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Andrew Bird - Noble Beast

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von Tobias Imbach am Montag, 19. Januar 2009 in Neuerscheinungen   

Genre: Retro-Folk-Rock  |  Label: Bella Union  |  Unsere Wertung: 7.5/10

Noble BeastStille Wasser
Gleich wie auf “Armchair Apocrypha“ vereint Bird auf seinem neuen Album einfachen Schönklang und beeindruckende Virtuosität.

Den letztjährigen Wundertaten der Fleet Foxes nicht mal so unähnlich, versetzt der sanfte und harmonische Folk-Rock mit Westcoast-Flair in “Oh No“ zurück in die Sechziger-Jahre. Ein längst liebgewonnenes Pfeifen und abstrakte und metapherreiche Worte verdeutlichen: auch auf seinem vierten Solo-Album bleibt der Chicagoer Multiinstrumentalist Andrew Bird unverkennbar. Alte Bekanntschaften fühlen sich bei diesem vertrauten Wiederhören in Sekundenschnelle wieder wohl. “Noble Beast“ ist Andrew Birds bislang freundlichstes Album; ein Werk, über dessen gesamter Länge ein samtener Schleier der Melancholie liegt, welcher aber immer wieder von Momenten der Freudigkeit durchbrochen wird (so etwa im eingängigen “Fitz & Dizzyspells").

Das ist scheinbar harmlose Musik, von der nicht erwartet würde, dass sie das Hörerherz vielleicht auch erst nach und nach wirklich erobern könnte - tut sie aber. Hinter der vermeintlichen Einfachheit verbergen sich geschickt gewebte und komplexe Klangbauten, die auch der genauer hinhörenden Hörerschaft ein langes Vergnügen bereiten dürften.

"Not A Robot, But A Ghost", einer der ersten ganz grossen Songs des neuen Jahres, fällt am deutlichsten aus dem Rahmen. Hier offenbaren sich Birds geniale Einfälle sofort, seien es die rollenden Beats oder die Arbeit mit Loops, die düsteren Streicher und die markanten Gitarrenriffs, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen, das ungefähr so klingt, als ob Radiohead Gefallen an Country-Musik gefunden hätten. In dieser Liebe zum musikalischen Detail unterscheidet sich der klassisch ausgebildete Violinist vom gewöhnlichen Singer/Songwriter. Birds wunderbarer, oft etwas wehleidiger Gesang ist nur eines von den vielen Instrumenten, die er virtuos beherrscht. Und in welcher Vielfalt er musiziert! Im selben Stück ("Effigy") mögen in seinem Geigenspiel erst noch Roma-Melodien und kurz darauf schönste Country-Anleihen durchschimmern. Beim herrlichen “Masterswarm“ drängen sich gar Vergleiche mit Lhasa auf: Mit bemerkenswertem Feingefühl integrierte Bird hier die Palmas des Flamenco und Bossa-Rhythmen im Gitarrenspiel.

Mit 'nur' 55 Minuten Spielzeit ist “Noble Beast“ trotzdem etwas zu lang. Keines der Stücke fällt wirklich ab, aber Songs wie "The Privateers" oder "Souverain" verfehlen an 12. und 13. Stelle schlicht ihre Wirkung.

Wer sich aber sowieso nicht vorstellen kann, von Andrew Bird gelangweilt zu sein, dürfte den Kauf der Limited Edition von “Noble Beast“ in Erwägung ziehen. Da wird das reguläre Album von einer neun instrumentale Aufnahmen umfassenden Kollektion begleitet, welche die erwähnte musikalische Virtuosität nochmal deutlich unterstreicht.

Seit  20. Januar 2009 im Handel.

> Hören und Kaufen > Offizielle Webseite > MySpace > Label
Andrew Bird
Anspieltipps:
> Masterswarm
> Anonanimal
> Not A Robot, But A Ghost

Diskographie:
> Music of Hair (1996)
> Thrills (1998)
> Oh! The Grandeur (1999)
> The Swimming Hour (2001)
> Weather Systems (2003)
> The Mysterious Production of Eggs (2005)
> Armchair Apocrypha (2007)
> Noble Beast (2009)

Ähnliche Künstler:
> M. Ward
> Sufjan Stevens
> Final Fantasy

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