Was Amalia Grè besonders auszeichnet, ist schnell offenbar: Die Dame wurde mit einer einzigartigen Stimme gesegnet und nur schon deswegen darf sie zu den interessantesten Vokal-Künstlern in der europäischen Jazz(-Pop)-Szene gezählt werden. Meine Wenigkeit hatte zu Beginn zwar etwas Mühe mit dem gewöhnungsbedürftigen Falsettgesang (entspricht jener doch auch nicht im Geringsten meinen Vorstellungen, die sich erst mal aufgrund Grezios äusserer Erscheinung gebildet hatten), aber auf längere Dauer kann man kaum keinen Gefallen daran finden.
Im direkten Vergleich mit ihrem ersten Album ist die mediterrane Stimmung etwas verflogen, was ich selbst bedauere (wie habe ich doch Stücke wie “Orchidee“ geliebt), aber keinerlei Qualitätseinbussen zur Folge hat.
Von ausserordentlicher Schönheit sind dann auch die Songs auf “Per Te“, die Amalia Grè zum grossen Teil selbst geschrieben hat. Trist, aber wunderschön klingt vieles auf “Per Te“, aber nicht alles: Das aufgestellte “Giardino Multirazziale“ fällt unter anderem durch den im Vergleich zu den zahlenmässig überlegenen Balladen geradezu verspielten Charakter auf und begeistert in einigen Passagen regelrecht – zum Beispiel durch den fliessenden Wechsel vom Gesang ins Saxspiel von Tsuyoshi Niwa. Ebenfalls etwas poppiger und beschwingter gibt sich Grè in den Mid-Tempo-Stücken “Forte Respiro“ und “Ascoltami“, auch hier keinerlei Anlass zu Kritik gebend. Nur das niedergeschlagene “Give Me More Time“ wirkt mit etwas unpassendem Gesang und Keyboard nicht besonders stimmig. Das Highlight des Albums stellt das schwermütige Roberto Benigni-Tribut “Quanto T’ho Amato“ dar – ob des feinfühligen Gesangs, der überirdisch schönen Melodie und der stimmungsvollen Instrumentierung mit Streicherquartett und Piano sind wohlige Schauer garantiert. Die Vermutung, dass Amalia Grè Filme lieben könnte, kommt schnell auf: So interpretierte sie zudem gekonnt auch Henry Mancinis “Moon River“, Charlie Chaplins “Smile“ (der hübsche Titelsong zu “Modern Times“) und “We Have All The Time In The World“, welches die Filmmusikliebhaber unter den Lesern von John Barrys Meisterstreich “On Her Majestys Secret Service“ kennen mögen. Amalia Grè hat für den (den gesungenen Jazz liebenden und dem Pop nicht ganz abgeneigten) Hörer genug richtig gemacht – darf ruhigen Gewissens und mit hohen Erwartungen angehört werden.
Ab 02. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: Quanto t’ho Amato; Venere
Trackliste: 1) Angel My Love; 2) Giardino Multirazziale; 3) Avvolgimi Amore; 4) Quanto T'ho Amato; 5) Forte Respiro; 6) Venere; 7) Give Me More Time; 8) Smile; 9) Peonia; 10) Armonafrica Televisiva; 11) Sha; 12) Moon River; 13) Ascoltami; 14) We Have All The Time
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> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > Label > CH-Vertrieb Bio: Die 41-jährige Amalia Grezio, als Künstlerin “Amalia Grè“, konnte mit ihrem Debütalbum, welches vor zwei Jahren erschien, ausserordentliche Achtungserfolge erzielen: Über 50000 Mal wurde ihr erstes Album in Italien verkauft und schnell war ihr Name in der italienischen Jazz-Szene ein wichtiger Begriff. An ihrem einzigartigen Gesang feilte die in Ostuni geborene Grezio jahrelang, studierte zuvor Kunst in Perugia und Gesang in New York und lernte dort von Grössen wie Betty Carter und Bobby McFerrin. Im Februar dieses Jahres veröffentlicht Grè nun ihr zweites Album, bei dem sie neben dem Songwriting auch für das Artwork zuständig war.
Diskographie: > Amalia Grè (2004)
> Per Te (2006)