Es ist immer wieder eine Freude neue Bands zu entdecken, vor allem wenn
es sich dabei um eine britische Band handelt, die bereits 30 Jahre auf
dem Buckel hat und damit schon längst zum alten Eisen gehört. And Also
The Trees servieren mit ihrem neuen Album „When the Rains Come“ alte
Songs in neuem Gewand und somit einen guten Einstieg in ihr
musikalisches Schaffen.
Ich bin bekannt dafür sämtliche Sprichwörter dieser Welt falsch zu zitieren, so dass ich sie auch in Zukunft einfach links liegen lasse. Doch es gibt Momente im Leben, da sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr...And Also The Trees haben bereits über ein Dutzend Alben veröffentlicht und keines davon fand den Weg in meine Hände. Nachdem ich nun aber 30 Jahre Zeit fand diese Band zu ignorieren, entführt mich „When The Rains Come“ musikalisch und textlich durch einsame Landschaften und dunkelste Winkel.
Die Songs auf diesem Album sind bis auf den Titeltrack (der einzige neue Song) allesamt Neuinterpretationen. Von ihrem ersten Hit „A Room Lives in Lucy“ (1985) bis hin zu „Stay Away From the Accordion Girl“ oder „Candace“ vom letzen Album, tummeln sich auf „When the Rains Come“ 14 akustisch instrumentierte Stücke. Das Herzstück der Band sind die Brüder Simon (Gesang) und Justin Jones (Gitarre/ Akkordeon/Bass), die And Also The Trees 1979 im kleinen englischen Dorf Worcestershire gründeten, womit ich für ein paar Sekunden ans Essen denken muss. Wie auch immer; die sich ins Fleisch fressende Stimme von Simon und das Gitarren –und Bassspiel von Justin wecken einige grosse Namen in meinem Musikherz. Fast unbewusst schleicht sich beim Hören das Bild einer kargen, verschneiten Landschaft vor mein geistiges Auge. Es ist Nacht, die Sterne tanzen und irgendwo auf einer weiten Ebene sehe ich, wie sich eine von vier starken Pferden gezogene Kutsche ihren Weg durch den noch unberührten Schnee bahnt. Und auf der Kutsche sitzen Nick Cave und Leonard Cohen unter einer wärmenden Wolldecke und rufen dem Kutscher zu, dass er sie in den dunklen Wald fahren soll, der sich bedrohlich am Horizont erhebt.
Ein Bild, das vielleicht besser als viele Worte veranschaulicht wie die Musik der Brüder Jones den Hörer umgarnt. And Also The Trees legen uns mit „When the Rains Come“ ein tolles Werk vor, welches ein fast bedrohlich hohes Niveau anschlägt. Selten habe ich 14 Songs gehört, die so einheitlich daher kommen. Es scheint, als ob sie sich alle die Hände geben würden. Natürlich bedeuten keine Aussetzer nach unten immer auch keine Aussetzer nach oben und so wirkt das Album vielleicht fast ein bisschen zu einheitlich, so dass es leicht untergeht, wenn man es einfach so nebenbei hört. „When the Rains Come“ ist sicher ein Album, welches durch aktives Hören bedeutend an Tiefe gewinnt und wenn jemand mit so einer starken Stimme gesegnet ist wie Simon Huw Jones, verdient dies wirklich die vollste Aufmerksamkeit.
Ist man erstmals eingetaucht in die düstere Stimmung, die diese Songs verbreiten, fängt man an sich darin wohl zu fühlen und bekommt selber Lust durch den dichten Nebel zu segeln und die förmlich in der Luft liegende Melancholie einzuatmen („The Dust Sailor“). Herausheben möchte ich noch den Song „The Street Organ“, der schon fast als Spoken Word durchgeht und in dem Simon Huw Jones mit wunderbar britischem Akzent poetischen Glanz versprüht: „The copper green monuments stare at nothing / It passes them by unheard / Waltzes with the ribbons of distant winter air / The messengers of snow / Moonstruck and gold“
Einfach nur schön. Mehr bleibt nicht zu sagen.
Seit 05.Juni 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> Virus Meadow
> The Dust Sailor
> The Street Organ
Diskographie:
> And Also The Trees (1984)
> Virus Meadow (1986)
> The Evening Of The 24th (1987)
> The Millpond Years (1988)
> Farewell to the Shade (1989)
> Green Is the Sea (1991)
> From Horizon to Horizon (1992)
> The Klaxon (1993)
> Le Bataclan (1994)
> Angelfish (1996)
> Silver Soul (1998)
> Nailed (1999)
> Further From the Truth (2003)
> (Listen For) The Rag And the Bone Man (2007)
> When the Rains Come (2009)
Ähnliche Künstler:
> Nick Cave
> Leonard Cohen
> Scott Walker
> Matt Elliott
> Joy Division