Entgegen ersten Vermutungen verzichtete Aqua
Bassino auf allzu deutliche französische Anleihen (wie’s zum Beispiel
French Pop-, Chanson- und Cabaret-Elemente gewesen wären, selbst die
zahlreichen Vocals sind allesamt in Englisch oder Spanisch – vielleicht
auch besser so, wenn man an so manch viel zu kitschig oder gar
schrecklich geratenen Versuch in diese Richtung denkt) und beschränkt
sich so im Grunde darauf, die deepen House- und Loungetracks mit etwas
Chic zu verschönern. Sehr französisch klingt das alles also eigentlich
nicht, aber lässt man sich von der irritierenden Wirkung dieses
Trugbilds nicht allzu sehr ablenken, führt die “Rue De Paris“ den
gewillten Hörer zwar nicht nach Paris, aber zu einem der angenehmsten
und wohligsten Hörerlebnisse in der elektronischen Musik des noch
jungen Jahres. Der organische Opener “Look 2 The Sun“ begeistert mit
oberlässigem Saxophon, warmen Gitarrenklängen und sanft tapsenden Trip
Hop-Beats, da wirken selbst die etwas ungewöhnlichen Vocals nicht
störend, sondern fügen sich perfekt ein. Mindestens genauso gut geht es
dann auch weiter: Bezaubernd jazzig die Instrumentierung, genauso
bezaubernd soulig der Gesang und schlichtweg unübertrefflich ist das
housige Endprodukt geraten, welches Bassino “I’m a believer“ taufte. In
eine ähnliche Kerbe schlagen “We could be friends“, “Think it s real“
und ”Dancing thru the night”, wobei aber nur letzteres ansatzweise mit
dem hochkarätigen “I’m a believer“ mithalten kann. Um die Aufmerksam
des Hörers zu bewahren, wagt Bassino vielfältige Stil-Ausflüge, die man
mehrheitlich als gelungen bezeichnen darf. Mit dem ruhigen Titelstück
“Rue De Paris“ streift Bassino modernen Jazz und Ambient, mit “Espirito
de Amor“ präsentiert er ungewohnt sachten Latin-House und bei “The Way
I Love You“ wagt Bassino einen Blick in die Zukunft der Soulmusik.
Einflüsse von Barry White über Roy Ayers bis hin zu Nu-Jazzern wie
St.Germain (deutlich beim letzten Stück) lässt Aqua Bassino bei seinen
durchgehend gelungenen Titeln aufblitzen.
Aqua Bassino ist
ein Meister seines Fachs, das ist ganz offensichtlich - Aber dafür,
dass “Rue De Paris“ nicht nur als geschmacksvolle Hintergrundmusik
taugt, klingt so manches zu unspektakulär und zu gefällig.
Schlussendlich bleibt von der Reise nach Paris zu wenig im Ohr, als
dass ich eine unbedingte Kaufempfehlung aussprechen könnte. Sich mit
dem Schotten (und besonders mit seinem ersten Album)
auseinanderzusetzen ist für Freunde von wohlklingender elektronischer
Musik aber Pflicht.
Seit 17. Februar 2006 im Handel.
Anspieltipps: I’m a believer; The Way I Love You; Rue De Paris
Trackliste:
1) Look 2 The Sun; 2) I'm A Believer; 3) We Could Be Friends; 4) Sweet
Thing; 5) The Way I Love You; 6) Rue De Paris; 7) Espirito De Amor; 8)
Dancing Thru The Night; 9) Think It Iz Real; 10) Jay's Vibes
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Bio:
Jason Robertson, im schottischen Edinburgh beheimatet, begann im Alter
von 7 Jahren mit dem Musizieren, war als Jugendlicher als Gitarrist und
Bassist (daher vermutlich auch der Name, wer weiss?) und später auch
als Drummer und Perkussionist tätig. 1992 begann Aqua Bassino sich
aktiv mit der elektronischen Musik auseinanderzusetzen und sendete
einige Zeit später sein Demo-Tape dem französischen Label
F-Communications zu - dem famosen Label, bei welchem von
Robertson bewunderte Artists wie St.Germain unter Vertrag standen. 1995
veröffentlichte er mit “Swirl“ seine erste EP, auf der auch der Clubhit
“Ibiza“ enthalten war. 6 Jahre später folgte mit dem starken “Beat’s n
Bobs“ sein erster Longplayer. Nach diesem Höhepunkt folgte für
Robertson eine eher schwierige Zeit - Katastrophe jagte Katastrophe
(Beziehungs- und finanzielle Probleme, Verlust der umfangreichen
Plattensammlung durch Diebstahl) – und so dauerte es nun 5 Jahre bis
Bassino in diesem Jahr mit “Rue De Paris“ sein zweites Album
präsentieren kann

Diskographie:
> Beat's n Bobs (2001)
> Rue De Paris (2006)