Das neunte Album der Tierfreunde aus Brooklyn ist ein lang
nachhallender Startschuss zu einem neuen Musikjahr.
Das letzte Album und die seither (2007) vergangenen Konzerte kündigten es bereits an: Noah “Panda Bear“ Lennox, David “Avey Tare“ Portner und Brian “Geologist“ Weitz greifen fast nicht mehr auf klassische Instrumente zurück (Gitarrist Josh “Deakin“ Dibb pausierte offenbar). Und falls doch, wie etwa auf die allgegenwärtige menschliche Stimme, dann erklingen sie oft in verfremdeter Form. “Merriweather Post Pavillon“ klingt folglich auch recht fremdartig, im Gegensatz zu den Vorgängern aber doch zugänglicher. Das dürfte nicht zuletzt auf den Mann im Produzentensessel zurückzuführen sein: Animal Collective heuerten hierfür Ben Allen (Gnarls Barkley, Christina Aguilera) an. Den teils anstrengenden Lo-Fi-Eskapaden der vergangenen Jahre setzte Allen ein Ende, So überzeugt “Merriweather Post Pavilion“ als erstes Album der Band auch in audiotechnischen Belangen.
Die früheren folkigen Klänge sind gänzlich verschwunden, die (teils sehr tanzbare) Elektronik ist in den Vordergrund gerückt. Animal Collective zaubern mittels Samples und Loops deftige Klangkonstrukte herbei, stapelten Schicht über Schicht. Wie die Alben zuvor braucht auch "Merriweather Post Pavilion" einige Durchgänge zur Entfaltung. Die wilde Kreativität und Verrücktheit des Quartetts von Baltimore mag dem unsorgfältigen Hörer schnell den Nerv rauben. Alles was Animal Collective auf ihrem letzten Album so gut gelang, ist auch hier wieder zu hören, und damit auch die vielen prächtig gedeihenden Details. Neben Zugänglichem wie den zwei ersten Stücken “In The Flowers“ und “My Girls“ sind auch einige versteckte Schönheiten ohne deutlichen Pop-Appeal auf dem Album zu finden (“Also Frightened“ oder “No More Runnin'“)
Die wärmende Freudigkeit, die jedes der elf Stücke auszeichnet, liegt in den Melodien, besonders auch in den Musikzitaten, die Animal Collective auf ihre jüngste Entdeckungsreise mitnahmen: Die überdeutlichen Beach Boys-Einflüsse in Gesang und Melodieführung oder die brasilianische Rhythmik im zuckersüssen “Bluish“ etwa. Ein wenig an El Guinchos letztjährige Grosstaten erinnert der Afro/Latin-Elektro-Hit “Brother Sport“, dessen grossartiger Singalong euphorisch stimmt wie nur ganz weniges im eben zu Ende gegangenen Musikjahr.
Trotz der genannten Referenzen: wer behauptet, dass Animal Collective neue Wege beschreiten und ebnen, liegt richtig, genauso wie das für TV On The Radio und Portishead im letzten Jahr zutraf. Und dieser Umstand kann gar nicht hoch genug bewertet werden.
Seit 09. Januar 2009 im Handel.
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Anspieltipps:
> In The Flowers
> Bluish
> Guys Eyes
> Brother Sport
Diskographie:
> Spirit They're Gone, Spirit They've Vanished (2000)
> Danse Manatee (2001)
> Hollinndagain (2002)
> Campfire Songs (2003)
> Here Comes the Indian (2003)
> Sung Tongs (2004)
> Feels (2005)
> Strawberry Jam (2007)
> Merriweather Post Pavilion (2009)