Genre: Art Pop | Label: 3ème Bureau (Disques Office) | Unsere Wertung: 5.0/10
Strasse ins Nichts
Progressivität und die Suche nach neuen Ideen ist in der modernen Musik ja nichts Ungewöhnliches mehr. Wenn sich daraus aber unentschiedenes zwischen den Stühlen Sitzen entwickelt, wird es mitunter anstrengend.
Für Applause sollte auf dem ersten Album wohl alles stimmen und alles drin sein, was man zu bieten hat. Immerhin gibt es die Band aus Brüssel schon seit 2006. Zuerst bestand Applause aus vier belgischen Instrumentalisten, seit dem Zusammentreffen mit dem französischen Sänger Nicolas Ly konnte sich die Band aber vor allem in der Musikszene Frankreichs ein wenig bemerkbar machen, so dass eine erste EP auf dem Pariser Label 3ème Bureau folgte. Dieser erste Eindruck war erstmals recht viel versprechend, denn die leichten Schwächen im Songwriting wurden auf diesem Mini-Album noch durch eine dichte Atmosphäre ausgeglichen. Nun sind Applause den nächsten Schritt gegangen und veröffentlichen ihr Debüt. Und nach den ersten paar Songs entsteht der Eindruck, stilistisch habe sich hier nicht viel geändert. Diese ersten Lieder können auch sicherlich überzeugen. „Road to Nowhere“ entwickelt durch sein gutes Timing sogar eine ganz besondere Dynamik, hier können Applause durch Progressivität beeindrucken, was zum vermutlich besten Song der Platte führt.
Ein echter Hit findet sich im Folgenden aber leider nicht mehr. Auf die Dauer fällt es dann eben doch auf; Applause wissen nicht wirklich, wo es hingehen soll. In der Mitte des Albums werden dem Hörer so manche Ideenfetzen aufgetischt, es finden sich immer wieder kleine Spielereien, Streichereinlagen, elektronische Experimente, Bläsersätze und ähnliches. Das ist natürlich Geschmackssache, aber irgendwie sieht es hier mehr nach Effekthascherei, als nach ernsthafter Experimentierlaune aus, auch wenn diese Kleinigkeiten teilweise recht unterhaltsam sind. Ein Song wie „Witches“ soll dann auch alles beinhalten: Pop, Prog, New-Wave, Electronica und hektisches Gekreische. Sicher, es gibt Bands, die das kombinieren können, aber hier haben sich Applause doch deutlich verhoben. Nicolas Ly ist eigentlich auch ein recht talentierter Sänger, aber im Laufe der Zeit wirkt sein Gesang ein wenig aufdringlich und auch manchmal aufgesetzt, was vielleicht durch die oft ziemlich simplen Texte entsteht. Im Kontrast zu Lys pathetischem Gesang entsteht dadurch nämlich ein Gefühl, dass man, wenn man es böse mit ihm meint, unfreiwillige Komik, vielleicht aber auch Selbstironie nennen könnte. Am Ende bleibt es wohl jedem selbst überlassen, wie viel Humor er in der Musik hören möchte.
Insgesamt pendelt man mit Applause auf „Where It All Began“ zu sehr hin und her, findet wahrscheinlich auch den ein oder anderen guten Song, wird sich mit dem Album im Ganzen aber wohl nur mässig anfreunden können. Dafür hat diese Band einfach zu viele Pfade eingeschlagen, ohne auch nur einen wirklich zu Ende zu gehen. Applause haben Potential, wie die EP bereits angedeutet hat, aber vielleicht sollten sie beim nächsten Mal nicht versuchen, alles zu versuchen.
Seit 10. Juni 2011 im Handel.
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Anspieltipps:
> Road to Nowhere
> Black Sand
Diskographie:
> Where It All Began (2011)
Ähnliche Künstler:
> Saga
> Haircut 100
> Sufjan Stevens (auf “The Age of Adz”)