…heisst Asobi Seksu auf Japanisch. Sex passt, doch dermassen ausgelassen ist dieser nicht.
’I’m Happy But I Don’t Like You’. Hoppla, wie steppt denn dieser Opener? Mit Kinderstimme trällert ein kleines, süsses Mädchen auf Japanisch eine Melodie über teils brachiale Gitarren, welche man für ziemlich lange Zeit nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Steppt also gewaltig. Ich habe kürzlich das Land des ewigen Lächelns bzw. des übertriebenen Anstands bereist und watschle nun in Gedanken nochmals durch Shibuya, gucke all die lustigen Leute bzw. Mädels an und erfreue mich ob deren ausgefallenen Modegeschmäcker.
Relativ rasch flaut dann die Sache schaurig ab, sobald Sängerin Yuki, zwar noch immer seidenfein hauchend, ins Englische wechselt. Die Musik wird dann zu sehr normalem, amerikanisch-altbekanntem Indierock. Die Idee, zwei Sprachen zu kombinieren, finde ich grundsätzlich gut, das Japanische klingt im Gehör eines durchschnittlich sprachbegabten Zentraleuropäers jedoch schlicht interessanter, da ungewohnter, und entsprechend enttäuschend wirkt dann das Englische. Die Stücke fliessen irgendwie ungehört an einem vorbei, ab und zu hört man sehr schöne Melodien, emotional-kitschige Schnulzen, hie und da mal wieder ’ne kräftige Gitarre, ein paar verträumte Synthiegeräusche, und plötzlich beginnt James Hanna zu singen. Boah, also nicht nur zwei Sprachen, sondern auch zwei singende Geschlechter. Schade, denn nun verschwindet auch die beinahe magische Säuselstimme Yukis und weicht kurzfristig tiefem Männergebrumme. ’It’s Too Late’ markiert den zweiten Höhepunkt des Albums. Ein zuckerwattensüsser Sieben-Minuten-Knaller, Yuko singt, als ob sie weinen würde, die Gitarre leidet mit ihr, dann noch ein gekonnter Ausraster zum Schluss, sehr schön. ’Asobi Masho’ ist das vielleicht japanischste und entsprechend verrückteste aller Stücke auf der Platte, leider dauert der schräg-schiefe Krach nur knappe anderthalb Minuten. Mit ’Stay’ wird dann noch schnulzig verliebt duettiert und dank ’Nefi + Girly’ (Bonustrack) bekommt man einen Einblick, wie die Band sich live so anhören würde. Tönt gut. Ein grob ausgedrückt durchschnittliches Album, welches Dank der Durchmischung von japanischen Texten und amerikanischem Indie einen gewissen exotischen Charme versprüht. Und Yukis Stimme bringt einen schlicht zum Schmelzen.
Seit 29. Oktober 2007 im Handel.
Anspieltipps: I’m Happy But You Don’t Like Me; Taiyo; It’s Too Late
Trackliste: 1) I’m Happy But You Don’t Like Me; 2) Sooner; 3) Umi De No Jisatsu; 4) Walk On The Moon; 5) Let Them Wait; 6) Taiyo; 7) It’s Too Late; 8) End At The Beginning; 9) Asobi Masho; 10) Stay; 11) Before We Fall; 12) Nefi + Girly
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Bio:
Asobi Seksu sind Yuki (voc., key.), James Hanna (voc., git.), Haji (ba.) und Mitch Spivak (dr.). Die New Yorker Band kombiniert gekonnt den japanischen Sinn für Fein- bzw. Zartheiten mit amerikanischem, kraftvollem Indierock. Das Album ’Asobi Seksu’ stammt eigentlich aus dem Jahr 2004 und wird nun in Europa nochmals veröffentlicht. Dieses Jahr erschien ausserdem das neue Album ’Citrus’. Asobi Seksu sind am 13. November in Zürich zu erleben.