Zwischen verschwindend leise und ausbrechend laut musiziert
die Band aus Göteborg, wobei der Schwerpunkt eher bei verschwindend
leise liegt.
Mit der Göteborger Musikszene habe ich bis anhin vor allem die ortsansässige Schule für Melodic Death Metal assoziiert, welche unter anderem Bands wie In Flames ausgebrütet hat. Audrey mögen zwar auch dem städtischen Untergrund sein und ebenfalls eine Band der Extreme sein, doch gehen sie einen Weg, der gegensätzlicher kaum sein könnte. Die vier Musikerinnen bieten jenen Musikfans etwas, die seit Frühlingsbeginn den Herbstbeginn herbeisehnen, um endlich wieder traurigen und kalten Klängen lauschen zu dürfen. Jenen, die vielleicht auch mit dem Hintergedanken spielen, sich von plötzlichen krachenden Eruptionen überraschen zu lassen. Um „Visible Forms“ in der Schublade Post-Rock zu verstauen (oder was geläufig darunter verstanden wird), fehlen den Songs aber wohl die ausufernden Spannungsbögen. Die Musik Audreys ist von einem ruhigen Fluss der Beständigkeit und Zeitlosigkeit durchzogen, wie man ihn von Bands wie Low oder Idaho kennt.
Audrey sind mittlerweile im Katalog der Berliner Institution Sinnbus zu finden, einem geschmacksicheren Label mit Faible für Sperrigkeit. Die Schwedinnen dürften gut aufgehoben sein, ist es doch jene Eigenschaft, die auch ihr Debüt auszeichnet. Der Opener „Mecklenburg“ ist vielleicht kein Paradebeispiel dafür, aber dennoch bezeichnend fürs weitere Geschehen. Die tief schürfende Trauer und das schleppende Tempo erweisen sich als wegweisend. Schwerfälligkeit darf bei Audrey aber nicht negativ gewertet werden, verstärkt sie doch das beklemmende Gefühl schwerwiegender Lasten auf des Hörers Schultern.
Einsame Pianos, Jazzbesen, zurückhaltendes Gitarrenspiel und das mit Melancholie beladene Cello prägen die hörbaren Formen von „Visible Forms“. Umgarnt werden sie von einfühlsamen, einstimmigen, manchmal mehrstimmigen Vocals. In „Views“ ist das Element Cello mit tonangebend und mit dem Aufschrei brechender Drumschläge droht die Klangwelt Audreys zum ersten und beinahe letzten Mal aus den Fugen zu geraten. Statisch wirken die Song-Konstrukte aber selten, denn sie durchlaufen aufregende Wendungen (z.B. „Six Yields“). Dabei stossen Audrey dem Zuhörer nie vor den Kopf, sondern führen ihn behutsam ein. Vielleicht gerade auf Grund der Bedächtigkeit offenbart sich ihre Grandezza frühestens mit dem zweiten Versuch.
Seit 17. November 2006 im Handel.
Anspieltipps: Mecklenburg; Six Yields; Plain Pieces
Trackliste: 1) Mecklenburg; 2) Views; 3) Six Yields; 4) Treacherous Art; 5) The Significance Of Being Overt; 6) Plain Pieces; 7) Leaving/Letting Go; 8) Vague; 9) Traverse
similar artists: Low, Trespassers William,
Savoy Grand,
Cat Power,
Mogwai
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Bio:
Audrey ist keine - wie der Name vielleicht vermuten lassen könnte – Solokünstlerin, sondern ein Kollektiv aus Göteborg. Es besteht aus den Musikerinnen Rebecka Kristiansson, Victoria Skoglund, Emelie Molin und Anna Tomlin. Die Instrumentierung umfasst hauptsächlich Gitarre, Bass, Schlagzeug und Cello, wird aber partiell erweitert, beispielsweise mit Trompete oder Horn. Ihrem Debüt-Album „Visible Forms“ sind ein self-titled Demo und eine self-titled EP vorangegangen. In Schweden erscheint die von und mit Paul Bothén (Kristofer Åström, The Bear Quartet) produzierte Platte auf dem Göteborger Label Tenderversion, international bei den Berlinern von Sinnbus.