Sie singt immer noch deutsch, glücklicherweise. Aufatmen also während des wunderschönen, saftig grünen Titeltracks, der auch gerade die Aufgabe des luftigen, herrlich einstimmenden Openers übernimmt. „In jeder Kleinigkeit liegt’s“, singt Morgenstern und fabriziert wieder mit ihren symptomatischen Geräuschen - Farbtupfer wie Blumen eingestreut - hell glänzend und in ihrer Leichtigkeit opulent. Die nächste Pracht folgt mit der Single „The Operator“ zugleich, mit melancholischem Refrain und der Parole „Take me, take me to the operator“. Das sind Songs, die im Ohr und Herzen, in Hirn und Seele hängen bleiben. Kleben bleiben. Genauso „Polar“, das trauriger und ernster daherkommt, deshalb tiefer geht und vielleicht Morgensterns bis dato bester Song ist.
Mit dem „Schönen Einheitsbild“ ist man im Stadtpark der Alltagshektik entkommen, geniesst die knallbunte Wiese und das Plätschern des Wassers. Morgensterns Musik findet sich homogen in die Natur ein, egal ob japanischer Garten oder römischer Innenhof. „The Grass Is Always Greener“ passt perfekt an einen Platz, der zwischen Haus und Garten liegt. Ein Lüftchen, das ins Haus weht. Die Sonne, die knapp bis in die Küche dringt. Und weil die Musik Geduld, Anmut, Kunst und Eleganz vereinen kann, passt nichts besser als ein japanischer Kirschbaum in seiner vollen Blütenpracht zu diesem Album.
Und endlich ist es ein von Anfang bis Schluss durchwegs sehr gutes Werk geworden. Auch ohne Gesang („Juist“) oder mit Themenwechsel („Unser Mann Aus Hollywood“) macht sich die Deutsche gut. Und mit „Alles Was Lebt, Bewegt Sich“ wächst sie wieder über sich hinaus: Gewaltig, wie sie ihre Ansagen mit Druck und Tempo loswird und den Song ständig noch zu intensivieren vermag. Himmlisch! Luftig leicht und trotzdem bemerkenswert wuchtig ist auch „Ein Paar Sekunden“, ein weiterer starker Elektropop-Track.
Der oft als „Orgelpop“ beschriebene Sound wird zur hypnotisierenden Klangwelt, ein geradezu magnetisierender Sog entwickelt sich und wird wirbelartig immer noch grösser und noch besser gegen Ende hin.
So auch in „Die Japanische Schranke“, das dann endgültig klarmacht: Jetzt hat auch Barbara Morgenstern ihren Meilenstein abgeliefert. Weltklasse!
Seit 21. April 2006 im Handel.
Anspieltipps: Das ganze Werk, insbesondere „Polar“ und „Alles Was Lebt, Bewegt Sich“
Trackliste: 1) The Grass Is Always Greener; 2) The Operator; 3) Polar; 4) Das Schöne Einheitsbild; 5) Unser Mann Aus Hollywood; 6) Juist; 7) Alles Was Lebt Bewegt Sich; 8) Ein Paar Sekunden; 9) Die Japanische Schranke; 10) Quality Time; 11) Mailand; 12) Initials B.M.
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Bio:
Barbara Morgenstern, am 19. März 1971 in Hagen geboren, ist deutsche Musikerin und Sängerin. Ihre Musik wird von Kritikern charakterisiert als "verträumter Orgelpop", "gleichzeitig elegant und rau, nervös und entspannt", "eine wunderschöne Stimme, hypnotische Texte und eine filigrane, leichte, melodische, abgeklärte Klangwelt". Nach ersten musikalischen Versuchen als Kind mit Klavierunterricht und später Jazzunterricht an der Hagener Jugendmusikschule spielte sie während der Schulzeit in einer Band und entschloss sich 1991, nach Abschluss ihrer Schulzeit am Ernst-Meister-Gymnasium in Hagen-Haspe, Musik zu machen. Von 1992 bis 1994 lebte sie in Hamburg und war dort als Musikerin tätig, mit eigener Musik und als Sängerin in einer A-cappella-Gruppe, und nahm an der Hamburger Hochschule an einem sechswöchigen Popularmusikkurs teil. 1994 zog sie nach Berlin um, wo sie zunächst als Keyboarderin in einer Band spielte und sich dann ab 1996 auf ihre eigene Musik konzentrierte. Sie bezeichnet sich selbst als Autodidaktin.
O-Text von Barbara Morgenstern über die Zeit ab 1996:
“Ich veröffentliche 1996 ein Tape bei Florians Mailorder-Vertrieb "Hausfrau
im Schacht³ und später (1997) beim "Klub der guten Hoffnung³ die EP
Plastikreport, die ich gemeinsam mit Michael Mühlhaus im selben Jahr
produziert hatte. Die Idee des Klubs bestand darin, sich gegenseitig Konzerte zu organisieren, was auch ganz gut klappte, obwohl ich ihnen immer noch ein Berlin-Konzert schuldig bin. Ich spielte mit meiner Orgel und einem 4-Spur-Tape in diversen Wohnzimmern und Clubs. kurzzeitig sogar mit Band. Gudrun Gut gründete zur etwa selben Zeit ihr Label Monika Enterprise und brachte nach den Quarks den ersten Wohnzimmer-Sampler heraus, zu dem wir auch eine Tour durch D, A und CH gemacht haben. 1998 konnte ich dann bei ihr meine erste Lp "Vermona ET 6-1“ veröffentlichen. Gudrun hat in unserem leicht angefeuchteten Raum den Gesang aufgenommen und ich hab zwischen Kochtöpfen (Job im Cafe) und Keyboards die Platte fertiggemacht. Danach spielte und organisierte ich meine erste Tour durch Deutschland, wobei mich Chrstian Obermaier Keyboards-spielender Weise unterstützt hat. Später folgten auch die ersten Auftritte im Ausland: Kopenhagen und mit To Rococo Rot später auch Olso und Stockholm.
So verging die Zeit und zack - war es schon 2000 und meine nächste Platte
"Fjorden“ war fertig. Das ging schon wesentlich entspannter, statt zwischen
Kochtöpfen nun zwischen Bäumen im Sommer in meiner Datscha - den Gesang unddas Mischen übernahm diesmal Stefan Betke alias Pole. Puh.
2001 erweiterte sich mein Wirkungskreis noch weiter auf Europa: U.K., Italien (wieder mit To Rococo Rot), Portugal und Moskau - was sehr spannend war!
Ausserdem habe ich 2001 mit Robert Lippok (To Rococo Rot) eine EP
aufgenommen.
Im Jahr 2002 habe ich hauptsächlich an meinem neuen Album "Nichts Muss“
gearbeitet.“
2003 erschien genanntes Album dann und zwei Jahre später kam ihr erstes Album mit Robert Lippok auf den Markt. 2006 folgt nun Morgensterns drittes Solo-Album „The Grass Is Always Greener“.