wird dein Land sein“, klingt aber dennoch das ganze Album lang wie das barfüßig tanzende Mädchen von dem „Širdis“ handelt. Kein Wunder, dass Orlova in ihrer Heimat nicht nur als Komponistin und Sängerin sondern auch als Poetin anerkannt ist. In Osteuropa entsteht eine ganze Szene für - bei uns fast gänzlich unbekannte - so genannte „Sung Poetry“. Ieva Narkutė alias „Jieva“ und Alina Orlova aus Litauen gehören zu den größten Talenten. Gut, dass Orlova hier hauptsächlich in ihren eigenen Sprachen singt, denn Litauisch und Russisch haben für fast jede Gefühlslage den richtigen Klang parat. Hingegen bezaubern besonders die wenigen englischen Stücke mit entrückter Naivität.

„Mutabor“ ist ein ergreifendes Wechselbad, man kann sich mit Orlovas hoher Stimme hier auf eine Reise durch entspannt-melodiösen Folkpop wie in „Lichoradka“, kleine Klavierballaden wie „Stars“ und die modernen Klangcollagen von „Cia“ begeben und es wird einfach nicht langweilig. Das hört sich wie russische Folklore aus der Perspektive von Kate Bush oder Björk an. Wer ein Faible für anspruchsvolle osteuropäische Musik besitzt, dem gefällt „Mutabor“ unter Garantie, alle anderen sollten es aber auf jeden Fall dennoch einmal mit diesem Album versuchen, auch wenn es anfangs vielleicht etwas anstrengend wirkt. Denn Alina Orlova ist eine bewundernswerte junge Künstlerin aus einem wenig bekannten Teil unseres Kontinents. Wer mit 22 Jahren in der Lage ist ein so tiefes Album zu schreiben und Herzen mit wenigen Klavierakkorden und Worten zum Schmelzen zu bringen, hat auch Erfolg über die Landesgrenzen hinaus verdient.  

Seit 26. April 2011 im Handel. 

> Hören und Kaufen
> myspace  > Label > CH-Vertrieb
Alina Orlova
Anspieltipps:
> Širdis
> Lichoradka
 
Diskographie:
> Laukinis šuo dingo (Der wilde Dingo) (2008)
> Mutabor (2011)
 
Ähnliche Künstler: 
> Jieva
> Marketa Irglova
> Kate Bush
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