Autechre - Untilted (2005) (Warp Records/Musikvertrieb) |
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| von Rudolf J. Merkle am Mittwoch, 1. Juni 2005 in Neuerscheinungen | |
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Kqwvrnschzkpbmpfogjionplmtzhnd - Pop-Musik kann auch anders klingen Geschätztes Auditorium, alle Freunde der gepflegten, beruhigenden, schöne Körper zucken lassenden, melodisch intakten Tanzmusik seien an dieser Stelle verabschiedet: Nö, des is nix für euch. Autechre festigen mit dem 8. Studioalbum erfolgreich ihren Ruf als eigentliche Vordenker und raffinierte Tüftler der elektronischen Unterhaltungsmusik. Die experimentfreudigen Engländer musizieren sicherlich gemässigter - "Untilted" als tanzbares Werk zu bezeichnen, scheint darob alles andere als gewagt -, aber das Duo bleibt konsequent. Obwohl permanent dekonstruktiv, scheuen die aus Manchester stammenden Künstler nicht davor zurück, melodischere Strukturen und harmonische Passagen anzudeuten ("Sublimit"; "LCC"); nicht zuletzt aufgrund dessen ist "Untilted" das bisher zugänglichste Album von Autechre. Unvergleichlich bleibt ihre Fähigkeit, das retardierende Moment rhythmisch nachgerade zu zelebrieren ("LCC"). In diesem Zusammenhang ist zu konstatieren, dass die berühmten Lärm-Attacken ausbleiben. Vielmehr arbeiten Booth und Brown unseres Erachtens vermehrt mit Dub-Versatzstücken, was dem gesamten Plot in der Basis eine gewisse Ruhe und Unaufgeregtheit verleiht. Dem Hörenden gelingt es weitaus besser als etwa im epochalen Album "lp5", sich zu orientieren. Selbstredend ist man auch weiterhin zu höchster Konzentration angehalten, um den Beats musikalischen Sinn, sofern man an dieser Stelle davon sprechen soll, abzugewinnen, aber es gelingt. Moderne House- und zeitgenössische Techno-Artisten täten gut daran, anzuzeigendes Album ernsthaft zu studieren, denn hier liegt unbestreitbar ein Opus vor, das bereichern kann und wird. Selten gehen Künstler derart verschwenderisch mit ihrer Kreativität um. Erstaunt nimmt man zur Kenntnis, dass der defragmentierte Sound über bemerkenswerte Groove- und Funk-Qualitäten verfügt (etwa "Pro Radii"). Verspielt und intelligent loten Autechre weiterhin die Grenzen des Pop aus - selten haben sie es ästhetischer getan. Sie arbeiten dekonstruktivierend, ohne auch nur einen Moment destruktiv zu sein. Das ist mathematisierte Schönheit, die zu abstraktem Tanzen auffordert. Alleine dem Faktum, mit welcher Gekonntheit Klischees vermieden werden, ist Respekt zu zollen. Hier wird Musik ohne Pose entwickelt und gespielt. Tolles Album. Unsere Ansicht: Selbst hören und selbst urteilen. Besten Dank für die ungeteilte Aufmerksamkeit. Seit 18. April 2005 im Handel. Anspieltipps: Iera, The Trees (aber eigentlich alle) similar artists: Aphex Twin, Kraftwerk (frühes Schaffen), Boards of Canada > Hören und Kaufen > Offizielle Seite > Label > CH-Vertrieb Bio: 1987 haben sich Sean Booth und Bob Brown zusammengetan, um ihre eigene Ideen musikalisch umzusetzen. Bis zu ihrem Durchbruch von 1993 ("Incunabula") schnipselten sie an bizarren Sounds herum, demontierten Melodien und brachten mit ihren merkwürdigen Klang- und Lärmgefügen einige Leute zum Tanzen. Auf den folgenden Platten studierten und experimentieren Autechre auf der gesamten Bandbreite elektronischer Musik. Krachende Noise-Bombardements, stechende Beats, wirre Klangmuster und minimal arrangierte Ambient-Stücke zeugen von der beeindruckenden Breite der produktiven Kooperation zwischen Booth und Brown. In der Musik-Geschichte haben sich Autechre längst einen Sonderstatus erarbeitet. Verdientermassen. Diskographie: > Incunabula (1993) > Amber (1994) > Tri Repetae (1995) > Chiastic Slide (1997) > Autechre (lp5) (1998) > Confield (2001) > Draft 7.30 (2003) > Untilted
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