Wie erfährt man etwas über die zu beschreibende Band? Der Gang zur offiziellen Website bringt hier nicht den erhofften Erfolg. Unter den allgemeinen Diskussionsthemen wird hauptsächlich potenzfördernde Medizin feilgeboten und Links zu Seiten mit anrüchigen Inhalten angepriesen. Damit wir uns richtig verstehen, der Rezensent hat diese Links natürlich nicht angeklickt. Nun, vielleicht ist diese wohl eher ungewollte Geheimniskrämerei gar nicht mal so schlecht. Biographien sind Biographien, nicht mehr, nicht weniger. Die Konzentration gilt also den Hauptsachen, wie etwa der Musik.
Die Musiker aus der Grunge-Hochburg bewegen sich mit „Everything All The Time“ irgendwo zwischen kleiner und grosser Popkultur. Die Welt der Scheinwerfer und Blitzlichter allerdings, ist nicht die ihre. Man liebt die Natur, Wälder und Wiesen. Und feiert Weed-Parties. Schlicht umwerfend schön ist „The Great Salt Lake“, das sich vorerst nicht so recht entscheiden kann, ob es mit der Merkwürdigkeit oder der Harmonie anbandeln will und sich zum Schluss endgültig der wohlklingenden Euphorie entgegenwirft. Solche Lieder haben früher Abenteurer dazu veranlasst, sich auf die Suche nach Binnenmeeren zu machen. Was sie dabei fanden - Great Salt Lakes.
Prägend sind die Vocals von Benjamin Bridwell, die in einigen Passagen an Nada Surf-Sänger Matthew Caws erinnern - hätte dieser operativ verkürzte Stimmbänder. Das klingt jetzt negativ, sollte es aber nicht. Der Nachhall-Effekt auf der Stimme lässt dabei ein erhabenes Licht auf die bittersüssen Lieder fallen. Sie ist darüber hinaus hervorragend kombinierbar mit sanftmütigen „whoo hoo“-Chören, wie im rührenden „The Funeral“. Hier klingt die Band nach Weakerthans - beileibe nicht die schlechteste Referenz.
Die Band Of Horses ist so eine Gruppe, mit welcher der Hörer umgehend warm wird, alsbald den Schulterschluss sucht und sie am liebsten tätscheln möchte. Ihre Stücke sind zwar niedlich, lassen es aber auch an grösseren Ansprüchen und Melodien nicht fehlen. Bei der Berieselung durch diesen Tonträger im ÖV kann es schon mal passieren, dass die Mitwelt in Vergessenheit gerät. Es lebe die iPod-Generation. Und die Band Of Horses.
Seit dem 17. März 2006 im Handel.
Anspieltipps: Wicked Gil; The Funeral; The Great Salt Lake; Weed Party
Trackliste: 1) The First Song; 2) Wicked Gil; 3) Our Swords; 4) The Funeral; 5) Part One; 6) The Great Salt Lake; 7) Weed Party; 8) I Go To The Barn Because I Like The; 9) Monsters; 10) St. Augustine
similar artists: Built To Spill, The Promise Ring,
Death Cab For Cutie, Figurines, Maritime, The Weakerthans, Nada Surf, Rogue Wave
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Bio:
Vor zwei Jahren löst sich die Indiepop-Band Clarissa’s Wierd aus Seattle auf. Gitarrist Ben Bridwell und Bassist Mat Brooke gründen daraufhin die Band Of Horses. Schnell erkennt man, dass Grosses entsteht. Demoaufnahmen kursieren und auf der folgenden Tour wird die erste EP verhökert. Bald darauf geht man mit dem renommierten Sub Pop Label einen Kontrakt ein und veröffentlicht das Debüt „Everything All The Time“.
Diskographie:
> Everything All The Time (2006)