„More muck for swiss fuckin’ Rock’n’Roll“… Tönt zwar im rauen Rockgeschäft ziemlich imagebewusst, dennoch gibt uns ALTöL klar zu verstehen: „meh Dräck“ im Schweizer Rock’n’Roll.
Was haben Bon Jovi, AC/DC, Aerosmith, Kiss oder Krokus gemeinsam? Richtig, alles Hardrockgiganten. Laut, dreckig und, eben in einer Fremdsprache. Werden die – teils – lyrischen Kunstwerke der Künstler auf Englisch überhaupt verstanden? Denn jede Band will ja ihrem Publikum auch eine Botschaft vermitteln. Jedes fuckin’ Liedchen! Oder andersrum: Grölt der Rocker doch nur planlos in der Menschenmenge „Who made who“ des AC/DC-Klassikers mit ohne wirklich etwas davon zu verstehen – Leute, ganz ehrlich?
Dem will die Zürcher Band ALTöL nun Abhilfe schaffen und für sprachliches Verständnis sorgen. Im beinharten Rockstyling bestehend aus Bluejeans, Stiefeletten und Winnetou-Haartrachten machen die Haudegen seit 1999 fette Gitarrenmusik. Einst wurde die Band in Aeschi in Goldau (SZ) gegründet. Die Band selbst betitelt ihren Sound heute als „Mundhard Rock“: fett, direkt und melodiös. Vergleichbar wohl am ehesten mit den zwei Bernertruppen Hamschter oder Grauhouz. Leicht verständliche und gute, im vertrauten Zürcherdialekt abgehaltene, Mitsing-Liedchen also. Da momentan im Schweizer Hardrock-Milieu neben Krokus niemand sichtlich hervorsticht und um Hitparadentreppchen buhlt, könnte sich der Öl-Fünfer gekonnt ein Plätzchen in dieser Rock-Nische hamstern. Wer weiss.
Das gleichnamige Album ALTöL wurde nirgends anders aufgenommen, als bei Lukas Truninger im Headline Studio auf der spanischen Insel Mallorca. Imponierend. Der produzierte Longplayer kommt zwar lässig und cool daher, recht ordentlich, mag aber nicht auf der ganzen Linie überzeugen: plätschern die meistens Songs etwas blass vor sich hin ohne dem Zuhörer eine Hühnerhaut zu verzücken. Ohrwürmer und Gassenhauer sucht man auf der CD leider vergebens – das grösste Manko auf diesem Album. Der Band wäre die goldene Idee wirklich gegönnt: mit viel Liebe und Herzblut ackern die Herren nämlich an Ihren musikalischen Werkzeugen. Lustige Titel wie „Spitz“, „Tochter vom Chef“ oder „Whiskey und ä Bratwurscht“ küren die Trackliste. Möchte wirklich wer einen Whiskey zu Bratwurst, wohl eher Bier – dies nur kurz am Rande. Abrupt ändert sich dies spätestens beim zwölften und dreizehnten Song („Geld & Sex“ und „Running Flame“): diese zwei Stücke wurden als Bonustracks nochmals auf den aktuellen Rohling mitgepresst. Das absolute Highlight auf ALTöL. Die zwei Songs wurden damals schon als Promo-Demo veröffentlicht, aufgenommen im Shakra hauseigenen PowerRide-Studio im Emmental. Hier heizt der Sound mächtig ein – irgendwie klingen die Gitarren und das Drum gar sehr an die Herren Muster/Tanner von der Shakra-Fraktion. Affenstark. Solche Momente bräuchte das Album unbedingt mehr. Bitte.
Bring en hei… Gesanglich erinnert der Sänger irgendwie an den MusicStar Baschi. Eben irgendwie: Baschi zu Gast bei Shakra vielleicht. Nicht fahrlässig, aber teils kein Hardrock-Niveau. Diesem Sound – deklariert als Hardrock – fehlt schlicht der schreiende Halford-Effekt. Aber, die Band wird sich garantiert weiterentwickeln, bestimmt. Dem Autor ist überaus die Einstufung in Hardrock doch etwas zu hoch gegriffen: primitiver Mundart-Rock ist wohl ordentlich formuliert. Was aber sehr auffällt und sehr sympathisch ist: Die Band verzichtet auf einen Teil der Einnahmen der Verkäufe uns spendet diese an die Stiftung der Kinderhilfe Sternschnuppe. Das ist bemerkens -und sehr lobenswert! Man denke hier an die immerwährenden CD-Rückläufe wegen Internet und anderem Schabernack. Bravo, mancher Headliner könnte sich da in der heutigen Zeit ein Bespiel an den Jungs nehmen.
Genug gefachsimpelt… Überzeugt euch selbst: wem Polo zu schwach und Baschi zu ordinär ist, höre eben ALTöL Solide Musik ists allemal. Entgegen dem englischen Sex, Drugs and Rock’n’Roll-Klischee rauft sich hier ein lokaler Beischlaf, Sniefpulver und Züridütsch’n’Roll-Haufen an. Toll für die Schweizer Mundart-Musikszene.
Seit 5. März 2010 im Handel.
> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label > CH-Vertrieb
Anspieltipps:
> Geld & Sex
> Running Flame
> TV Abig
Diskographie:
> Frisch vom Fass (2002)
> Geld & Sex/Running Flame, Demo (2005)
> ALTöL (2010)
Ähnliche Künstler:
> Hamschter
> Grauhouz
> Shakra